„Von der Idee überzeugt sein und einfach mal machen!

Zwergenstube

Zielstrebig, nachhaltig, authentisch. So könnte man die Inhaberin der „Zwergenstube“ in Eupen bezeichnen. Die 41-jährige Nicole Voncken trifft mit ökologischen Kleidungsstücken und Holzspielzeug für Babys und Kinder den Zeitgeist. „Aber aller Anfang ist schwer“, gibt sie unumwunden zu.

Von Alexander Stärk

Aus welcher Motivation heraus haben Sie sich selbstständig gemacht?

Die Entstehung der Geschäftsidee war ein Mix aus meiner neuen familiären Situation, der Lust etwas „Eigenes“ zu machen und dem Überdruss von vertraglichen Bedingungen. Hinzu kam – und das ist das Wesentliche – meine persönliche Überzeugung, den Ökogedanken auch in den Beruf miteinfließen zu lassen.

Und dann entstand die Idee, als junge Mutter einen Kinderladen zu eröffnen?

Ja, das kann man so sagen. Ich hatte ganz einfach Lust auf Kindertextil. Mir war klar, dass ich aber nur biologische Naturfasern anbieten möchte. Und dabei möchte ich gleichzeitig aufzeigen, dass Ökotextil inzwischen eine breite, bunte, schöne und auch ausgefallene Auswahl bietet.

War es leicht, ein geeignetes Geschäftslokal zu finden?

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich von Zuhause aus gearbeitet. Während sieben Monaten habe ich einen Homeshop betrieben, bevor ich dann im November 2017 in ein Ladenlokal in die Klosterstraße umgezogen bin. Ursprünglich wollte ich gar nicht so schnell umziehen, aber das Ladenlokal bot sich nahezu perfekt an und dann entschloss ich mich zum Umzug.

Der Homeshop war dann sicher eine gute Möglichkeit, die Selbstständigkeit und die Geschäftsidee auszutesten?

Ja, ich war von der positiven Resonanz überrascht und ja, das hat mich natürlich ermutigt einen Schritt weiter zu gehen. Ich brauchte auch mehr Platz für das wachsende Sortiment. Es gab tatsächlich einen Bedarf an dieser Art Textil und viele Kunden waren froh, „solch“ einen Laden nun auch in Eupen zu haben.

Was haben Sie vor der Selbstständigkeit gemacht?

Längere Zeit befand ich mich in Mutterschaftsurlaub. Davor war ich beim „Patienten Rat & Treff“ beschäftigt. Von der Ausbildung her bin ich Sozialassistentin und über viele Jahre hinweg in der Sozialarbeit zu Hause gewesen.

Warum haben Sie sich selbstständig gemacht?

Primär aus einem Bedürfnis heraus, Beruf und Familie besser miteinander verbinden zu können und so wenig wie möglich Fremdbetreuung für unsere Tochter in Anspruch nehmen zu müssen. Dadurch, dass ich den Laden erstmals als Homeshop mit wenig Öffnungszeiten gestartet habe, konnte ich unsere Tochter während der Öffnungszeit mit in den Laden nehmen, was zu dem Zeitpunkt gut für uns alle war. Darüber hinaus bin ich gerne mein eigener Herr und Meister und mache nur ungern Kompromisse. Aber gerade die Kompromisse häuften sich zunehmendst im Arbeitnehmerverhältnis. Und irgendwann kippte das Gleichgewicht und es erforderte Entscheidungen. Das alles lief sozusagen parallel und dann war die Entscheidung, mich selbstständig zu machen, irgendwann der nächste logischste Schritt.

Wer und was hat Ihnen bei dem Schritt in die Selbstständigkeit geholfen?

Die Lust, neue Wege einzuschlagen und die Fähigkeit, angstfrei neue Projekte zu starten. Nicht zuletzt auch mein innerer Wegweiser, der mich bis hierhin ziemlich gut durchs Leben gewiesen hat. Rein praktisch gesprochen, war die Familie auch eine große Hilfe.

Was ist das Spannende am Unternehmertum?

Es ist vor allem auch eine Herausforderung, alle Aspekte des Unternehmertums im Auge zu behalten. Ich denke, das ist meine persönliche große Herausforderung. Schön und spannend zugleich ist die Auswahl des Warensortiments, das Sichten der Kollektionen auf Messen. Auch der Kontakt zu den vielen Müttern, Eltern, werdenden Müttern, Kunden generell macht mir Freude. Freude – und Sorge oftmals zugleich – ist, alle Entscheidungen selber treffen zu können.

Was ist Ihre tägliche Motivation, das Geschäft aufzuschließen?

Es ist vorrangig der Spaß am Ladengeschäft und die Überzeugung, was Gutes zu tun. Ökologisches Textil hat viel mit Umweltschutz und Gesundheit zu tun. Aspekte, die mir persönlich wichtig sind, die aber auch einen immer größeren Stellenwert in der Gesellschaft und bei den Kunden erhalten. Wenn das Textil dann auch mit dem GOTS Siegel zertifiziert ist, bedeutet das neben chemiefreien biologischem Textil auch Transparenz und fairer Handel in der gesamten Produktionskette.

Können Sie den Arbeitsaufwand in Stunden fassen?

Es sind 30 Stunden Öffnungszeit plus die Arbeit, die hinter den Kulissen passiert. Das ist schon ein runder Vollzeitjob. Auch gibt es arbeitsintensivere Monate, wenn beispielsweise die Vororder der kommenden Kollektionen laufen.

Die Arbeit besteht sicherlich nicht nur aus dem Verkaufen von Babyartikeln?

Nein, natürlich nicht. Der Verkauf an sich ist nur ein Teil der Arbeit. Der delikateste Teil ist die Warenauswahl. Hier muss ich gut überlegt handeln, wälze Herstellerkataloge, entscheide über Stückzahl und Design usw. Dies macht aber neben all dem erforderlichen Kalkül auch Freude. Danach geht es viel um Warenpräsentation und Preisberechnung – wobei viele Hersteller unverbindliche Preisempfehlungen geben, was die Sache enorm vereinfacht. Dennoch müssen alle Artikel ausgezeichnet werden, hinzu kommt Werbung und der nötige Papierkram. Es wird nicht langweilig!

Hilft Ihnen jemand z.B. beim Wareneinkauf, bei der Preisberechnung, bei der Schaufensterdekoration, etc.?

Nein, it is a one woman job. Bislang zumindest.

Welche Werbung machen Sie?

Ein Großteil der Werbung läuft über die Facebookseite. Hier geht es eher darum, Artikel des Sortiments vorzustellen. Hier und da kommt Anzeigenwerbung hinzu, jedoch vergleichsweise wenig. Die Werbung zu intensivieren ist ein großer Punkt auf meiner To-do-Liste! Oft scheut man Werbung wegen der Kosten, doch ohne geht es nun mal leider nicht. Man kann den tollsten Laden haben, aber wenn man nicht weiß, dass es ihn gibt, nützt ja alles nichts.

Was würden Sie anderen raten, wenn sie sich selbstständig machen möchten?

Nur zu, wenn die Motivation und Lust dazu groß ist. Leider ist es aber auch kostspielig, gerade am Anfang, und erfordert erstmals in aller Regel viel Energie, Zeit und Geld. Das sollte man gut durchkalkulieren und organisieren, sich dabei gleichzeitig aber auch nicht den Wind aus den Segeln nehmen lassen. Bürokratie&Co sind lästig, aber leider nicht zu umgehen. Da habe ich auch schon Lehrgeld gelassen, weil ich diesen Punkt zu Beginn vernachlässigt habe. Klein starten, sich nicht zu schnell vergrößern sind auch wichtige Elemente. Und dann einfach machen!

Hatten Sie einen Geschäftsplan, um eventuell einen Bankkredit zu erhalten? Wer hat ihn erstellt?

Ja, als ich mit dem Laden in die Stadt umgezogen bin und sich das Warensortiment deutlich vergrößerte, habe ich die WFG kontaktiert. Ich kann jedem empfehlen, der sich selbstständig machen möchte, egal ob neben- oder hauptberuflich, die WFG zu kontaktieren. Gerade wenn man wie ich aus einer anderen Branche quer einsteigt, braucht man jemanden, der alle Aspekte im Blick hat – zumindest was die Finanzen, Berechnungen zur Rentabilität etc. betrifft. Den wirtschaftlichen Aspekt der Geschäftsidee eben. Und Banken fordern einen Business- und Rentabilitätsplan ein, wenn man einen Kredit erhalten möchte. Diesen hat die WFG erstellt und das war eine enorme Hilfe.

In loser Folge werden an dieser Stelle Themen rund ums Unternehmertum behandelt.

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