„Meine Frau fragte mich, ob ich sie noch alle habe…“

PJK Precision

Georges Krupa und Benjamin Petitjean haben sich bei ihrem früheren Arbeitgeber kennengelernt. Mit ihrem Unternehmen „PJK Precision“ wachsen sie in der Präzisionsmechanik. Als Unternehmensgründer wird auch bis in die Nacht hinein geackert. In loser Folge werden an dieser Stelle Themen rund ums
Unternehmertum behandelt.

Von Alexander Stärk

Wir leben für unser Unternehmen PJK Precision und lernen jeden Tag hinzu“, sagt der Kelmiser Georges Krupa. Dem 34-jährigen Jungunternehmer nimmt man das durchaus ab. Mit Benjamin Petitjean (34) aus Welkenraedt hat er sich in der Zerspanungs-/Präzisionsmechanik selbstständig gemacht.

Im Oktober 2014 wurde das Unternehmen mit Sitz in der Eupener Industriestraße offiziell gegründet. Und die Augen des dreifachen Familienvaters Georges Krupa strahlen, wenn er im Büro aus dem Nähkästchen plaudert.

„Wir standen vor dem Nichts. Keine Kunden, keine Aufträge. Nur eine gebrauchte Maschine, mein Geschäftspartner und ich standen in der Produktionshalle…“, sprudelt es aus Georges Krupa heraus. Dabei verschweigt er nicht, dass seine Frau ihn wegen der Aufgabe des Angestelltenverhältnisses fragte, ob er noch alle beisammen habe…

420_0008_12082958_PJK_05_dh20170503h20170503_hagemann_03

Dann erzählt er sogleich von der Motivation, die ihn mit Benjamin Petitjean jeden Tag antreibt: „Wir beide möchten etwas bewegen. Wir möchten tagtäglich unternehmen. Wir möchten stolz sein auf das, was wir produzieren.“

Dann erzählt er sogleich von der Motivation, die ihn zusammen mit Benjamin Petitjean jeden Tag antreibt: „Wir beide möchten etwas bewegen. Wir möchten tagtäglich unternehmen. Wir möchten stolz sein auf das, was wir produzieren.“

Dies alles mag nach Floskeln klingen – doch die ansteckende Begeisterung des Kelmisers lässt keinen weiteren Schluss zu, als dies zu glauben. Und es kommt noch besser, wenn er seine Beweggründe für sein Unternehmertum erläutert: „Zwölf Jahre lang habe ich mich vom Handlanger zum Abteilungsleiter in einem mittelständischen Unternehmen hochgearbeitet. Dort habe ich meinen jetzigen Geschäftspartner Benjamin Petitjean kennengelernt. Er hat es als Industrieingenieur vom Qualitätsprüfer bis zum Produktionsleiter gebracht. Für uns beide war der Moment gekommen, dass wir unsere eigenen Ideen vom Unternehmertum umsetzen wollten.“ Dass ein rauerer Ton in der schnelllebigen Arbeitswelt auch sein Übriges dazu beigetragen hat, sein eigener Chef zu werden, verschweigen Krupa und Petitjean nicht. „Wir sind jetzt endlich frei, unsere eigenen Ideen zu verwirklichen. Ohne jetzt angeben zu wollen – aber der Erfolg gibt uns beiden recht“, sagt Georges Krupa mit stolzgeschwellter Brust.

420_0008_12082957_PJK_04_dh20170503h20170503_hagemann_03
Die beiden Geschäftsführer Georges Krupa (l.) und Benjamin Petitjean leben mit PJK Precision ihren Traum vom Unternehmertum. Die beiden übrigen Fotos zeigen einen Fertigungsprozess und eine Produktauswahl von Metallkomponenten des Unternehmens PJK Precision. | Foto: David Hagemann

Für uns beide war der Moment gekommen, unsere eigenen Ideen umzusetzen.

Mittlerweile stehen neun Männer in Lohn und Brot bei PJK Precision. Und es könnten bei weiterhin steigender Auftragslage noch ein bis zwei Personen in diesem Jahr hinzukommen. Schaut man sich in den beiden Produktionshallen um, so sieht man hochkonzentrierte und motivierte Männer an CNC-Fräsmaschinen, CNC-Drehmaschinen und hochpräzisen Messgeräten. Musik schallt aus einem Radio, und ein Fräser pfeift fröhlich im Takt, während ein Kollege fertige Produkte aus der Produktionsmaschine herausnimmt und zur Weiterverarbeitung in den vorgesehenen Kasten legt. Das Familiäre ist es, was die Unternehmer Krupa und Petitjean beibehalten wollen: „Freitags essen wir alle zusammen im Betrieb. Wir helfen uns gegenseitig, arbeiten nach dem Rotationsprinzip und jeder hat ein offenes Ohr für den anderen.“

420_0008_12082976_PJK_10_dh20170503h20170503_hagemann_03

Dass selbst im erfolgreichen Unternehmertum nicht immer Eitelsonnenschein herrschen kann, halten sich die beiden Geschäftsführer stets vor Augen: „Wir fahren beide keine dicken Autos. Wir investieren jeden gewonnenen Euro in das Unternehmen. Und es gibt Tage, da wird bis in die Nacht geackert, um den Zeitplan einzuhalten“, berichtet Benjamin Petitjean. Gerade in den noch andauernden Anfangsjahren gebe es immer wieder Löcher zu stopfen: Eine Maschine fällt aus, eine zusätzliche fehlt für Produkte eines größeren Kunden, ein Kunde springt ab oder kann nicht pünktlich zahlen, Personal muss angeworben und angelernt werden… „Es wird nie langweilig“, meint Georges Krupa augenzwinkernd. Man müsse kreativ sein, Leidenschaft an den Tag legen und stets an den Erfolg glauben.

Was den beiden Jungunternehmern bei der Existenzgründung geholfen hat? „Wir waren sehr froh, dass uns die Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFG beratend zur Seite stand. Und der Tipp des damaligen Parlamentspräsidenten Karl-Heinz Lambertz, sich an die Ostbelgieninvest OBI zu wenden, war eine große Hilfe, um beispielsweise erforderliche Bankgarantien für die Erweiterung des Maschinenparks zu bekommen“, sagt Georges Krupa.

Hintergrund: PJK Precision

  • Gründung: Oktober 2014
  • Mitarbeiter: 9
  • Produkte: hochpräzise Metallkomponenten für die Bereiche Medizin, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Transport, …
  • Umsatz: 1,6 Millionen Euro seit der Gründung
  • Umsatz pro Monat: 120.000 Euro
  • Investitionen: 1,5 Millionen Euro seit der Gründung
  • 6 Maschinen
  • Zielsetzung: ISO-Zertifizierungen, um größeren Kundenkreis zu gewinnen

In loser Folge werden an dieser Stelle Themen rund ums Unternehmertum behandelt.

ge_unternehmertum

Kommentare sind geschlossen.