Ein bisschen 70er Jahre fürs Badezimmer


Von Simone Andrea Mayer

Auf der Sanitärmesse ISH in Frankfurt zeigen Badeinrichter die neuesten Trends fürs Badezimmer. Der erste Einblick könnte verstören: Der Einrichtungsstil der 70er Jahre soll zurückkehren – doch sicher nicht im ollen Bahama-Beige und Moosgrün.

Die 70er Jahre waren für die Badezimmer eine besonders grausame Zeit. Fliesen, Wanne, Toilette und Waschbecken trugen verwaschene Farben mit den schönen Namen Bahama-Beige und Moosgrün. Auch Braun war damals beliebt. Wer heute so ein Badezimmer sieht, ist meist wenig begeistert.

Nun erwarten aber Branchenexperten, dass ausgerechnet der Stil der Siebziger wieder Vorbild für die Gestaltung des Badezimmers wird. Auf der ISH, der nach eigenen Angaben weltgrößten Leistungsschau für Baddesign, Heiz- und Klimatechnik in Frankfurt am Main, soll das zu sehen sein (14. bis 18. März).

Wie kann das sein? Kommt wirklich das wieder, was wir gerade erst hinausgeworfen haben?

Nun muss man erst mal zurückschauen, sagt Trendforscher Frank A. Reinhardt, der für die Messe eine Ausstellung konzipiert hat. Die beliebten Farben der 70er hielten sich ziemlich lange im Badezimmer, denn dieses wird ja nicht allzu oft umgebaut. Aber nach und nach löste Weiß das Sandbeige und typische Grün ab. Heute ist zu 90 Prozent die Keramik weiß..

Und das ist die beruhigende Nachricht: Daran wird sich nach Ansicht des Experten auch nicht viel ändern. „Die Siebziger kommen viel subtiler und in Akzenten zurück“, erklärt Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft.

Keramiken werden weiß bleiben.

Zwar gibt es heute natürlich auch im Badezimmer wie im gesamten Wohnbereich den alles andere überschattenden Megatrend Individualisierung. Man kann sich also letztlich aussuchen, was man eben möchte. Und inzwischen ist auch die Palette der Keramikfarben breitgefächert.

Aber die Keramiken werden zum großen Teil doch weiß bleiben, so die Experten. Im Massengeschäft werden die fest installierten Elemente im Bad „zeitlos und klassisch“ sein. Insgesamt erwarten die Experten eine Farbpalette aus hellen bis dunklen Grautönen, Cremeweiß und angegrauten Weißtönen, dazu begleitend Rosé-Tönen. Aber auch etwa skandinavisch-inspirierte Paletten aus Weiß, hellem Braun, etwa durch Holz, und blasse Blautöne seien angesagt.

Das heißt: Nicht die Keramik ist der Hingucker. Gestaltet wird vor allem über Möbel und Accessoires, die zudem nicht mehr wirken, als seien sie klassische Gegenstände für eine Nasszelle. Sondern die neuen Kollektionen der Hersteller könnten auch im Wohnzimmer Platz finden. Und hierfür kommt dann eben der Stil der Siebziger ins Spiel.

Ziel ist es insgesamt, das Badezimmer wohnlicher zu machen. „Das Badezimmer soll heute nicht mehr nur zweckmäßig sein wie früher, sondern auch optisch ansprechend“, sagt Branchensprecher Wischmann. Denn heute verbringen die Menschen darin viel mehr Zeit. „Man geht nicht mehr nur auf die Toilette und duscht“, sagt Reinhardt. „Man hält sich darin richtig auf.“ Wischmann ergänzt: „Wir nehmen uns auch mehr Zeit und mehr Utensilien für mehr Körperpflege. Vater hatte sein Old Spice – und das war’s. Heute reicht das nicht mehr.“

Stühle, Tische und Schränke im Bad

Die Branche hat das bereits längst für sich entdeckt und unterfüttert in allen Preiskategorien das veränderte Verhalten der Menschen bei der Körperpflege – zum Beispiel mit stilvolleren Schränken und Regalen, die mehr Stauraum bieten. Sogar Stühle, Tische, Liegen und Sofas stehen im Badezimmer. Das Angebot wächst in diesem Jahr, wie erste Hersteller schon vor Messebeginn verraten: Villeroy & Boch wird auf der ISH zum Beispiel die neue Komplettkollektion Finion aus Badkeramik, Möbel und Beleuchtungskonzept vorstellen. Die Möbel haben grifflose Türen, Push-to-open-Auszüge und sogar integrierte Smartphone-Ladestationen, also Elemente, die man schon von Wohnzimmermöbeln kennt. Auch wagen sich Hersteller auf den Markt für Badezimmermöbel, die zuvor nur die anderen Wohnräume bestückten: Team 7 kooperiert mit dem Badeinrichter Keuco für die Edition Lignatur mit Möbeln aus Massivholz.

Und sogar das Fitnessstudio könnte im Bad einziehen, sofern der Platz vorhanden ist. Denn es bleibt auch bei einem Trend zu etwas mehr Wellness zu Hause. Gemeint sind damit nicht Kerzenschein, Gesichtsmasken und ein Schaumbad zur Entspannung. „Es muss aber auch nicht das private Spa auf 20 Quadratmetern sein“, betont Wischmann. Zwar bietet inzwischen quasi jeder Badeinrichter auch Dampfduschen oder Kneippbecken für zu Hause an, aber letztlich kann es auch einfach nur ein preiswerterer Schlauch in der Dusche für Aufgüsse sein. Aber natürlich geht auch mehr: „Wer den Platz hat, der holt inzwischen die Sauna aus dem Keller und integriert sie“, sagt Wischmann.

Auch Wände und Böden sollen den Wandel mitmachen: Die im Bad üblichen Fliesen wirken steril, eher nüchtern und nicht gemütlich. Hier hat sich in den vergangenen Jahren schon viel getan: Für die Wände und Böden wurden etwa Baustoffe wie Parkett und Laminat weiterentwickelt, so dass sie besser mit Feuchtigkeit klarkommen. Und die Fliesenhersteller sind in der Lage, ihre Produkte so zu gestalten, dass sie wie Holz oder andere wärmere Materialien aussehen. So bekommen etwa Duschen eine ganz andere Optik. Und es gibt auch schon erste Badewannen mit Stoffbezügen an den Außenwänden.

Künftig wird öfter neugestaltet.

Es wird sich insgesamt im Badezimmer künftig schneller etwas verändern als bisher. Badezimmer wurden bisher eher selten neu gestaltet, oft Jahrzehnte lang nicht. Doch die neuen Materialien machen einen schnelleren Wechsel teils sogar notwendig, sagt der Trendscout. Und auch der Konsumgedanke der Menschen fließt ein: Heute möchte man sich und seine Einrichtung öfter mal verändern. „Aber das Badezimmer komplett umzubauen, ist viel zu teuer“, sagt Wischmann.

Und auch deswegen geht die Hauptrolle der Gestaltung des Badezimmers an die billiger und schneller austauschbaren Möbel und Accessoires über, während die Keramik tendenziell konservativ und schlichter bleibt. (dpa)