Der Matschplan ging voll auf – Benoot gewinnt Strade Bianche als Solist

Radsport

Kälte, Nässe, rutschige und schlammige Verhältnisse prägten das Rennen. Tiesj Benoot kam am besten damit klar. | Foto: Photo News

Der Matschplan von Tiesj Benoot (Lotto Soudal) bei der 12. Strade Bianche ist voll aufgegangen. Bei dem 184 Kilometer langen Rennen durch die Toskana mit Start und Ziel in Siena setzte der Flame seine Attacken stets im richtigen Moment und feierte schließlich souverän seinen ersten Profisieg.

„Ich hatte einen wirklich guten Tag, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so gut läuft. Das ist einfach unglaublich“, erklärte Benoot nach seinem Coup. Das Podium komplettierten mit deutlichem Rückstand der Franzose Romain Bardet (AG2R/+0:39) und Cross-Weltmeister Wout Van Aert (Verandas Willems/+0:58), die Benoot zwölf Kilometer vor dem Ziel im letzten der elf durch den Regen völlig aufgeweichten Schotterstraßen distanziert hatte.

Zuvor hatte sich der Belgier gemeinsam mit Landsmann Pieter Serry (Quick-Step Floors) 30 Kilometer vor dem Ziel auf die Verfolgung des 20 Kilometer zuvor enteilten Duos Bardet/Van Aert gemacht, Serry 18 Kilometer vor dem Ziel am vorletzten Naturstraßenabschnitt abgeschüttelt und war kurz darauf bereits zum Spitzenduo vorgefahren.

Dagegen gingen die hochgehandelten Namen wie Titelverteidiger Michal Kwiatkowski (Sky), Olympiasieger Greg Van Avermaet (BMC) und Weltmeister Peter Sagan (Bora-hansgrohe) leer aus. Dem Slowaken blieb hinter Alejandro Valverde (Movistar), Giovanni Visconti (Bahrain-Merida), Robert Power (Mitchelton-Scott) und Zdenek Stybar (Quick-Step Floors) immerhin Rang acht.

Nach einem hektischen Beginn mit vielen Stürzen und Defekten konnten sich letztlich zehn Fahrer um den Norweger Edvald Boasson Hagen (Dimension Data) vom Feld absetzen und sich einen Maximalvorsprung von fünf Minuten herausfahren. Dieser war allerdings 60 Kilometer vor dem Ziel aufgebraucht. Zum Schluss gab sich indes Benoot keine Blöße und baute im bergaufführenden Finale seinen Vorsprung auf über 40 Sekunden auf. Auf dem nassen Pflaster in der Altstadt von Siena ging der von einer Staub- und Matschschicht überzogene Spitzenreiter auf den letzten flachen 200 Metern kein Risiko mehr ein und konnte sich schon einige Meter vor dem Ziel angesichts des sicheren Erfolgs freuen. Im bis zu 16 Prozent steilen Schlussanstieg von Siena konnte dahinter Bardet noch Van Aert abschütteln und sich so Rang zwei sichern, während Greg Van Avermaet chancenlos blieb und mit sich und dem Wetter haderte. Mit über 13 Minuten Rückstand auf Sieger Tiesj Benoot erreichte er abgeschlagen als 34. das Ziel. Dabei war das Desaster für Van Avermaet abzusehen. „Ich hoffe, das Wetter ist in Ordnung, weil ich die Kälte nicht so sehr liebe oder den Regen“, sagte er im Vorfeld. Eine Hoffnung, die unerfüllt blieb. Kälte, Nässe, rutschige und schlammige Verhältnisse prägten das Rennen – und verhagelten Van Avermaet alle Chancen auf ein gutes Ergebnis. „Mein Körper funktionierte nicht bei dem Wetter und meine Beine reagierten nicht so, wie ich es wollte. Ich mag das Rennen, aber ich konnte nichts tun“, so Van Avermaet im Ziel. Für den Olympiasieger geht es nun weiter mit Tirreno – Adriatico, ehe er die weiteren Frühjahrsklassiker in Angriff nimmt. Sein großes Ziel ist in diesem Jahr die Flandern-Rundfahrt.

Unterdessen gelang Strade-Debütant Wout Van Aert der Sprung aufs Treppchen. „Ich hatte nichts zu verlieren. Beim Omloop bin ich zu zögerlich gefahren, heute wurde meine offensive Fahrweise belohnt“, so Van Aert, der sich sehr verausgabt hatte. Das zeigte sich an der bis zu 16 Prozent steilen Schlussrampe nach Siena. Van Aert musste von Krämpfen geplagt absteigen und das Rad die letzten Meter bergauf schieben. „Schlechtes Timing für einen Krampf in beiden Beinen“, twitterte Van Aert dazu später. (rsn/mv)

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