Das Chamäleon von Kelmis

Mit Erstaunen las ich, dass die Christlich-Sozialen in Kelmis sich vor den anstehenden Gemeinderatswahlen in CSP-Les Engagés umbenannt haben. Sie stören sich offenbar nicht daran, dass die ehemalige Schwesterpartei sich kürzlich aus der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, die sich christlichen Werten verpflichtet fühlt, verabschiedet hat.

Mit dem neuen Namen will man offenbar frankophone Stimmen ködern, denn laut Bürgermeister Luc Frank wird die Hälfte der Personalausweise in Kelmis in französischer Sprache ausgestellt. Ich hege den Verdacht, dass unter diesen potentiellen Wählern viele zugewanderte Neubelgier sind, die das Kelmiser Platt nicht beherrschen und Sozialhilfe beanspruchen.

Um die Alteingesessenen nicht zu verprellen, wird diesen versprochen, sich um ihre Sicherheit zu kümmern. Die Zahl der Revierbeamten soll verdoppelt werden. Sogar eine eigene Bürgerwehr steht auf der Agenda. Außerdem soll ein Aufnahmestopp für neue Bedürftige sowie strenge Kontrollen gegen Sozialmissbrauch erfolgen.

Als Außenstehender, der auf die Berichterstattung der Presse angewiesen ist, hat man den Eindruck, dass es keine Gemeinde im Vennland gibt, die ähnlich zerstritten ist wie Kelmis-La Calamine. Die derzeitige Mehrheit scheint nichts auf die Reihe zu bringen: weder eine Neubelebung des Park Hotels noch eine Neugestaltung des Kirchplatzes. Um die vielen Finanzlöcher der Gemeinde zu stopfen, wird der Bürgermeister nicht müde, Hilfen der Deutschsprachigen Gemeinschaft anzufordern. Diese tat der Gemeinde ja bereits den Gefallen, die Eyneburg in Hergenrath vor dem Verfall zu retten.

Unabhängig vom Ausgang der Gemeinderatswahlen, kann sich der Amtsinhaber jedoch entspannt in seinem Sessel zurücklehnen, denn er hat ja neuerdings ein sicheres Mandat in Namür. Da könnte er doch die Wallonische Region bitten, seiner klammen Gemeinde unter die Arme zu greifen.

Kommentare

  • Es ist immer wieder begeisternd zu lesen, wie Marcel Bauer bei seinen Einwürfen zu bestimmten Begebenheiten den Nagel auf den Kopf trifft und wie toll er das ausdrücken kann. Gut das ist sein Beruf. Jetzt im Fall Kelmis ist es in der Tat verwunderlich dass die CSP die Klamottenkiste wieder hervorkramen muss, um ein paar Stimmen dazu zu gewinnen. Aber ehrlich gefragt: was haben wir hier in Eupen-Sankt Vith noch mit den früheren sogenannten nationalen Parteien zu tun, auch wenn wir zur Wallonischen Region gehören. Das Übel liegt doch in der Tatsache, dass es sei 50 Jahren nicht gelungen ist, über die verschiedenen Staatsreformen hinweg, zwei eigene Wahlkantone zu bekommen, einen für Eupen und einen für Sankt Vith. Eine solche Forderung findet man sogar bei Staatsrechtler aus beiden großen Sprachgruppen mit dem Argument, das Minderheiten in der Tat auch überproportional gestärkt werden müssen in einem Bundesstaat. Mal sehen, ob das einer hier in der DG bei möglichen Verfassungsreformen fordert. Nur weil es bis heute nicht geschehen ist, bleibt es ja möglich, dass unsere Politiker, wie Luc Frank aber auch andere, sich über die Listen der wallonischen Parteien wählen lassen müssen. Aber was in diesen Parteien steckt, das weiß hier kein Mensch. Die einstmals stolze PSC war ja zuletzt, bevor sie sich zum zweiten Mal einen neuen Namen gab, hinter dem man nichts über die Grundwerte dieser Partei erfahren kann. fast zu einer Sekte verkommen, mit einigen wenigen Prozentchen. Und die Liberalen von der MR, die jetzt Aufwind erhalten haben, scharen sich hinter einem bunten Vogel dessen Forderungen und abstrusen Ideen ja noch den Lindner blass erscheinen lassen. Ist das die Haltung der hiesigen PFF?
    Die Behauptung von Luc Frank, dass in Kelmis die Hälfte der Personalausweise in französischer Sprache ausgestellt werden, legt eher ein gewisses Mass an Illegalität in der Verwaltung offen. Kelmis ist eindeutig eine Gemeinde des deutschen Sprachgebiets und damit der Sprachgesetzgebung unterworfen. Ich kann aus eigener Erfahrung festhalten, dass in den 1990-er und 2000-er Jahren die Personalausweise vielfach in französischer Sprache ausgestellt wurden. Dabei wurde der Bürger nicht gefragt. Nach dem Gesetz war das auch nicht erforderlich, aber illegal. Denn der Personalausweis muss, nach meinem Kenntnisstand der Gesetzeslage, automatisch in deutscher Sprache ausgestellt werden, es sei denn der Mitbürger fragt ausdrücklich nach einer Ausführung in französischer Sprache (Fazilitätenregime). Insofern sind die Statistiken in Kelmis und auch in der gesamten DG falsch, wegen Kelmis. Deshalb sollte auch jeder in Kelmis, der einen französischen Ausweis in Händen hält, aber Deutsch oder Plattdeutsch als Muttersprache spricht, sich einen neuen holen, und auf keinen Fall CSP-Les Engagés wählen.

  • Es ist immer lustig zu lesen, was gewisse Leute hier so für Kommentare von sich geben. Vor allem ortsfremde Menschen, welche dann auch noch schlecht informiert sind oder nicht ganz die Wahrheit von sich geben, vielleicht weil sie eben nicht oder falsch informiert sind.

    Zum einen Herr Bauer, welcher sich anscheinend mit den einzelnen politischen Instanzen in Belgien nicht auskennt oder diese gerne durcheinander wirft. Sonst wüsste er, das der BGM Frank nicht Mitglied des Wallonischen Parlamentes in Namur, sondern Abgeordneter der Kammer des Föderalen Parlamentes in Bruxelles-Brüssel-Brussel ist.

    Zum anderen Herr Janssen, der hier der Verwaltung unterstellt, dass diese illegal Ausweise in französischer Sprache ausstellt, indem diese die Bürger keine Wahl lassen, also nicht nachfragen würde in welcher Sprache das Dokument ausgestellt werden soll.
    Dies ist mit Nichten der Fall! Mir wurde bislang bei den Anträgen immer die Wahl gelassen, in welcher Sprache ich meine Dokumente haben möchte. Und ich muss es wissen, da ich bei dieser Verwaltung meine Dokumente beantrage. Im Gegensatz zu Herrn Janssen.

    Und was nun dieses ganze Gehabe um die Sprachengesetzgebung und deren Anwendung angeht, sollte es jedem Bürger selbst überlassen sein wie er damit umgeht. Es gibt zu viele Menschen die anderen vorschreiben wollen, was sie tun und lassen sollen.

    Vielleicht sollten gewisse Leute mal darüber nachdenken, dass vielen Menschen, welche in der DG bzw. in Kelmis leben, die Frage Deutsch, Französisch oder gar Flämisch einfach egal ist, weil sie eben in einem mehrsprachigen Land die angewandten Sprachen beherrschen und auf teure Übersetzungsdienste verzichten könnten.
    PS: Meine Dokumente sind in französischer Sprache und das ist bewusst so von mir entschieden worden und auch gut so. Und ich werde sicherlich der Aufforderung des Herrn Janssen nicht nachkommen, dies zu ändern indem ich neue Dokumente beantrage.

    Unsere Mehrsprachigkeit wird von DG-Ministern und Politikern immer wieder hervorgehoben und gelobt. Wieso sollte es den Menschen in der DG dann nicht erlaubt sein diese nach ihrem Willen entsprechend einzusetzen? Die DG ist nun einmal Teil eines mehrsprachigen Landes und man sollte tatsächlich weiterhin Stolz sein mehrere, aber zumindest zwei dieser Sprachen anwenden zu können. Für die, die das eben halt nicht können bleibt ja auf Wunsch die deutsche Sprache, die ihnen keiner verwehrt.

    In dem Sinne:
    Vive la langue française - Lang leve de Vlaamse taal ! Ach ja, und
    Lang lebe die deutsche Sprache

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