Kein gutes Omen

Herrn Schröders Kommentar ist ungenießbare Kost. Der „illiberale“ Orban sollte Vorbild sein, da er Wahlen zu gewinnen wisse und fast 50 % der Wähler überzeuge? Dabei agitieren „Illiberale“ nach bekanntem Muster: Besetzung der Justiz und der Medienen als Propagandaorgane, Behinderung der Gegner, Korruption und Geschenke für Getreue. Warum nicht gleich die vollendete Form des Illiberalen als Vorbild? Putin 88,5 %, Kagame zuletzt 99 %, Xi Jinping einstimmig für eine 3. ungewöhnliche Amtszeit.

Orban ist eingebunden in ein ultrakonservatives und -rechtes Netzwerk mit Trump als Galionsfigur. Eingeschworen sind sie auf simple Grundsätze: die eigene Nation zuerst. Bündnisse und Verträge gelten nur soweit sie der eigenen Nation nützen. Ungarn kassierte 2022 von der EU 4,4 Mrd. € (2,61 % des BIP, 459 €/Einw.). Orban lässt aber keine Gelegenheit aus, die EU zu boykottieren, zuletzt mit Putin- und Chinabesuchen. Laut Netzwerk sei das eigene Volk ständig bedroht, vor allem durch Immigrantenflut, die die volkseigene Kultur mit fremden Sitten verdrängt („le Grand remplacement“). So weigert sich Orban strikt, Asylanten aufzunehmen. Als Lösungen rät das Netzwerk zu Schutzmauern, aber auch ultrakonservativen Werten als kulturellen Wall: höhere Geburtenraten durch z.B. Rücknahme der Frauenrechte, Bekämpfung sexueller Minderheiten. Dieser rückwärts gerichtete Wertekanon findet die Unterstützung konservativer Kirchenkreise. Trump als ein Herrscher von Gottes Gnaden? So jedenfalls seine Inszenierung: Gott selbst habe die fatale Kugel von ihm abgeleitet, die dann einem Trumpfan das Leben kostete. Könnte das nach Trumps Deutung des göttlichen Willens bedeuten, dass der Schutz des providentiellen Führers Menschenleben kosten kann? Kein gutes Omen.

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment