Zwischen den Seilen: Eifeler Turner zeigen ihr Können im „Rope Skipping“

Trendsportart

Seilspringen ist nicht gleich Seilspringen: Beim „Rope Skipping“ - in dieser Szene lässt Cyrille Goffin Cindy Groven fliegen - sind hohes Tempo und akrobatische Figuren gefragt. | Foto: Carsten Lübke

„Viele Leute kennen das Seilspringen nur vom Schulhof“, meint Cyrille Goffin aus Nidrum. Dabei macht die Sportart seit einigen Jahren unter der englischen Bezeichnung „Rope Skipping“ richtig Karriere. „Es gibt hierzulande sogar Menschen, die die Sportart zu ihrem Beruf gemacht haben und davon leben können“, berichtet der 36-jährige Eifeler.

Von Carsten Lübke

Leben „will und kann“ Cyrille Goffin nicht vom „Rope Skipping“, und das obwohl er es bereits seit knapp zehn Jahren betreibt. „Dafür bin ich im Vergleich zu den Profis zu schlecht“, scherzt er. Doch verstecken braucht sich der Hobby-Springer keineswegs, denn was er in der Sporthalle des Königlichen Athenäums St.Vith bei einem Training abliefert, verdient Respekt. Liegestütze, Handstand, Salto oder Bocksprung: Cyrille Goffin versucht, fast alle Spielarten der Akrobatik auszuüben, während die Seile rasend schnell wie eine Nähmaschine um ihn herum rattern.

Beim Hinschauen wird schnell klar: Das Schulhofvergnügen von einst hat mit dem Trendsport nur noch das Seil gemeinsam. „‚Rope Skipping‘ ist eine Mischung aus Turnen und rhythmischer Sportgymnastik“, sagt Goffin und fügt hinzu: „Besonders spannend ist die Vielseitigkeit der Sportart. Es gibt einfach unheimlich viele akrobatische Elemente, die sich zur Seil-Show kombinieren lassen. Es gibt fast keine Grenzen.“

Am Samstag reisen die ostbelgischen Rope-Skipper nach Gent.

Aber wie ist er eigentlich auf die Idee gekommen, sich zwischen den zischenden Seilen abzumühen? „Ich bin schon seit Jahren im Turnverein Nidrum aktiv. Über eine Freundschaft mit einem Club aus Deutschland, der das ‚Rope Skipping‘ betreibt, bin ich vor knapp zehn Jahren zufällig zum ersten Mal mit dem Sport in Kontakt gekommen“, kommentiert Cyrille Goffin, „und war sofort Feuer und Flamme dafür“. Mit seinem Enthusiasmus steckte er einige Monate Zeit später Cindy Groven vom Turnverein Bütgenbach an. „Ich habe mir das Ganze bei Cyrille einmal angeschaut und schon war meine neue Leidenschaft geboren“, berichtet die 27-Jährige aus Aldringen. Seither springen und schwingen die beiden, was das Zeug hält. Über die Jahre sind auch Elena Freisen (27), Sarah Heinrichs (26) und Sarah Fickers (29) hinzugekommen, die allesamt beim Turnverein Elsenborn eingeschrieben sind.

Seilspringen war gestern, „Rope Skipping“ aus den USA liegt im Trend, und den leben die Ostbelgier Cyrille Goffin, Elena Freisen, Sarah Heinrichs, Sarah Fickers und Cindy Groven (v.l.n.r). | Foto: Carsten Lübke

Eingeschrieben ist das Quintett auch beim zwölften internationalen Double-Dutch-Contest, der am Samstag, 28. April im Genter Kulturzentrum Vooruit über die Bühne geht. Double-Was? „Double-Dutch“, wiederholt Cindy Groven und erklärt, was darunter zu verstehen ist: „Bei dieser ‚Rope-Skipping-Art‘ werden zwei Seile gleichzeitig geschwungen, während die anderen Akteure versuchen, zwischen und neben den Seilen eine Show zu bieten.“ Unterlegt wird das Ganze durch flotte Beats aus Techno, Pop oder Hip-Hop.

Bei dem Contest in Gent bleiben der Gruppe genau 180 Sekunden Zeit, um möglichst viele akrobatische Elemente, gepaart mit einer ideenreichen Choreografie, in der Freestyle-Kür zu präsentieren. Bei der Performance bewertet ein Kampfgericht einerseits die Schwierigkeit der einzelnen Sprünge, andererseits Technik, Synchronität und Kreativität. „In dieser Kategorie werden wir zu einem Musik-Mix von Michael Jackson springen“, verrät Cindy Groven, die wie Cyrille Goffin, bereits zum dritten Mal an dem Contest teilnimmt.

Bevor die Ostbelgier aber ihre Show abfeuern dürfen, müssen sie zum Auftakt der Meisterschaften noch die Speed-Disziplin im „Double Dutch“ abspulen. „Hier geht es darum, nacheinander zu zweit möglichst viele Sprünge in insgesamt 60 Sekunden zu absolvieren“, erklärt Cyrille Goffin. Und wie viele sind da so möglich? „Die Profis schaffen über 200, unser Rekord liegt bei 127“, erzählt er.

Ohne Kraft, Ausdauer und Körperbeherrschung ist beim internationalen Contest aber nichts zu holen. „Es genügt nicht, eine hervorragende Turnerin im Seil zu haben, die Koordination im Team muss stimmen“, sagt Cindy Groven. Die Freestyle-Elemente einer Kür werden im Training so oft geübt, bis sie nahezu automatisch ablaufen. „Zumindest versuchen wir es“, schiebt die 27-Jährige mit einem Augenzwinkern ein. Nur eine Variable ist für den Springer nicht beeinflussbar: das Seil. Ein Patzer genügt, und das Rennen um den Titel ist trotz zirkusreifer Leistung gelaufen. „Der Titel ist aber auch gar nicht unser Ziel. Wir sind einfach froh, dabei zu sein und wollen unser Bestes geben. Wir wissen einfach, dass die Konkurrenz sehr stark ist“, meint Sarah Fickers, die neben Sarah Heinrichs, zum ersten Mal bei dem internationalen Wettbewerb dabei ist. Von Nervosität aber keine Spur. „Noch bin ich ganz ruhig“, scherzt die 29-Jährige aus Weywertz. „Am Samstag sieht das Ganze aber bestimmt anders aus“, fügt Teampartnerin Sarah Heinrichs hinzu.

„Je schneller die Sportler ihre Füße bewegen können, desto dünner und schneller ist das Seil.“

Das Seil mit den einzelnen bunten Gliedern (vorne) lässt sich langsamer schwingen als das reine Kunststoffseil. | Foto: Carsten Lübke

Seit Wochen trainieren die ostbelgischen Rope-Skipper „sehr intensiv“ für ihren Auftritt. Neben den normalen Übungseinheiten wurde in den letzten Tagen und Wochen das Pensum noch einmal erhöht. „Wir haben am Ende dreimal die Woche geschwitzt. Damit war aber auch unser Limit erreicht, schließlich betreiben wir den Sport nicht professionell, sondern nur als Hobby“, unterstreicht CyrilleGoffin.

Gesprungen wird übrigens mit unterschiedlichen Seilen, denn „jede Mannschaft bestimme selbst, welches zum Einsatz kommt“. Das mit den einzelnen bunten Gliedern lässt sich langsamer schwingen als ein reines Kunststoffseil. „Je schneller die Sportler ihre Füße bewegen können, desto dünner und schneller ist das Seil“, verdeutlicht Groven.

Die Ostbelgier gehen am Samstag auf jeden Fall auf Nummer sicher und werden auf das „langsame Seil“ bauen – zumindest bei der Kür. „Wir wollen lieber langsamer, aber dafür ohne Fehler agieren“, so Goffin.

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