Die Aussagen und die Argumention des Steuerberaters Christian Schumacher zu dem Artikel über die Reform des Schreibgeldes in der Wallonischen Region (GrenzEcho vom Mittwoch, Seite 6) kann ich nicht unkommentiert lassen.
Die Maßnahmen der MR-LE-Mehrheit zur Vereinfachung der Steuergesetzgebung stellt eine Steuergerechtigkeit her, gerade für weniger vermögende, weniger informierte oder beratene Bürger. Mit der neuen Gesetzgebung spart jeder, der eine Immobilie kauft, erst mal 9,5% Steuern auf den Kaufpreis - sofort und nicht erst in zehn Jahren. Ich bin überzeugt: so können mehr junge Menschen, eine eigene Immobilie kaufen. Genau das ist die Absicht. Denn Wohneigentum ist eine Altersversicherung. Beim Kauf eines Haus von 220.000 Euro muss eine Familie jetzt 47.000 Euro Eigenkapital haben. Viele haben die nicht und zahlen jahrelang weiter Miete: verlorenes Geld.
In seinen Berechnungen stellt der Steuerberater die Vorteile der alten Regelung so dar, als ob sie sofort in der Brieftasche der Betroffenen landen. Das stimmt nicht. Mancher „Gewinn“ kommt spät, mancher nie. Man muss ihn nämlich erst einfordern. Und das ist nicht so einfach. Mit der neuen Regelung spart jeder sofort Geld. Ohne zusätzliche Bürokratie und Expertenhilfe. Das gesparte Geld kann jahrelang gewinnbringend investiert werden. Davon ist in dem Artikel keine Rede.
Die berufliche und familiäre Situation der Menschen ändert sich mit der Zeit. Die Simulationen bieten ein starres, realitätsfernes Bild und treffen so, wie sie dargestellt wurden, oft nicht ein. Die Vorteile verfallen ungenützt. Es muss auch klar sein, dass die Nutznießer der bisherigen Regelung deren Vorteile wie die steuerliche Abschreibung weiter genießen. Leider wird hier das Kind mit dem Bad ausgeschüttet, ehe es geboren wurde.
Warten wir also das Gesetz ab, ehe wir es in der Luft zerreißen. Ich bin überzeugt, dass der Weg der Steuervereinfachung der richtige ist: für Bürger und Unternehmer. Er baut Ungleichheiten vor dem Steuergesetz ab, die heute gerade weniger bemittelte und informierte Bürgern benachteiligt. So wird liberale Steuerpolitik zur Sozialpolitik.
Kommentare
Monatelang sind MR-PFF und Engagés-CSP durch die Lande gezogen und haben mit einer Senkung der Registrierungsgebühren die Menschen geködert. Jetzt, wo das Kleingedruckte herausgekommen ist, ist klar: die Reform kommt vor allen Dingen denen zugute, die ihr Haus ohne Kredit finanzieren können. Es ist dann schon ein starkes Stück von Frau Mauel, zu behaupten man könne das “gesparte” Geld ja gewinnbringend investieren. Wie stellt sich Frau Mauel denn die Finanzlage junger Menschen vor, die ein Haus kaufen oder bauen? Meint sie wirklich, da bleibt noch etwas zum “investieren” übrig?
Noch dazu deutet sie an, viele Menschen seien nicht fähig oder vielen sei es lästig, ihren Hypothekenkredit steuerlich abzusetzen. Das ist jährlich bares Geld, welches dem Familienhaushalt mehr zur Verfügung steht. Natürlich setzen Menschen, die ein teures Hypothekendarlehen aufnehmen, ihren Kredit auch ab, wenn sie dafür am Ende des Jahres mehr Geld in der Tasche haben und das 20 Jahre lang!
Man fragt sich bei diesen Aussagen einfach, in welcher Welt die MR-PFF eigentlich lebt. Offensichtlich in einer sehr wohlhabenden.
Fakt ist: über 95 % der Paare, die nach dem 1. Januar ein Eigenheim erwerben, werden Jahr für Jahr während 20 Jahren mehrere tausend Euro weniger Netto-Einkommen haben.
Fakt ist: Menschen, die es bisher gerade so schafften, ein bescheidenes Eigenheim zu kaufen und zu renovieren, werden sich diesen Kauf nach dem 1. Januar 2025 nicht mehr leisten können und wohl lebenslang Mieter bleiben. Denn ja, auch das Netto-Einkommen entscheidet über die Kreditvergabe bei der Bank, nicht nur der Eigenanteil!.
Fakt ist: diejenigen, die das Glück und die Möglichkeit haben, einen Neubau zu erwerben, werden von der Senkung der Registrierungsgebühren nicht profitieren. Sie zahlen wie bisher die Mehrwertsteuer. Aber auch für sie wird die steuerliche Absetzbarkeit des Hypothekenkredits wegfallen. Auch diese Menschen werden Jahr für Jahr mehrere tausend Euro Netto-Einkommen weniger haben - während 20 Jahren!
Freddy MOCKEL
Abgeordneter im Wallonischen Parlament
(ECOLO)
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