Kapelle Krewinkel als Identifikationsfaktor

Kulturerbgut:

Im Herbst 2002 konnte die über Jahre vom völligen Verfall bedrohte Eligiuskapelle in Krewinkel nach umfangreicher Renovierung wiedereröffnet werden. Sie wird seither als Ort für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Theater geschätzt.

Heute gilt die Kulturkapelle Krewinkel als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Ostbelgiens. Sie wird weit über das Manderfelder Land hinaus geschätzt als Konzert- und Ausstellungsraum. Aber das war nicht immer so: Über 20 Jahre lang war die St. Eligiuskapelle dem Verfall preisgegeben.

Von Arno Colaris

Dass Anfang der 1990er Jahre der Entschluss gefasst wurde, die spätgotische Kapelle für viel Geld zu renovieren, war in der Öffentlichkeit, vor allem auch in Krewinkel selbst, keinesfalls unumstritten, erinnert sich Albert Peters, seit 2005 Präsident der VoG Kulturkapelle Krewinkel, die die Kapelle mit Leben erfüllt und am 7. April ihr 25-jähriges Bestehen feiern wird.

Die Wandmalereien im Chorraum sind von nationalem Interesse.

„Ausschlaggebend für ihre Rettung war, dass die Wandmalereien im Chorraum, die 1994 entdeckt wurden, von nationalem Interesse waren“, so Albert Peters. Zu diesen Schlussfolgerungen war das Königliche Institut für Kunst- und Kulturerbgut im Jahr 1993 gekommen, nachdem Fachleute die Fresken, die vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammen, intensiv unter die Lupe genommen hatten.

Möglich gemacht wurde die Restaurierung der Kapelle aber erst durch das mutige Engagement einiger Förderer der ersten Stunde. „Ich denke hier vor allem an Hubert Jenniges, Ritter Alfred Bourseaux und die König-Baudouin-Stiftung, aber auch an den damaligen Büllinger Bürgermeister Gerhard Palm.“ Letzterer hatte mit anderen Mitstreitern bei den zuständigen Instanzen, zunächst der Wallonischen Region und nach der Übertragung der Zuständigkeit für den Denkmalschutz bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die nötige Überzeugungsarbeit geleistet, um die Kapelle für die Nachwelt zu erhalten. Um deren kulturhistorischen Wert war in den Jahren zuvor eine regelrechte Kontroverse ausgebrochen, so u. a. im Büllinger Gemeinderat, wo die Meinungen über die Sinnhaftigkeit einer solchen Investition sehr weit auseinandergingen.

In Krewinkel selbst war dies nicht anders. Nach dem Neubau einer Kirche 1964, übrigens mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung aus der Bevölkerung, gab es für die alte Kapelle keine Verwendung mehr. Sie wurde regelrecht geplündert, gab über Jahre ein erbärmliches Bild ab und wäre 1974 sogar um ein Haar für läppische 100000 belgische Franken an das Freilichtmuseum Fourneau-St. Michael in der Provinz Luxemburg verkauft worden, aber das wusste die Gemeinde im letzten Moment zu verhindern. Fünf Jahre später wurde das heutige Kleinod unter Denkmalschutz gestellt.

Dennoch sollten nochmals fast zehn Jahre ins Land ziehen, ehe feststand, dass die Kapelle nach ihrer Renovierung eine neue Zweckbestimmung als Begegnungsstätte und Veranstaltungsort, vor allem für Ausstellungen und Konzerte, erhalten würde. Im Herbst 1988 fasste der Büllinger Gemeinderat einen entsprechenden, einstimmigen Prinzipbeschluss – bestätigt durch einen endgültigen Beschluss im Jahre 1995. Die eigentlichen Bauarbeiten und die Freilegung der Wandmalereien aus der Zeit zwischen 1480 und 1530 ließen dann nochmals drei Jahre auf sich warten und die frisch renovierte Kapelle konnte zum Wochenende des offenen Denkmals am 7. September 2002 in Anwesenheit von Bischof Aloys Jousten wiedereröffnet werden. In der Endabrechnung schlug die Renovierung übrigens mit gut 600.000 Euro zu Buche. Hierzu steuerte die Deutschsprachige Gemeinschaft 340.000 Euro bei. Abzüglich einer Förderung seitens der König-Baudouin-Stiftung ihn Höhe von 125.000 Euro für die Restaurierung der Fresken blieb für die Gemeinde eine Eigenbeteiligung in Höhe von 151.000 Euro.

Die Diskussion über die Kosten wirkte noch etwas nach, „aber wir können heute behaupten, dass die Kapelle Krewinkel seit ihrer Restaurierung sehr viel zum Bekanntheitsgrad des gesamten Manderfelder Landes beigetragen hat und zugleich ein großer Identifikationsfaktor ist“, so Albert Peters.

Künstler loben immer wieder die einzigartige Atmosphäre.

Während der ursprüngliche Gedanke, ein Sakralmuseum in der Kapelle einzurichten, letztlich verworfen wurde, so bietet sie seither Raum für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Theater. „Die Künstler sind fast ausnahmslos begeistert von der einzigartigen Atmosphäre. Viele von ihnen haben immer wieder Interesse bekundet, zurückzukommen, obwohl sie mit ihren Darbietungen auch deutlich größere Säle füllen.“

Zugleich würden sich Albert Peters und die anderen Vorstandsmitglieder der VoG Kulturkapelle Krewinkel aber freuen, wenn dieser Funke der Begeisterung noch mehr auf die lokale Bevölkerung – vor allem die jüngeren Bewohner aus der Pfarre Krewinkel – überspränge, damit die Kapelle ihrer Rolle als identitätsstiftendem Denkmal noch besser gerecht wird. „Über frisches Blut in unseren Reihen würden wir uns freuen, aber auch über praktische Unterstützung, zum Beispiel bei den Öffnungszeiten der Kapelle, denn touristisches Potenzial ist zweifelsfrei vorhanden.“

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