GrenzEcho übernimmt 51 Prozent von Radio Contact

Interview

GrenzEcho-Geschäftsführer Olivier Verdin (r.) und Radio-Contact-Chef André Goebels erwarten viel von der Zusammenarbeit. | Foto: Ralf Schaus

Die Aktiengesellschaft GrenzEcho hat zu Jahresbeginn 51 Prozent von „Radio Contact – der beste Mix“ übernommen. Der Zusammenschluss soll nicht nur dank einer größeren Medienpalette für die Kunden die Werbeeinnahmen stimulieren. Es werden auch Synergien zwischen den Zeitungsinhalten und dem Radioangebot geschaffen. Eine Konkurrenz zum BRF soll der Deal nicht sein.

Von Patrick Bildstein

Laut Angaben des nationalen Vermarkters von Radio Contact, IP, erreicht der Eupener Sender (107 MHz), der auch in der Eifel zu hören ist (98 MHz), 13.000 Hörer. Neben Geschäftsführer André Goebels, der vor dem Deal mit dem GrenzEcho 100 Prozent der Aktien hielt, zählt der Sender noch zweieinhalb freiberufliche Stellen.

Wir unterhielten uns mit André Goebels und Grenz-Echo-Geschäftsführer Olivier Verdin über die Übernahme.

Jede Übernahme hat ihren Preis. Wie viel hat das GrenzEcho für die 51 Prozent der Radio-Contact-Anteile bezahlt?

Olivier Verdin: Solche Summen nennt man nicht. Wir haben Stillschweigen vereinbart.

Warum sind es nicht mehr als 51 Prozent?

André Goebels: Es geht da auch um die Gleichberechtigung als Partner. Wir wollen damit ein Gleichgewicht nach außen zeigen. Einer muss aber die Mehrheit haben, sonst kommt man nicht weiter.

Seit wann liefen die Gespräche?

Olivier Verdin: Seit Sommer 2016. Die Initiative ging von uns aus.

Gab es keine anderen Interessenten?

André Goebels: Es gab andere Möglichkeiten. Ich habe aber nicht lange überlegen müssen, um mich für das GrenzEcho zu entscheiden.

Es ist kein Geheimnis, dass die Medien es generell schwer haben. Überall gehen die Zahlen der Leser, Hörer und Zuschauer zurück. Mussten das GrenzEcho und Radio Contact den Schritt gemeinsam wagen, um weiter überleben zu können?

Olivier Verdin: Wir sehen vielmehr Synergien. Mit Live- und anderen Sendungen. Bei gemeinsamen Events wird es Live-Sendungen geben. Wir werden auch das Programm von Radio Contact ausbauen. Die Synergien gelten auch für den Werbebereich. In unserer Verkaufsmannschaft haben wir genügend Power, um da etwas zu bewegen, auch auf nationaler Ebene.

André Goebels: Ganz wichtig ist auch die Tatsache, dass die Entwicklung ganz klar in Richtung lokale und regionale Berichterstattung geht. Unsere Zusammenarbeit ist zukunftsweisend. Radio im lokalen und regionalen Bereich ist eine feste Institution. Natürlich müssen die Inhalte stimmen. Da liegt eine Kooperation mit der Tageszeitung sehr nahe. Wir können durch den Zusammenschluss noch stärker sein und bieten Print, Online und Radio an. So hat man ein breites Feld abgedeckt, um die Leute mit Information zu beliefern.

„Radio Contact – der beste Mix“ hatte nach dem Rückzug des Anteilhabers Cobelfra keinen Zugriff mehr auf die Einnahmen der nationalen Werbung. War das auch ein Grund des Deals?

André Goebels: Wir haben früher über die Beteiligung der Firma Cobelfra an Radio Contact immer einen Anteil – unter einem Prozent – an der nationalen Werbung erhalten. Radio Contact strahlte dafür nationale Werbespots aus. Als sich Cobelfra aus unserem Aktionariat zurückzog, sind diese Werbeeinnahmen weggebrochen. Durch den Zusammenschluss mit dem GrenzEcho und der Beteiligung von Rossel (zu 50 Prozent Aktionär des GrenzEcho, A. d. R.) an RTL (Hauptaktionär von Radio Contact, A. d. R.) gibt es die Möglichkeit, die nationale Werbung zurückzuholen. Wir haben jetzt wieder eine Lobby in Brüssel.

GrenzEcho und Radio Contact haben auch in der Vergangenheit inhaltlich schon zusammengearbeitet.

André Goebels: Das stimmt. Wir haben anfangs der 90er die lokalen Nachrichten des GrenzEcho ausgestrahlt. Sie wurden von der GrenzEcho-Redaktion zusammengestellt. Das war natürlich ein ganz anderes Format als heute.

Die Zusammenarbeit lag also auf der Hand.

André Goebels: Ich glaube, das ist eine historische Entwicklung. Das liegt auch an der geografischen Nähe der beiden Häuser. Wir haben uns immer wieder unterstützt.

Olivier Verdin: Die gute Partnerschaft hat es immer gegeben.

Es ist die Rede davon, dass Radio Contact in Zukunft im GrenzEcho-Gebäude untergebracht wird.

Olivier Verdin: Ein Umzug ist nicht ausgeschlossen. Das Oikos-Haus (in dem sich Radio Contact befindet, A. d. R.) steht zum Verkauf.

André Goebels: Es gibt noch keine Nachricht, dass wir raus müssen. Aber sollte das der Fall sein, gibt es schon Pläne, am Marktplatz unterzukommen.

Olivier Verdin: Kurzfristig ist die Zukunft an der Aachener Straße, langfristig am Marktplatz.

Geht das GrenzEcho kein finanzielles Risiko ein, indem es Radio Contact übernimmt?

Olivier Verdin: Ich glaube nicht. Uns ist eher daran gelegen, unser Portfolio auszubauen. Wir sind jetzt noch breiter aufgestellt. Heutzutage – das ist ganz wichtig – kann man einem Werbekunden nicht nur eine Printwerbung verkaufen. Man muss eine ganze Produktpalette anbieten können.

Ist der Werbeaspekt der springende Punkt der Zusammenarbeit?

Olivier Verdin: Die Werbung und die Kommunikation sind sehr wichtig. Wir machen beide Werbung füreinander.

André Goebels: Wir unterstützen uns gegenseitig. Ohne Werbung keine Inhalte, ohne Inhalte keine Werbung. Das hängt sehr eng zusammen.

Ab wann startet die Zusammenarbeit?

Olivier Verdin: Werbetechnisch läuft das bereits. Die redaktionelle Zusammenarbeit wird im Laufe der nächsten Monate aufgebaut. Es tun sich viele Möglichkeiten auf.

André Goebels: Das wird Schritt für Schritt erfolgen.

Es ist also angedacht, dass GE-Redakteure in Zukunft im Radio zu hören sein werden?

André Goebels: Das wäre wünschenswert. Man kann auch andersrum kooperieren, indem wir dem GrenzEcho Reportagen zur Verfügung stellen.

Olivier Verdin: Livesendungen sind geplant: Von unseren LokalRunden beispielsweise. Das ist jetzt alles möglich.

Die Zusammenarbeit sieht nach einer Konkurrenz für den BRF aus.

Olivier Verdin: Wir wollen unterstreichen, dass das mit Konkurrenzdenken nichts zu tun hat. Wir werden auch weiterhin gut mit dem BRF zusammenarbeiten. Es ist kein Angriff auf den BRF.

André Goebels: Wir machen es, weil wir der Meinung sind, dass es der zukunftsweisende Weg unserer beiden Häuser ist. Es geht um uns und nicht um den BRF.

Olivier Verdin: Klar entsteht Konkurrenz. Das war aber nicht der Hintergrund.

Es ist aber schon so, dass dem BRF durch den Zusammenschluss Werbekunden abspringen könnten.

André Goebels: Das muss der Werbekunde entscheiden.

Olivier Verdin: Radio Contact bedient eine ganz andere Zielgruppe als der BRF.

André Goebels: Unser Publikum liegt zwischen 25-30 bis 55 Jahre. Beim BRF sind die Hörer älter. Wir haben auch andere Programme. Wir liefern Infos, wenn welche da sind. Der BRF hat feste Programmfenster wie die Brasserie oder die Abendsendung. Das machen wir gar nicht. Unser Angebot kann man mit dem von WDR 2 vergleichen. Obwohl unsere Musikfarbe spritziger, flotter und breiter ist.

Es werden also keine Sendungen aufgebaut, die den Hauptprogrammen des Belgischen Rundfunk Konkurrenz schaffen sollen.

Olivier Verdin: Nein.

André Goebels: Die Inhalte kommen dann, wenn sie aktuell sind. Bei großen Veranstaltungen kann man kooperieren. GE-Redakteure können live in die Sendung geschaltet werden. Gleichzeitig wird im Radio auf die Inhalte der Zeitung und das Onlineangebot hingewiesen. Für uns bedeutet das Inhalte und für die Zeitung und den Onlinebereich Teaser ihrer Geschichten. Das sind interessante Synergien, die sich in der Praxis noch weiter entwickeln werden.

Olivier Verdin: Am Ende des Jahres werden wir eine erste Bilanz ziehen und schauen, wo wir stehen.

Das GrenzEcho erschafft sich einen neuen medialen Markt.

Olivier Verdin: Richtig, und das Ganze ist komplementär. Man darf nicht vergessen, dass die Brüsseler Gruppe Rossel auch an Radiosendern beteiligt ist.

Daran orientieren Sie sich?

Olivier Verdin: Die Rossel-Gruppe ist über die RTL-Gruppe an Radio Contact beteiligt. Sie tauschen auch Inhalte aus, machen Werbung füreinander. So wird das auch bei uns sein.

Sind die Impulse für den Zusammenschluss aus Brüssel gekommen?

Olivier Verdin: Nein. Das war unser eigener Impuls. Es ist ein allgemeiner Trend, den man auch in Deutschland feststellen kann.

Macht sich die Zeitung nicht selbst Konkurrenz, wenn sie exklusive Inhalte im Radio preisgibt?

André Goebels: Diese Inhalte werden nur angerissen.

Olivier Verdin: Es wird mehr angekündigt. Es wird immer wieder auf die Zeitung verwiesen.

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