Samuel Umtiti wächst über sich hinaus

Fußball-WM

Im Halbfinale gegen Belgien war es Samuel Umtiti (Nummer 5), der den Bleus mit einem wuchtigen Kopfball den Einzug ins Finale bescherte. Diese Szene weckt unweigerlich Erinnerungen an 1998 und Lilian Thuram im Spiel gegen Kroatien. | Foto: Photo News

Der Verteidiger Samuel Umtiti wächst über sich hinaus und bringt Frankreich mit seinem Siegtreffer gegen Belgien ins Endspiel der WM in Russland. Er weckt dabei gute Erinnerungen an 1998.

Von Jana Lange

Als Frankreich einen Erlöser brauchte, wuchs Samuel Umtiti über sich hinaus. 182 Zentimeter groß ist er, sagt sein Verein FC Barcelona, nicht gerade viel für einen Innenverteidiger. Beim Eckball von Antoine Griezmann spielte die Größe aber keine Rolle: Umtiti sprang so explosiv ab, dass der Belgier Marouane Fellaini, vom Scheitel bis zur Sohle immerhin 194 Zentimeter lang, nicht mitkam: Kopfball, Tor (51.), Finale!

Zwölf Zentimeter Unterschied – für Umtiti kein Problem: Fehlende Größe macht einer wie er durch seinen Einsatz wett. „Was zählt, ist der Wille, ein Tor zu erzielen“, sagte er, „wenn man nicht besonders groß ist, dann ist es erforderlich, Entschlossenheit zu zeigen, vor den Gegenspieler zu kommen“. Von den Trainern, von vielen Menschen habe er diesen Tipp bekommen, berichtete Umtiti, aber: „Es war auch eine gute Ecke.“

„Die haben 1998 ihren Job gemacht, jetzt schreiben wir Geschichte.“

Umtiti, geboren in Kamerun, spielt seit zwei Jahren in Barcelona, zur gleichen Zeit etablierte er sich in der Équipe tricolore, nachdem er bei der Heim-EM 2016 schon die letzten drei Spiele bestritten hatte, inklusive des Halbfinals gegen Deutschland (2:0) und des Endspiels gegen Portugal (0:1 n.V.). Und jetzt also: Der Mann, der Frankreich ins WM-Endspiel führte. Klar, dass da die Fragen nach Lilian Thuram kamen.

Thuram ist in Frankreich eine lebende Legende. Keiner spielte häufiger für die Équipe tricolore (142 Mal). Vor allem aber: Thuram war es, der Frankreich vor 20 Jahren bei der WM im eigenen Land den Weg ins Endspiel ebnete. Im Halbfinale gegen Kroatien glich er zunächst die Führung durch Davor Suker aus und erzielte dann noch den Siegtreffer zum 2:1. Für den Verteidiger Thuram blieben es die einzige Tore im Nationaltrikot.

Umtiti erzielte nun seinen ersten Pflichtspieltreffer für Frankreich, doch das folgende Gewese um ihn war dem 24-Jährigen eher zuwider. Nein, der Einzug ins Endspiel bedeute gar nichts, die EM vor zwei Jahren „haben wir ja auch nicht gewonnen“. Aber die Parallelen zu Thuram und 1998, die seien doch unverkennbar, oder etwa nicht? Nein, entgegnete Umtiti: „Die haben 1998 ihren Job gemacht, jetzt schreiben wir unsere eigene Geschichte.“

Thuram ist übrigens 185 Zentimeter groß. (sid)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.