GE-Couchkonzert geht mit Jazzsängerin Anke Filbrich in die nächste Runde

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Sängerin Anke Filbrich hat ihr Herz an die Jazzmusik verloren. Mit ihren gefühlsgeladenen Coverversionen möchte sie die Menschen berühren. Ans Schreiben hat sich die 23-jährige Eupenerin bislang nicht herangewagt. | Foto: David Hagemann

Wenn sie singt, scheint die Welt einen Augenblick lang still zu stehen: Dann gibt es nur noch Anke Filbrich, ihre gefühlsgewaltige Stimme und das Klavier, auf dem sie sich selbst begleitet. Und Songs, die zwar nicht ihre eigenen sind, denen sie jedoch eine ganz eigensinnige Note verpasst, sodass vom Original am Ende kaum mehr als der Text bleibt. Wir haben uns mit der 23-jährigen Eupenerin über ein Leben zwischen klassicher Musik, Jazz und Kinesiotherapie unterhalten.

Von Annick Meys

Ich muss sie stellen, die obligatorische Einstiegsfrage: Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Als Kind war ich die jüngste Besucherin beim Ostbelgien-Festival. Ich habe klassische Konzerte geliebt. Mit acht Jahren habe ich mit dem Klavierspielen angefangen – ich habe zuerst Privatunterricht bei Luc Marly (Saxofonist und Direktor der Musikakademie der Deutschsprachigen Gemeinschaft, A.d.R.) genommen, später habe ich mit Notenlehre angefangen. Meine Liebe zum Gesang habe ich im letzten Primarschuljahr entdeckt. Ich hatte eine Lehrerin, Iris Wynands, die immer mit uns Musik gemacht und gesungen hat. Weil ich eine gewisse Stimmbasis, eine Technik haben wollte, habe ich mit 15 klassischen Gesangsunterricht genommen. Gleichzeitig habe ich angefangen, in der Eupen Bigband zu singen. Nach dem Abi habe ich dann ein Jahr lang Operngesang in Namur studiert. Eigentlich dauert das Studium fünf Jahre.

Aber?

Dazu muss ich etwas weiter ausholen: Ich wollte immer Musiklehrerin werden, deswegen habe ich das Studium angefangen. Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass mein Herz nicht für den klassischen Gesang, sondern für die Jazzmusik schlägt. Diese klassische Technik tat meiner Jazzstimme nicht gut. Ich wollte nicht fünf Jahre in einem Stil singen, der mir nicht liegt. Alternativ hätte ich in Maastricht Jazzmusik studieren können, allerdings ist das Studium so aufgebaut, dass man sehr viel Zeit für sich und seine Musik hat. Aber ich bin jemand, der viel Struktur braucht. Das war mir zu viel Freiheit, mit der ich nicht klargekommen wäre. Im Nachhinein muss ich mir eingestehen, dass ich damals einfach zu jung für ein Musikstudium war.

Stattdessen haben Sie eine ganz andere Richtung eingeschlagen.

Ja. Ich bin seit ein paar Tagen frischgebackene Kiné. Das war mein Plan B, im positivsten Sinne.

Glückwunsch! Die Musik haben Sie trotzdem nicht aufgegeben.

Ich würde das eine nicht für das andere aufgeben, zumindest nicht im Moment. Ich versuche, es so gut wie möglich miteinander zu vereinbaren. Es gab in der Vergangenheit immer wieder mal Phasen, in denen ich nicht sonderlich produktiv war, kaum gespielt oder gesungen habe, weil mir einfach nicht danach war. Das ist der Luxus, den ich mir erlauben kann, weil ich mein Geld nicht mit der Musik verdiene. Ich kann mir aussuchen, was ich machen möchte.

Und was ist das genau?

Ich arrangiere gerne Songs, denen man zunächst nicht zutraut, dass sie auf dem Klavier, also ohne eine komplette Band dahinter, funktionieren könnten. Die Herausforderung ist, mit nur einem Instrument die gleiche Message rüberzubringen. Für manche Songs lässt sich das einfach nicht umsetzen. Zumindest bin ich noch nicht so weit, dass mir das immer gelingen würde. „Happy“ von Pharrell Williams ist so ein Song. Ich arbeite daran, noch mehr aus den Arrangements herausholen zu können.

Sie sind auch auf den beiden ersten Alben des erfolgreichen ostbelgischen Jazzmusikers Andy Houscheid zu hören. Wie kam es dazu?

Andy Houscheid ist ein toller Jazzmusiker. Seit ich damals eine Reportage über ihn im BRF gesehen habe, bin ich großer Fan von ihm. Ich habe zu dieser Zeit einige Anfragen für Hochzeiten bekommen und brauchte Hilfe bei den Arrangements. Mein damaliger Klavierlehrer hatte mir ans Herz gelegt, mich an Andy Houscheid zu wenden. Der große Andy Houscheid (lacht). Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und er hat mich gefragt, ob ich auf seinem ersten Album singen möchte. Ich erzähle immer ganz stolz, dass ich vom größten Fan zum Bandmitglied geworden bin – der Traum aller Groupies (lacht). Inzwischen arbeiten wir gemeinsam an seinem dritten Album.

Denken Sie daran, irgendwann auch eigene Songs zu schreiben?

Ja, aber ich habe im Moment noch nicht das Gefühl, etwas sagen zu wollen. Ich möchte es auch nicht erzwingen. Ich möchte es fühlen, wenn ich bereit bin, zu schreiben. Im Moment kann ich das, was ich rüberbringen möchte, ganz gut über die Cover ausdrücken, auch ohne eigene Worte.

In wenigen Wochen brechen Sie mit Ihrem Partner zu einem mehrmonatigen Segeltörn auf. Vielleicht inspiriert Sie diese Erfahrung zum Schreiben.

Gut möglich, dass mich das beeinflussen wird. Da ich jemand bin, der sich über alles und nichts den Kopf zerbricht, wird es ohnehin nicht an Themen mangeln, die ich in Songs verarbeiten könnte.

Sie nehmen seit vielen Jahren Gesangsunterricht. Kann man das Singen lernen?

Es steckt sicher nicht in jedem eine Beyoncé, aber zumindest kann jeder Mensch ein Gefühl für die eigene Stimme entwickeln und lernen, wie vielseitig man sie einsetzen kann.

Gibt es etwas, das Sie in all den Jahren, die Sie nun schon singen, gelernt haben?

Man sollte sich nie in eine Tonart zwängen, die einem nicht passt. Den Fehler habe ich früher selber gemacht: Ich habe versucht, eine Alicia Keys nachzusingen, oder eine Whitney Houston. Das war unglaublich anstrengend und hat den Stimmbändern nicht gutgetan. Ich könnte auch nie so hoch singen wie eine Céline Dion. Wenn ich etwas von ihr covere, dann mache ich das auf meine Art, in meiner Stimmlage.

Am 27. Juni spielen Sie beim zweiten Couchkonzert im GrenzEcho. Was erwartet das Publikum?

Es wird kunterbunt: es werden französische Chansons dabei sein, aber auch Aktuelles aus den Charts, Klassiker aus den 70er Jahren und Dancemusik. Ich werde auch einen Song von Andy Houscheid singen und es wird „Y.M.C.A“ in einer Klavierversion zu hören geben.

Sie kommen aber nicht alleine. Wen bringen Sie mit?

Luc Marly wird mich begleiten. Er ist ein großartiger Musiker und schreibt tolle Arrangements. Wir ergänzen uns sehr gut: Ich habe oft eine Idee im Kopf, weiß aber nicht so recht, wie ich sie umsetzen kann. Er versteht sehr genau, was ich in der Musik rüberbringen möchte. Er interpretiert meine Ideen und hilft mir bei der musikalischen Umsetzung. Wir arbeiten regelmäßig an gemeinsamen Projekten und ich freue mich, dass er dabei ist. Er beherrscht übrigens alle möglichen Instrumente und wird mich an dem Abend unter anderem mit der Klarinette und der Mundharmonika begleiten. Das wird sehr spannend.

Anke Filbrich gibt exklusives Couchkonzert im GrenzEcho

Am 27. Juni (ab 19 Uhr) gibt Anke Filbrich, in Begleitung von Luc Marly, im GrenzEcho ein Konzert in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre. Wir laden eine Handvoll Leser dazu ein, Teil dieses besonderen Abends zu sein – Getränke und Snacks inklusive.

Karten für das Couchkonzert kann man nicht kaufen, sondern ausschließlich gewinnen. Wer dabei sein möchte, der schreibe bis zum 22. Juni eine E-Mail mit dem Betreff „Couchkonzert“ und seiner Telefonnummer an gewinnspiele@grenzecho.be oder nehme an unserem Gewinnspiel auf der GrenzEcho-Facebookseite teil.

Die Gewinner werden benachrichtigt. Wer keine Karte ergattert, kann sich das Couchkonzert ab 19.45 Uhr auf der GE-Facebookseite im Livestream anzuschauen.

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