Pläne, Worte, Taten

Hier ein Auszug aus meinem Buch „Pläne, Worte, Taten“: Die Ferien verbrachten wir im Wetzlarbad, egal ob bei schönem oder schlechtem Wetter. Wir tobten im Wasser, spielten Fußball auf der großen Sportwiese und wurden Meister im Ping-Pong-Spielen. Jungs und Mädchen kamen sich näher, das Wetzlarbad war „der“ Treffpunkt um Bekanntschaften zu machen und trug maßgeblich zum sozialen Leben in Eupen bei. Es war das schönste Freibad weit und breit. […] Der Springturm hatte drei Springhöhen: 1, 3 und 5 Meter. Hier gab es einige „Springkünstler“, wie etwa den späteren Eupener Fußballstar Karl Franssen, sowie Wolfgang Ohn, die es wagten, vom 5 Meter- auf das Dreimeterbrett zu springen und dann den gefederten Sprung mit einem Salto und Köpper abzuschließen.

Der Abriss dieser ehrwürdigen, historischen und vor allem einmaligen Anlage, die im Bauhausstil errichtet worden war, stellt zweifellos eine der größten städtebaulichen Sünden zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Eupen dar. […] Die Zusammenlegung von Hallenbad und Freibad ging aus der illusorischen Überlegung hervor, Synergien zu schaffen und Kosten einzusparen. Leider war das keine gute Idee. Abgesehen der Zerstörung der genial gedachten Anlage, war die Neuerrichtung kein Meisterwerk, […] jeglicher Charme ging verloren. Jetzt kommen noch die Schäden von der Flutkatastrophe von 2021 und die ungewissen Zeitverzögerungen für die Instandsetzung hinzu. Mindestens eine Generation von Eupenerinnen und Eupenern wird vermutlich ohne Schwimmbad aufwachsen und das Schwimmen, wenn überhaupt, anderswo lernen müssen. Die architektonische Einzigartigkeit des ehemaligen Wetzlarbades aber, mit seinem weißgestrichenen, filigranen Hauptgebäude, […], der außergewöhnlichen Außenanlage, dem großen Schwimmbecken und den kleineren Kinder- und Babybecken, ist für immer verloren. Wetzlar dreht sich im Grab um.

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