Die Einsatzkräfte stellen sich auf einen tagelangen Kampf gegen die Flammen ein. Die Planungen reichen derzeit bis Montag, sagte der Sprecher der Feuerwehren im Kreis Düren, Peter Berndgen. Alle zwölf Stunden machen sich rund 500 Feuerwehrleute aus Nordrhein-Westfalen zum Schichtwechsel auf den Weg ins Brandgebiet.
Mit Einbruch der Dunkelheit wurden die Einsätze der Löschhubschrauber eingestellt. Dafür wurde die Zahl der Einsatzkräfte am Boden in besonders gefährdeten Bereichen nahezu verdoppelt. Zusätzliche Löschzüge wurden dorthin verlegt, Wege erweitert und Gegenfeuer gelegt. Zwei Bergepanzer der Bundeswehr schlagen auch in der Nacht Schneisen im Bereich des evakuierten Ortsteils Gey. Damit soll verhindert werden, dass die Flammen auf den Ort übergreifen.

Die Feuerwehr hofft, die Lage über Nacht stabil halten zu können. Derzeit gebe es eine „leichte Tendenz zu einer statischen“, also stabilen Lage, sagte Berndgen am späten Freitagabend. Der Waldbrand im Hürtgenwald ist nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Landesregierung wohl der größte in der Geschichte des Bundeslandes. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) sprach bei einem Besuch im Einsatzgebiet von einer betroffenen Fläche von 200 bis 300 Hektar. Starke und wechselnde Winde hatten den Brand, der am Donnerstagnachmittag ausgebrochen war, in der Nacht massiv angefacht. Besonders bedroht ist der Ortsteil Gey. Am frühen Freitagmorgen war das Feuer zeitweise nur noch etwa 250 Meter von dem Ort mit rund 2.300 Einwohnern entfernt. Die Polizei holte die Menschen aus ihren Häusern, binnen vier Stunden wurde Gey vollständig evakuiert. Am Nachmittag hatten sich die Flammen bis auf etwa 150 Meter an den Ort herangefressen. Die Bewohner konnten auch in der Nacht nicht zurückkehren. Viele kamen bei Verwandten und Freunden unter, außerdem wurde eine Schule als Notunterkunft eingerichtet.
Bei dem Waldbrand wurden bislang fünf Menschen verletzt. Eine ältere Person erlitt während der Evakuierung Herzprobleme, vier Einsatzkräfte wurden leicht verletzt. Die Brandbekämpfung ist besonders gefährlich, weil der Hürtgenwald stark mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg belastet ist. In der Nacht waren auf dem Brandgelände bereits Explosionen zu hören. Feuerwehrleute können deshalb nicht ohne Weiteres in sämtliche Bereiche des Waldes vordringen. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und amerikanischen Truppen. Tagsüber waren mehrere Löschhubschrauber aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie von Bundespolizei und Bundeswehr im Einsatz. Am Boden kamen unter anderem Wasserwerfer der Polizei und das Spezialfahrzeug „Fire Fighter“ zum Einsatz. Auch Land- und Forstwirte unterstützen die Einsatzkräfte mit Maschinen. Die Polizei Köln ermittelt unterdessen zur Ursache des Feuers. Sie richtete ein Hinweisportal ein und sucht insbesondere Fotos und Videos aus dem Zeitraum der Brandentstehung. Die Ursache des Feuers war am Freitagabend weiterhin unklar. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) will sich am Samstag vor Ort ein Bild von der Lage machen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, er werde laufend über die Entwicklung informiert, und dankte den Einsatzkräften für ihren Einsatz. (dpa/sc)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren