Faktencheck zur Fußbodenheizung

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Die Rohre einer Fußbodenheizung werden in gleichmäßigen Abständen unter der gesamten Oberfläche eines Raumes verlegt. | Foto: Nestor Bachmann/dpa-tmn

Auch wenn es außerhalb des Winters seltsam anmutet: Es lohnt sich, jetzt über das Thema Heizung zu sprechen. Denn nur wenn diese nicht gebraucht wird, ist Gelegenheit, sie zu erneuern. Doch für welchen Sanierer oder Bauherr ist eigentlich eine Fußbodenheizung geeignet?

Wer heute ein Eigenheim baut, entscheidet sich meist für eine Fußbodenheizung. „In 80 bis 90 Prozent der neuen Ein- oder Zwei-Familienhäuser werden diese Flächenheizungen installiert“, sagt Axel Grimm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Flächenheizungen und Flächenkühlungen in Deutschland. Fußbodenheizungen haben einige Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Radiatoren. Aber sie sind nicht immer die beste Wahl. Ein Überblick:

Vorteil: Die Heizrohre werden unter der gesamten Oberfläche eines Raumes verlegt und erwärmen so wesentlich größere Flächen als an der Wand stehende Heizkörper. Den Bewohnern gefällt meist die behagliche Wärme, die vom Boden ausgestrahlt wird. „Im ganzen Raum herrschen fast gleichmäßige Temperaturen, es gibt keine kalten Ecken“, erklärt Grimm.

Fußbodenheizungen kommen auch mit niedrigeren Temperaturen aus: Es kann bis zu zwei Grad kühler im Raum sein als bei einer Heizung mit Radiatoren, und die Bewohner fühlen sich trotzdem wohl. Dass diese Behaglichkeit mit weniger Energie zu haben ist, macht diese Heizart für viele attraktiv. „Fußbodenheizungen lassen sich gut mit regenerativen Energien betreiben, deren Vorlauftemperaturen von Natur aus nicht sehr hoch sind“, erläutert Expertin Eva Reinhold-Postina. Aber sie funktionieren auch mit allen anderen Energieträgern. Die Systeme arbeiten mit Vorlauftemperaturen von 30 bis 40 Grad am effektivsten, während konventionelle Systeme mit Heizkörpern 55 bis 70 Grad benötigen. „Damit verbrauchen sie bis zu zwölf Prozent weniger Energie als Radiatoren“, sagt Grimm.

Nachteil: Flächenheizungen brauchen eine viel längere Zeit als Heizkörper, um hoch- oder runterzufahren. Es macht also wenig Sinn, sie je nach Außentemperatur immer an- und auszuschalten. „Am besten ist es, sie im Herbst anzustellen und bis zum Frühjahr durchlaufen zu lassen“, erläutert Grimm. Es gibt aber Abhilfe: Steigen die Außentemperaturen oder scheint die Sonne intensiv durch die Fenster, schützt ein Selbstregulierungseffekt vor Überhitzung. Dann wird die Wärmeabgabe automatisch reduziert. Umgekehrt habe die Absenkung der Raumtemperatur einen Anstieg der Leistungsabgabe zur Folge, so Grimm. „Wie bei anderen Heizungen ist eine Nachtabsenkung programmierbar und unbedingt sinnvoll“, ergänzt Verbraucherschützer Stefan Materne. „Sie muss allerdings einige Zeit vorher einsetzen, damit es wirklich abgekühlt ist, wenn man schlafen geht.“ Umgekehrt heizen sich Fußbodenheizungen nicht so schnell auf wie Heizkörper, wenn es im Zimmer zu kalt wird. Deshalb muss das Aufheizen lange vor dem Aufstehen beginnen.

Die Trägheit beim Ausschalten der Fußbodenheizung kann dem sparsamen Verbrauch entgegenwirken. Bei Überhitzung werden die Fenster geöffnet und es geht wertvolle Energie verloren. Deshalb sind Fußbodenheizungen nicht immer die beste Wahl. „Bei neuen Gebäuden mit sehr geringer Heizlast sind eher schnell reagierende Heizsysteme gefragt, damit es nicht zu Überheizungen kommt“, erklärt Materne. „Hier sind klassische Heizkörper im Vorteil, die durch das Schließen des Heizkörperventils unmittelbar auf die Raumtemperatur reagieren.“ „Sicher muss man sich an eine Flächenheizung etwas gewöhnen“, argumentiert Branchensprecher Grimm. „Aber das ist eine Sache von ein paar Tagen.“ Er hält die Einsparungen durch schneller reagierende Heizsysteme über das Jahr gerechnet für recht überschaubar.

Geeignete Häuser: „Die Fußbodenheizung ist ideal für Neubauten mit einer installierten Wärmepumpe geeignet“, findet Stefan Materne. „In Kombination mit Brennwertheizungen kann durch die geringe Rücklauftemperatur eine höhere Effizienz erreicht werden.“ Da sie keinen Stellplatz für Heizkörper benötigen, bieten sich Fußbodenheizungen besonders für Räume mit bodentiefen Fenstern an. Möglich ist auch der Einbau bei der Modernisierung von Altbauten.

Der Einbau: „Im Vergleich zu herkömmlichen Heizungen ist der Planungsaufwand etwas höher“, erklärt Geschäftsführer Axel Grimm. Die Heizung müsse exakt und sicher verlegt und mit dem Wärmeverteilsystem abgestimmt werden. „Es sieht vielleicht einfach aus, die Heizschlangen im Abstand von 10 bis 20 Zentimetern zu verlegen und darauf den Estrich aufzutragen. Aber man kann dabei viel falsch machen.“ Eva Reinhold-Postina rät davon ab, diese Heizung in Eigenleistung zu verlegen: „Bauherren sollten bedenken, welche Schäden auftreten können.“ Bei Fehlern müssen Bodenbeläge, Teppiche und der Estrich entfernt werden. Gibt es Lecks, bedeutet das durchnässte Böden und Decken. Das Nachrüsten in einem Altbau bedeutet zwar einen noch mal etwas höheren Aufwand, aber die Industrie bietet Modernisierungssysteme an. (dpa)

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