Ein Forstmeister namens Peter Felden steht im Mittelpunkt dieser Sage, an die sich wohl nur historisch interessierte Eupener erinnern. Marcel Schmetz, wie Autor Olivier Watroba Lehrer an der Pater-Damian-Schule, hatte seinen Freund und Kollegen auf die „Spur“ des Forstmeisters aus dem 17. Jahrhundert gebracht, nachdem er in der Reihe „Geschichtliches Eupen“ des Eupener Geschichts- und Museumsvereins auf dessen Geschichte gestoßen war. Und Olivier Watroba hat diese Sage dann zur Basis einer Erzählung gemacht, die kurz vor Weihnachten in Eupen spielt - mit Schnee, Weihnachtsmarkt, Weihnachtsliedern, Glühwein und allem Drum und Dran.
Schüler beschäftigen sich mit lokalen Sagen und Legenden.
Kurz vor den Weihnachtsprüfungen beschäftigen sich die Schüler des fünften Jahres der Pater-Damian-Schule mit Sagen und Legenden ihres Heimatortes.
Der 17-jährige Talin und seine Klassenkameradin Natalie arbeiten also die Geschichte des Forstmeisters auf, der „unter der Düvelscheid in dem alten Peters’schen Haus“ lebte. Glaubt man der Überlieferung, so war er bei seinen Mitbürgern alles andere als beliebt. Vor allen Dingen machte der Forstmeister denen das Leben schwer, die sich im Wald an Gras oder Farnkraut für ihr Vieh oder Reisig zum Verheizen bedienten. Mehr als einmal wurde er von wütenden Einwohner zum „Trienemännchens Loch“ verwünscht, einer Stelle mitten im Wald nahe dem Getzbach.

Nach Feldens Tod berichteten mehrere „Zeugen“, dass der Geist des Forstmeisters ihnen im Wald begegnet sei - und zwar habe er „auf einem Schimmel mit drei Füßen, einem bleiernen, gesessen und auf ein Horn geblasen“. Seither hieß es in Eupen, dass Felden jede Nacht zwischen Zwölf und Eins durch das Langesthal reitet.
Und an einem dunklen, kalten Dezemberabend macht sich dann auch Talin auf den Weg, um den Geist des Forstmeisters aufzuspüren. Als er von diesem nächtlichen Ausflug nicht zurückkehrt, begeben sich Hauptkommissar Willems und seine Kollegen von der Lokalen Kriminalpolizei auf die Suche nach dem Jungen.
Hilfreich ist es dabei für sie, dass Talin als erfolgreicher YouTuber seine Recherchen per Video festgehalten hat. Mehr sei an dieser Stelle natürlich nicht mehr verraten. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind in „Die Weihnachtsgeister, die ich rief“ nicht immer rein zufällig. „Manche Charaktere sind aus verschiedenen Personen ‘zusammengebastelt’“, lacht Olivier Watroba. Andere Personen gibt es tatsächlich, aber in einem anderen Kontext.
Kommissar Willems hat ein bekanntes literarisches Vorbild.
So die sympathische Betreiberin einer Glühweinbude auf dem Eupener Weihnachtsmarkt, die als „Original“ auf dem Monschauer Weihnachtsmarkt anzutreffen ist und für die Geschichte als Vorbild diente und nach Eupen transferiert wurde. Apropos Vorbild: Kommissar Willems selbst hat – wie es auch auch im Buch angedeutet ist - eine literarische Vorlage und erinnert in seiner ganzen Art und Lebensweise an Kommissar Bärlach von Friedrich Dürrenmatt. „Ich bin ein großer Dürrenmatt-Fan“, räumt Olivier Watroba ein.

„Seinen“ Ermittler hat er allerdings nicht ganz so verbittert dargestellt, sondern ein wenig zugänglicher.
Leser aus Eupen werden in dem rund 50 Seiten umfassenden Büchlein noch viele Orte und Situationen wiedererkennen und sich diese somit beim Lesen vor ihrem inneren Auge vorstellen können.
Die direkte Rede ist im gesamten Buch nicht in Hochdeutsch, sondern in typischer „Eupener Mull“ wiedergegeben, was sich in ausgelassenen Konsonanten oder fehlenden Wortendungen niederschlägt. Auf Dialekt hat Olivier Watroba aus mehreren Gründen verzichtet, u.a. weil er das Eupener Platt nicht beherrscht, aber auch, um Leser aus anderen Regionen nicht auszuschließen.
Das Buch ist übrigens als Adventskalendergeschichte aufgebaut und kann so in 24 kleinen Kapiteln gelesen werden. Weniger zu empfehlen ist den Lesern, es der Hauptfigur Talin gleichzutun und sich nachts auf den Weg zum „Trienemännchens Loch“ zu machen. Olivier Watroba hat sich allerdings nicht davon abbringen lassen und den Weg mehrfach zurückgelegt. Der rastlosen Seele von Peter Felden ist er nicht begegnet, aber einer Horde von Wildschweinen, die rastlos herumstreunten. Und das war kaum weniger schauerlich.
Am Freitag, 15. November, 19 Uhr, liest Olivier Watroba in der Buchhandlung Logos in Eupen aus seinem Buch (Anmeldung unter Tel. 087-56 04 58, sabine.weynand@logos-buch.de). Im Rahmen der Veranstaltung „Seitenstraße“ liest er am Samstag, 23. November, um 17.45 Uhr sowie um 21 Uhr (jeweils 30 min) im GrenzEcho aus der Geschichte vor.
„Die Weihnachtsgeister, die ich rief“ ist als Paperback erschienen und hat 52 Seiten. Die ISBN-Nr. lautet 978-3-86712-203-0, Preis 12 Euro.

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