„Djoker“ ist Schatten seiner selbst

Tennis

Der brodelnde „Nole“-Vulkan brach in Shanghai im Match gegen Bautista Agut aus. Nach dem Verlust des ersten Satzes zertrümmerte Djokovic sein Racket.
Der brodelnde „Nole“-Vulkan brach in Shanghai im Match gegen Bautista Agut aus. Nach dem Verlust des ersten Satzes zertrümmerte Djokovic sein Racket. | Foto: afp

Novak Djokovic ist derzeit nur noch ein Schatten seiner selbst und schied in Shanghai im Halbfinale aus. Auch die weitere Zusammenarbeit mit Coach Boris Becker steht in den Sternen.

Von Claas Hennig

Schläger zertrümmert, Hemd zerrissen, Schiedsrichter beschimpft: Nach dem Ende eines völlig frustrierenden Arbeitstages musste sich Novak Djokovic auch noch die Buhrufe einiger Zuschauer gefallen lassen. „Lächerlich“, zischte der kriselnde Weltranglistenerste nach seiner 4:6, 4:6-Niederlage im Halbfinale des ATP-Mastersturniers von Shanghai gegen den Spanier Roberto Bautista Agut (Nr. 15).

Djokovic gewährte durch seine Ausraster auf dem Centre Court im Qi-Zhong-Stadion tiefe Einblicke in seine Seele. Und die wirkt zerrissen. „Ich habe mich nicht gut gefühlt“, gab er zu. Bereits im Viertelfinale gegen Qualifikant Mischa Zverev, Nummer 110 im Ranking, hatte der „Djoker“ bedenklich gewackelt. Der 29-jährige Serbe, der in diesem Jahr die Grand-Slam-Turniere in Melbourne und Paris gewonnen hat, ist momentan nur noch ein Schatten seiner selbst.

Private Sorgen sollen dahinterstecken. Glaubt man dem Boulevard, dann soll seine Frau Jelena sogar gedroht haben, mit dem knapp zweijährigen Sohn Stefan aus dem Haus in Monte Carlo auszuziehen. Hinzu kommen Verletzungssorgen. Bezeichnend, dass Djokovic beim Hartplatz-Event in Shanghai ganz kleinlaut und bescheiden als Ziel für 2017 ausgab: „Ich möchte einfach ein zufriedener Mensch sein.“ Derzeit ist er es offenbar und augenscheinlich nicht.

Ob weiterhin auch Boris Becker helfen wird, steht in den Sternen. „Ich habe ihn bis zum Ende dieser Saison verpflichtet“, sagte Djokovic. Über 2017 habe man noch nicht gesprochen. „Und ich habe auch noch nicht darüber nachgedacht“, fügte der sechsmalige Australian-Open-Gewinner an. Ende 2013 hatte er den dreimaligen Wimbledonsieger überraschend als Coach verpflichtet. Derzeit arbeitet Djokovic immer öfter mit dem spanischen Tennis-Guru Pepe Imaz zusammen.

Die Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Trennung von Becker kursieren seit Monaten. Sie erhielten immer wieder neue Nahrung dadurch, dass der lange Zeit unantastbare „Robotovic“ nach der ersehnten Komplettierung seines Karriere-Grand-Slams bei den French Open in Roland Garros Anfang Juni eine Serie von Misserfolgen durchlebte. Und der brodelnde „Nole“-Vulkan brach in Shanghai im Match gegen Bautista Agut aus. Nach dem Verlust des ersten Satzes zertrümmerte Djokovic sein Racket, in dem er es gleich dreimal hintereinander auf den Boden schleuderte. Danach legte er sich wegen einer zurecht verweigerten Challenge mit dem Stuhlschiedsrichter an.

Als sich der Branchenführer auch noch wutentbrannt einen Teil seines roten Shirts aufriss, wurde es einigen Zuschauern zu bunt. Sie buhten und schüttelten angesichts des Theaters ungläubig die Köpfe. Es war die erste Niederlage des dreimaligen Shanghai-Gewinners Djokovic gegen Bautista Agut im sechsten Vergleich. Der Spanier unterlag am Sonntag im Finale des mit 7,7 Millionen Dollar dotierten Turniers gegen den britischen Wimbledonsieger Andy Murray mit 6:7 (1:7), 1:6. (sid)

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