Ein Treesch und eine Seele?

LokalRunde

Noch ist nicht zu erkennen, wie sich der Manderfelder Marktplatz, ein Projekt der Ländlichen Entwicklung, künftig präsentieren wird. | Foto: Robert Frauenkron

Bereits zum 19. Mal lädt das GrenzEcho zu einer LokalRunde ein. Am kommenden Sonntag ist die Veranstaltungsreihe im Eifeler Hof in Manderfeld zu Gast. Ab 11 Uhr dreht sich diesmal alles um die zahlreichen Dörfer und Weiler des Treeschlands.

Von Jürgen Heck

Laut LokalRunde-Definition handelt es sich dabei um die frühere Altgemeinde Manderfeld sowie um jene drei Ortschaften der Altgemeinde Schönberg, die bei den Gemeindefusionen im Gegensatz zum Rest nicht St.Vith, sondern der neuen Großgemeinde Büllingen zugeschlagen wurden.

Rund 1.300 Einwohner, Tendenz sinkend: Die reinen Zahlen sprechen derzeit nicht für eine rosige Zukunft des östlichen Zipfels der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Der Großraum Manderfeld schlägt sich gleich mit mehreren negativen, teils eng miteinander verknüpften Standortfaktoren herum: dezentrale Lage, eingeschränktes Arbeitsplatzangebot, unzureichende Abdeckung durch Mobilfunk- und Internetnetze sowie eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Immobilien- beziehungsweise Wohnraummarkt.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille, denn dem gegenüber stehen nicht von der Hand zu weisende Vorteile. Dazu gehört die Lebens- und Wohnqualität, auch wegen des nicht existierenden Durchgangsverkehrs sowie eine Nahversorgung, deren Dichte und Breite für ein Dorf dieser Größenordnung überdurchschnittlich gut ausfällt. Hinzu kommt ein dichtes soziales Netz sowie Selbstbewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl der „Treesche“.

Seit 17 Jahren fungiert das Manderfelder Elisabeth-Haus als Asylbewerberheim. Die vom Roten Kreuz betriebene Einrichtung gehört längst zum Alltag. | Foto: Robert Frauenkron

All diese Erkenntnisse wurden durch die nicht-repräsentative Telefonumfrage, die wie im Vorfeld jeder LokalRunde durchgeführt wird, bestätigt oder anders ausgedrückt: Die Manderfelder wissen bestens um Stärken und Schwächen ihrer Heimat Bescheid.

Herausforderung für die LokalRunde am Sonntag wird es also sein, Vor- und Nachteile gegenüberzustellen und in Erfahrung zu bringen, wie die „Treesche“ das selbst erleben.

Symptomatisches Beispiel für dieses Selbstverständnis ist der Umgang der Manderfelder mit dem Asylbewerberheim. Seit 17 Jahren bringt das Rote Kreuz in der früheren Jugendherberge Asylbewerber aus aller Herren Länder unter. Dass dies im Vorfeld der Jahrtausendwende und in den ersten Zeiten des Funktionierens des Zentrums durchaus  Zähneknirschen und stärkere Ausdrucksformen der Ablehnung nach sich zog, ist bekannt. Inzwischen dreht sich in Manderfeld eigentlich niemand mehr nach Fußgängern mit anderer Hautfarbe oder außergewöhnlicher Kleidung um.

Genauso gelassen geht man im Treeschland mit den EMZ-Werken in Merlscheid um. Sicherlich wünschen sich alle Beteiligten im eigenen Interesse, dass dort alle Umweltauflagen erfüllt werden. Vor allem aber gibt es, so belegt die LokalRunde-Telefonumfrage, großen Respekt vor der Investitionsbereitschaft der Familie Haas. Im Treeschland schätzt man den metallverarbeitenden Betrieb daher vor allem als extrem wichtigen Arbeitgeber in einer eher strukturschwachen Gegend.

Leerstehende Häuser sind eine der großen Zukunftsherausforderungen im Treeschland. | Foto: Jürgen Heck

Diese und andere Themen sollen am Sonntag zur Frühschoppenzeit aufs Tapet kommen. Als Gesprächspartner haben sich Bernadette Peters, Jana Robert, Ernst Breuer und Horst Reiter bereit erklärt, Heike Verheggen von Radio Contact Ostbelgien Now und GE-Journalist Jürgen Heck Rede und Antwort zu stehen.

Alle Einwohner des Treeschlands sowie alle interessierten Bürger sind, selbstverständlich bei freiem Eintritt, herzlich eingeladen, sich aktiv als gern gesehene Besucher, Fragesteller und Diskussionsteilnehmer am 25. Februar in das Geschehen bei der Gesprächsrunde einzuschalten.

Und allen winkt am Ende der Veranstaltung eine LokalRunde, die das GrenzEcho im Eifeler Hof ausgibt.

www.lokalrunde.be

Stichwort Treeschland

Aus organisatorischen Gründen gelten die 1976 „verschwundenen“ Altgemeinden prinzipiell als Grundlage für die Durchführung der GrenzEcho-Veranstaltungsreihe LokalRunde. Aber von diesem Prinzip wird aus Gründen der Durchführbarkeit und der neuen kommunalen Logik auch abgewichen. Deshalb wurde das Treeeschland für die LokalRunde wie folgt definiert; zum einen die Ortschaften der Altgemeinde Manderfeld:
Afst, Allmuthen, Berterath, Buchholz, Hasenvenn, Hergersberg, Holzheim, Hüllscheid, Igelmonderhof, Igelmondermühle, Kehr, Krewinkel, Lanzerath, Losheimergraben, Manderfeld, Merlscheid, Weckerath sowie die drei Ortschaften der Altgemeinde Schönberg, die der Gemeinde Büllingen zugeschlagen wurden: Andlermühle, Eimerscheid, Medendorf

Leerstehende Häuser sind eine der großen Zukunftsherausforderungen im Treeschland. | Foto: Jürgen Heck
Seit 17 Jahren fungiert das Manderfelder Elisabeth-Haus als Asylbewerberheim. Die vom Roten Kreuz betriebene Einrichtung gehört längst zum Alltag. | Foto: Robert Frauenkron

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