„Auf den Frosch gekommen“

Gesundheit

Zum Artikel „Auf den Frosch gekommen“ (siehe GE vom 5. März, Seite4) schreibt Yannick Dubois aus Eupen:

In dem Artikel wurde die Kambo-Behandlung vorgestellt, und ich möchte das Gesagte durch meine Erfahrung ergänzen. Grundsätzlich bin ich mit einer vorsichtigen Haltung einverstanden. In Südamerika gibt es Ärzte, die mit Kambo arbeiten, und Wissenschaftler, die es erforschen. Das wäre nicht der Fall, wenn es zu Todesfällen kommen würde. Die Risiken und Nebenwirkungen sind durchaus abzuschätzen. Für uns scheint das Gift erst mal befremdlich, aber auch hiesige Pharmaka sind synthetische Stoffe aus dem Pflanzen- und Tierreich. Vor vier Jahren wurde ich mit Antibiotika behandelt und hatte bis vor Kurzem mit den Folgeschäden zu kämpfen. Dank eines Naturheilpraktikers konnte ich meine Gesundheit wieder herstellen, doch gewisse Beschwerden hielten an, sodass ich auf Kambo aufmerksam wurde. Ich habe mich informiert und entschieden, Kambo wegen seiner entgiftenden Wirkung zu nutzen. In einem sicheren Rahmen wurde mir das Sekret aufgetragen, mir wurde schlecht und ich musste übergeben. So ist der typische Ablauf der Behandlung – unangenehm aber unspektakulär. In den Wochen danach habe ich mich deutlich besser gefühlt. Erschöpfung und Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben signifikant nachgelassen. Ich werde damit weitermachen, da ich den stärkenden Effekt am eigenen Leib erfahren habe. Ich empfehle es nicht prinzipiell jedem, aber unter den richtigen Bedingungen ist es eine effektive und gesundheitsfördernde Maßnahme. In einer globalisierten Welt, in der wir mehr Zugang zu traditionelle Heilverfahren bekommen, ist eine differenzierte Meinung angebracht. In meinen Augen geht es darum, eine extreme Haltung wie „Allheilmittel“ oder „Placebo“ zu vermeiden und offenzubleiben für altbewährte Behandlungsweisen.

  1. Nach meinem Leserbrief von heute morgen, habe ich gerade diesen Artikel entdeckt, der beschreibt wie Froschgift wahrscheinlich eines der größten Probleme unserer Zeit lösen kann, nämlich das der Antibiotika resistenten Bakterien!

    Unter anderem forscht da das „National Center for Biotechnology“, was mir nochmal deutlich macht, wie wichtig es ist über den Tellerand zu schauen und sich zu informieren. Auch Journalisten und Ärzte in Eupen dürfen dazu lernen. Am Ende haben wir dem wilden Schamanismus und giftigen Fröschen noch unser Leben zu verdanken.

    https://www.weforum.org/agenda/2018/03/a-giant-amazonian-frog-could-help-us-solve-our-biggest-health-crisis

    1. Das Froschgift hat möglicherweise das Potenzial zu Genesungsstoffen, ich bevorzuge aber, dies in den Händen von Ärzten, Biologen und Chemikern zu lassen, und nicht in den Händen von dahergelaufenen und selbsterleuchteten Wunderheilern.

    2. Werter Herr Dubois,
      Dass Fauna und Flora ein riesiges Potential für medizinische Anwendungen liefern und zahlreiche Arzneimittel tierische oder pflanzliche Wirkstoffe oder auf diesen Stoffen basierende synthetische Präparate enthalten, kann niemand ernsthaft bezweifeln. Auch dass das „Kambo-Gift“ ein solches Potential besitzt sollte nicht in Abrede gestellt werden.
      Die Kritik setzt da an, dass jemand ohne medizinische Ausbildung, ohne medizinische Diagnostik und Anamnese Menschen gegen alle möglichen Beschwerden und Krankheiten ein Froschsekret verabreicht, das einen chemischen Cocktail bioaktiver oder psychoaktiver (?) Substanzen enthält und deren Anwendung unmittelbar zu Übelkeit, Schweißausbrüchen, Herzrasen, Ohrengeräuschen und schwallartigem Erbrechen führt.
      Sich dieser Holzhammer-Prozedur ohne jegliche medizinische Kontrolle zu unterwerfen liegt in der Entscheidung und Verantwortung der „Patienten“.
      Aber welche Verantwortung trägt der „Schamane“, der zudem für eine Sitzung 150 € verlangt?

  2. Lieber Herr Hezel und lieber Herr Leonard, auf den verschiedenen inhaltlichen Ebenen des Artikels habe ich den Schwerpunkt darauf gelegt, auf die Aussagen des Arztes einzugehen. Kambo als generell unvernünftig und „Placebo-Effekt“ von der Hand zu weisen, obwohl man sich nicht damit beschäftigt hat, ist mir als Leser an der Stelle nicht fundiert genug.
    Die Kritik an dem konkreten Angebot von Alice Smeets kann ich durchaus nachvollziehen. Gegenseitiges Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein sind mir genau so wichtig wie Ihnen. Um das zu gewährleisten, gibt es spezielle Ausbildungen für Kambo-Anwender/innen, bei denen es nicht darum geht Schamanen aus dem Amazonas nach zu machen, sondern einen authentischen und modernen Zugang zu finden, der mit unserer Kultur kompatibel ist. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde, würde uns erlauben das beste beider Welten zu kombinieren. Auf dem Weg dahin müssen Qualitätskriterien und rechtliche Rahmenbedingungen natürlich geprüft und gewährleistet sein und sich gleichzeitig mit den Bedürfnissen der Menschen weiterentwickeln. Innovation im Bereich Kambo ist vonseiten der Schulmedizin kaum zu erwarten, da der Druck der Pharmakonzerne dafür zu groß ist. Da sind wir uns wahrscheinlich einig. Ich bedanke mich für den Austausch. Mit freundlichen Grüßen, Yannick Dubois.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.