Titelverteidiger vor dem Aus: Deutschland verliert gegen Dänemark

Handball-EM

Nur die deutsche Abwehr wird derzeit den Ansprüchen eines Titelverteidigers gerecht. | Foto: afp

Die deutschen Handballer stehen bei der Europameisterschaft in Kroatien vor dem Aus. Gegen Dänemark reichte eine ordentliche Abwehrleistung nicht.

Nach dem wahrscheinlichen Ende der Mission Titelverteidigung starrte Handball-Bundestrainer Christian Prokop mit versteinerter Miene ins Leere. Seine Spieler dagegen sprachen sich zum vielleicht letzten Mal bei der EM in Kroatien in einem Kreis Mut zu: Nach dem bitteren 25:26 (9:8) gegen Olympiasieger Dänemark am Sonntagabend ist der angepeilte Halbfinal-Einzug für die DHB-Auswahl aber kaum noch zu schaffen. Selbst ein Sieg im abschließenden Hauptrunden-Spiel am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) gegen Vize-Europameister Spanien würde ohne fremde Schützenhilfe nicht reichen. „Das ist ganz bitter“, sagte Rechtsaußen Tobias Reichmann.

Nicht nur das Ergebnis dämpfte die Stimmung. Weiterer Wermutstropfen ist der mögliche Ausfall von Paul Drux, der sich am Knie verletzte. Eine MRT-Untersuchung soll Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben. Bitter ist auch, dass eine über weite Strecken gute Defensive gegen die Dänen nicht reichte. Neben dem Abwehrverbund um Finn Lemke überzeugte vor rund 3.000 Zuschauern ansonsten Kühn.

Einen guten Start ins Spiel hatte die DHB-Auswahl aber erneut nicht erwischt. Was sich schon im bisherigen Turnierverlauf abgezeichnet hatte, bestätigte sich zu Beginn auch gegen die Dänen: In der Offensive startete die DHB-Auswahl ideenlos, tempoarm, mutlos und ohne jegliche Konsequenz im Abschluss. Kapitän Uwe Gensheimer verwarf schon nach knapp drei Minuten einen Siebenmeter, zuvor hatten Drux und Steffen Fäth schwach aus dem Rückraum abgeschlossen. Dass der Olympiasieger nicht früh davonzog, verdankte der Europameister einzig und allein seiner erneut extrem stabilen Defensive. Erst nach neun Minuten gelang Prokops Team der erste eigene Treffer.

Nach und nach wurde auch der Rest der Mannschaft besser. Beeindruckend war erneut, wie wichtig der erst im Anschluss an das zweite Gruppenspiel nachnominierte Finn Lemke für die DHB-Auswahl ist. Der 2,10 Meter große Abwehrhüne hielt den Defensivverbund des Europameisters zusammen. Beeindruckend war aber auch, wie stark Dänemarks Weltklassekeeper Niklas Landin drauf war. Der Torhüter des THW Kiel hielt alles, was er halten konnte – und manchmal auch mehr. Nach knapp 17 Minuten hatten beide Teams jeweils erst vier Treffer erzielt. In der 25. Minute lag die DHB-Auswahl erstmals vorne (7:6).

Was sich den Zuschauern in der erneut nicht ausverkauften Arena darbot, war insgesamt alles andere als ein Spektakel. Sowohl Prokop als auch sein Gegenüber Nikolaj Jacobsen, der parallel die Rhein-Neckar Löwen trainiert, hatten ihre Mannschaften defensiv gut eingestellt. Erstmals im Turnier zeichnete das DHB-Team im Defensivblock wieder die beim sensationellen Titelgewinn vor zwei Jahren entstandene Bad-Boys-Mentalität aus. Und auch offensiv kam Prokops Team im Laufe des Spiels auf Touren. Aber auch die Dänen, bei denen Hans Lindberg von den Füchsen Berlin immer treffsicherer wurde.

Auf ihre Kosten kamen die Fans spätestens im zweiten Durchgang, als beide Mannschaften deutlich entschlossener auftraten. Fast über 60 Minuten blieb es ein Spitzenduell auf Augenhöhe. Am Ende aber trafen die Deutschen im Angriff zu viele falsche Entscheidungen, die Dänen nutzten dies eiskalt und holten sich den Sieg.

Weltmeister Frankreich steht unterdessen dicht vor dem Einzug ins Halbfinale. Der dreimalige Titelträger setzte sich am Samstag in Zagreb gegen Rekord-Europameister Schweden mit 23:17 (10:8) durch und führt die Hauptrundengruppe I mit 6:0 Punkten an. Die Skandinavier (4:2) bleiben trotz der Niederlage im Rennen um einen Platz in der Vorschlussrunde, die auch Kroatien weiter im Visier hat. Der Gastgeber bezwang den WM-Zweiten Norwegen mit 32:28 (17:15) und ist mit 6:2 Zählern nun Zweiter.

Frankreich als einzige Mannschaft noch ungeschlagen im Turnier

Im Duell mit den Skandinaviern (4:4 Punkte) lieferten die Kroaten, die weiter auf ihren verletzten Star Domagoj Duvnjak verzichten mussten, ihre beste Turnierleistung ab. Von Beginn an gaben die von den heißblütigen Fans frenetisch abgetrieben Hausherren, bei denen Torwart Ivan Stevanovic eine überragende Leistung bot, den Takt vor.

Nach einer Viertelstunde gelang beim 8:4 erstmals eine Vier-Tore-Führung. Die Norweger ließen sich zunächst aber nicht abschütteln und hielten bis Mitte der zweiten Halbzeit den Anschluss, ehe die Kroaten wieder davonzogen. Bester Werfer für den EM-Dritten von 2016 war Manuel Strlek mit sechs Toren, für Norwegen war Sander Sagosen achtmal erfolgreich.

Auch Frankreich hatte gegen Schweden 45 Minuten lang Schwerstarbeit zu verrichten, ehe am Ende doch noch ein klarer Sieg gelang. Bester Werfer beim Sieger war Cedric Sorhaindo mit fünf Toren. Für den viermaligen EM-Champion Schweden traf Simon Jeppson viermal. (dpa/sid)

Tabellenstände

Gruppe I

Schweden – Frankreich 23:17

Kroatien – Norwegen 32:28

1. Frankreich 3 3 0 0 87:73 8

2. Kroatien 4 3 0 1 120:108 6

3. Norwegen 4 2 0 2 124:119 4

4. Schweden 3 2 0 1 82:79 4

5. Weißrussl. 3 0 0 3 76:90 0

6. Serbien 3 0 0 3 74:94 0

Gruppe II

Deutschland – Dänemark25:26

1. Dänemark 4 3 0 109:103 6

2. Deutschland4 1 2 1 97:95 4

3. Mazedonien 2 1 1 0 50:49 3

4. Spanien 2 1 0 1 54:40 2

5. Tschechien 3 1 0 2 62:81 2

6. Slowenien3 0 1 2 77:81 1

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