Jugendtreff Inside Eynatten/Eupen führte „(R)Echte Freunde“ auf – 300 Zuschauer besuchten vierte Produktion

Theater

Mit dem Stück „(R)Echte Freunde“ regte die Theatergruppe des Jugendtreffs Inside Eynatten/Eupen zum Nachdenken an. | Foto: privat

Die Aufnahme und die Integration sind aktuelle Themen. In ihrem selbst geschriebenen Theaterstück hat die Theatergruppe des Jugendtreffs Inside Eynatten/Eupen es aufgegriffen. In einer Stunde ist es ihnen gelungen, keine Antworten zu geben, aber eine Reihe Facetten von Gefühlen und Meinungen aufzuzeigen.

Der Bergscheider Hof ist dunkel. Stuhlreihen sind aufgestellt. Auf der Bühne eine große Fahne, den Farben nach das Nsdap-Symbol. Ansonsten noch zwei Parkbänke: „Ich bin kein Fan von einem pompösen Bühnenaufbau. Die Menschen stehen im Fokus“, so Jörg Lentzen, Theaterpädagoge des Jugendtheaters Inside Eynatten/Eupen.

Und wirklich, die Gedanken der Jugendlichen stehen im Mittelpunkt, ihr Verhalten und ihre Aussagen. Mary (alias Clara Schlösser) gehört zu den Rechten. Ihr Ziel ist es, nicht mehr abgehängt zu sein. Dort hat sie das Gefühl, dass sie etwas in der Gesellschaft, gar in der Welt verändern kann: bis Edon (alias Arber Jashari), ein Ausländer, auftaucht.

Während einer Schlägerei, die Marys Gruppierung angezettelt hatte, geht er selbstlos dazwischen. Mary trifft ihn wieder. Lernt ihn richtig kennen. Und erkennt, dass er gar nicht dem entspricht, was ihr Kumpel und Anführer Armin (Johannes Lienne) immer sagt: Er will Deutsch lernen und sucht ein besseres Leben, ohne Krieg. Nach Diskussionen hilft Mary ihm dabei, sein Deutsch zu verbessern. Dagegen verläuft das Leben von Emma (alias Lina Kirch), dem entgegengesetzt. Von einem schicken und nur auf Shoppen und Jungs fixiert, erfährt sie von heute auf morgen Armut. Ihr Vater hat seinen Arbeitsplatz verloren. Dafür macht sie die Ausländer verantwortlich, die den „Einheimischen alles wegnehmen“.

Erst gegen Ende, als sie erkennt, was die Rechten vorhaben und mit Gewalt umsetzen wollen, sieht sie ein, dass die Alkoholsucht des Vaters den Arbeitsverlust verursacht hat.

Sie kehrt der Szene wieder den Rücken. Sie kehrt zu ihren Freunden (Anna Lux, Cheyenne Müller) zurück, die zu Beginn zusammengeschlagen worden waren. Ihr Kumpel Maurice (alias Jeroen Steukers) hatte schon zu ihrem Fortgang, Fragen aufgeworfen: „Ist nicht der Nachbar drei Straßen weiter auch fremd? Und was ist mit denen, die sich anders kleiden? Die werden doch auch beäugt?“ Nachdem dann auch Mary zusammengeschlagen wurde, als sie sich offiziell aus der rechten Gruppe verabschiedet hat, war die Zeit für ein Resümee von Edon gekommen: „Heute ist in meiner Heimat alles zerstört. Auch bei uns hat alles mit zwei Gruppen begonnen. Bin ich dafür geflohen, um hier das Gleiche wieder zu erleben?“

Allen ist bewusst, dass nur Facetten auf die Bühne gebracht werden konnten. Facetten einer aktuellen und nicht schwarz-weiß zu fassenden Problematik. Schließlich ist nicht jeder Flüchtling bereit, sich zu integrieren, aber eben ist auch nicht jeder faul.

Um zu erkennen, wo genau die Fragen für die Gesellschaft liegen, hatte wohl „Emma“ die Hauptrolle inne: Wie gehe ich damit um, wenn mir etwas Schlechtes widerfährt? Wie kann und muss die Gesellschaft „ihre eigenen Mitglieder“ unterstützen, ohne die Geflohenen zu vergessen? Wie geht eine Gesellschaft politisch mit einer Fülle von Menschen aus einem anderen Kulturkreis um, die plötzlich zu ihr stößt?

Auf all diese Fragen muss jeder für sich und die Gesellschaft insgesamt praktikable Antworten und Lösungen finden. Zur Auseinandersetzung und dem Aufwerfen eben dieser Fragen war „(R)echte Freunde“, eine richtige und wichtige Theaterproduktion der rund 25 Jugendlichen.

Am Freitag, 19. Mai, um 14 Uhr wird es nochmal im Festsaal der Pater-Damian-Schule Eupen aufgeführt. Weitere Schulen aus Ostbelgien und der Euregio können sich für eine eigene Schulaufführung beim Jugendtreff Inside melden. Weitere Infos und Fotos auch auf der Faceboolseite https://www.facebook.com/Jugendtheater-Inside-593636223983600/

jt.inside@rdj.be

Kommentare sind geschlossen.