Die Mühsal der kleinen Skigebiete

Winter

Schlittenfahren war am Wochenende für viele Familien in der deutschen Eifel angesagt. Illustrationsfoto: dpa
Schlittenfahren war am Wochenende für viele Familien in der deutschen Eifel angesagt. Illustrationsfoto: dpa

Es war das bislang besucherstärkste Wintersport-Wochenende in NRW. Tausende zog es in die Skigebiete – in die großen mit den Schneekanonen. Dagegen haben es die kleinen Gebiete schwer. Manch einer gibt auf.

Von Elke Silberer, dpa

Sonnenschein, Frost, super Skibedingungen. Die Liftbetreiber im Sauerland haben in den letzten Tagen gejubelt. Aber das gilt vor allem für die großen Skigebiete, sagt die Sprecherin der Wintersport-Arena Sauerland/Siegen-Wittgenstein, Susanne Schulten. „Die kleineren Skigebiete haben es schwer zu überleben.“ Die Touristen strömten zu den modernen Anlagen mit den Schneekanonen und den bequemen Sesselliften, wie Winterberg und Willingen. „Da wo investiert wird und Infrastruktur ist, da strömen die Leute hin“, sagte Schulten. Mehr als 100 Millionen Euro seien in den vergangenen Jahren in den Wintersport investiert worden – doch das Geld floss nur in wenige Skigebiete.

Dabei gibt es auch die schönen kleinen Skigebiete. Sie liegen in der Regel zwar etwas tiefer und haben meist keine Schneekanonen und keine neuen Skilifte, sind aber familiär und tendenziell auch preiswerter. Die müssten ihre Chancen suchen und nutzen, findet Schulten. Zu den kleinen familiären Wintersportgebieten gehören in der Eifel Hellenthal und Monschau-Rohren. Doch Pächter Manfred Stein in Rohren will Ende des Jahres aufhören. Seine Bilanz ist ernüchternd: In den letzten fünf Jahren ist der große Lift an sieben Tagen gelaufen. „Sieben Tage in fünf Jahren!“ Es gab nicht genug Schnee auf dem steilen Hang.

„Das Wetter ist wechselhafter geworden. Wenn es mal schneit, dann bleibt es nicht kalt“, sagt Stein. Schon damals, nach dem Bau in den 60er Jahren, war schnell klar, dass der Lift allein sich nicht rentiert. Darum hat man noch die Sommerbobbahn dazugebaut. Aber selbst diese Rechnung geht nicht mehr auf.

Auch in Hellenthal ist es eine Frage der Zeit, wann Schluss ist mit Alpin-Ski. Wie viele Gemeinden in den Mittelgebirgen hatte Hellenthal damals mit der Zeit gehen wollen und Anfang der 70er Jahre den Schlepplift angeschafft. Mittlerweile gibt es schon keine Ersatzteile mehr. „Wir lassen den Skilift laufen, so lange es noch geht“, sagt der für den Lift zuständige Winfried Kaiser. Einen neuen Lift wird es nicht geben: Es gibt kein Geld. „Und das Wetter hier ist ja auch keine planbare Konstante“, sagt Kaiser. Mit dem Klimawandel werde das ja nicht besser.

Die Schneefallgrenze steige zunehmend, bestätigt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. „Wir spüren das noch nicht wesentlich. Aber es ist so, dass in den tieferen Lagen vielleicht schon mal mehr Regen fällt, wo es vor 20, 30 Jahren noch geschneit hat.“ Irgendwann werde dann die Wahrscheinlichkeit für Naturschnee unterhalb von 1000 Meter deutlich abnehmen. Für kleine Skigebiete, die zu niedrig liegen und sich keine Schneekanone leisten können, wird es dann noch schwieriger. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.