Nur 20 Deutschsprachige bei der belgischen Armee

Verteidigung

Von 2012 bis heute hatte es nur noch 210 Bewerbungen seitens der Deutschsprachigen gegeben, wobei lediglich zwölf Personen in den Dienst aufgenommen wurden. Vier haben den Dienst inzwischen wieder quittiert. Illustration: Photo News

In den nächsten Jahren werden aufgrund von natürlichen Abgängen innerhalb der belgischen Verteidigung sehr viele Stellen frei. Rund 7.000 neue Rekruten müssen in naher Zukunft angeworben werden, damit die Armee funktionstüchtig bleibt.

Die ostbelgische Kammerabgeordnete Kattrin Jadin (PFF-MR) ist vor diesem Hintergrund der Frage nachgegangen, wie es mit deutschsprachigen Bewerbern aussieht. Der Verteidigungsminister Steven Vandeput (N-VA) gewährte auf Nachfrage einen Blick in die Statistik: Demnach gehören der belgischen Armee insgesamt noch ganz genau 20 deutschsprachige Soldaten an. „Eine recht überschaubare Zahl, obschon die Region noch ganze drei Kasernen zählt, sprich Eupen, Elsenborn und Spa“, stellt Jadin in einer Pressemitteilung fest.

Von 2012 bis heute habe es nur noch 210 Bewerbungen seitens der Deutschsprachigen gegeben, wobei lediglich zwölf Personen in den Dienst aufgenommen wurden. Vier hätten ihn inzwischen wieder quittiert. Doch woran kann dieses Desinteresse seitens der Ostbelgier liegen? „Da ich befürchtet habe, dass sich die Integration deutschsprachiger Soldaten in den Einheiten mancherorts etwas schwieriger gestaltet, befragte ich den Minister ebenfalls, ob es eine Art Mobbing gegen Deutschsprachige gäbe“, erläutert Kattrin Jadin.

Der Verteidigungsminister habe allerdings versichert, „dass er bis heute noch keine offizielle Beschwerde bezüglich der Diskriminierung von deutschsprachigen Soldaten vorliegen hätte“. Seit einigen Jahren würden die ersten Schritte für den deutschsprachigen Bewerber sogar noch vereinfacht, weil die Aufnahmeprüfungen in deutscher Sprache abgelegt werden könnten, hieß es.

Und obwohl die Übersetzung der Prüfungen vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen sei, bleibe die Anzahl der Bewerber rückläufig.

Da die Rekrutierung aber nicht nur im deutschsprachigen Landesteil erschwert anläuft, sieht der Verteidigungsminister einige neue Maßnahmen vor: Um beispielsweise wieder vermehrt technisch-versiertes Personal anzuwerben, lädt die Unter-Offiziersschule (ERSO) im Laufe des Jahres technische Schulen wie das Eupener Robert-Schuman-Institut (RSI) zur Unteroffiziersschule nach Saffraanberg (in der Nähe von St. Truiden) ein, um angehende Abiturienten von einer Ausbildung in der Armee zu überzeugen. (sc/red)

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