Phil Taylor: Sofa statt Superstar

Darts

„Auf keinen Fall“ wird Phil Taylor noch einmal auf die Dartsbühne zurückkehren. | Foto: Photo News

Phil Taylor war bei 24 von 24 PDC-Darts-Weltmeisterschaften mit dabei – und höchst erfolgreich. Nun muss die Darts-Welt ohne „The Power“ auskommen. Der Engländer genießt das Leben abseits der Profiszene.

Eine Darts-WM ohne Phil Taylor, das ist wie die Bundesliga ohne den FC Bayern München oder die 1. Division und den RSC Anderlecht. Doch während die beiden Traditionsclubs in der Geschichte ihrer höchsten Spielklassen teilweise schon einzelne Jahre gefehlt haben, war „The Power“ Taylor bislang Dauer-Erfolgs-Garant der Pfeile-Szene. Bei der Premiere der PDC-WM 1994 stand der Engländer genauso im Finale wie bei seiner letzten Teilnahme 2018. Dazwischen lagen nicht nur 24 lange Jahre und viele große Momente, sondern auch sagenhafte 14 Weltmeister-Titel des Darts-Großmeisters.

Jetzt ist er weg – und kommt auch nicht wieder. „Nein, ich werde nicht mehr spielen. Ich habe die Profitour überhaupt nicht vermisst, es ist zu stressig für mich, also gibt es keine Chance auf ein Comeback“, sagte der 58-Jährige. Gut elf Monate nach seinem Abgang als gefeierter Held der Szene schließt Taylor nicht nur ein Comeback als Aktiver aus – er wird auch sonst in keiner Funktion bei der diesjährigen WM, bei der Dimitri van den Bergh und Kim Huybrechts für Belgien starten, auftreten. Sofa statt Superstar-Auftritte im AllyPally.

Wer wird erster Weltmeister nach der Taylor-Ära? „The Power“ tippt auf van Gerwen.

Dabei kann der inzwischen 58-Jährige seinen Ruhestand nicht nur genießen, sondern auch exzellent vermarkten. Hunderte Schaukämpfe spielte er in diesem Jahr, trat in Australien auf, tourte durch Großbritannien. „Ich bin viel gereist, habe viel gespielt und auch viel Zeit mit meiner Familie verbringen können“, erzählt er, sichtlich zufrieden und mit sich im Reinen. „Ich genieße das.“

Während sich „The Power“ selbst den Erfolgsdruck genommen und klare Veränderungen an seinem Leben vorgenommen hat, ist die Szene weiter von der Darts-Legende aus Stoke-on-Trent angetan. Der Klassiker „There’s only one Phil Taylor“ wird auf den Rängen noch immer bei Ranglistenturnieren lautstark gegrölt, die Fans tragen seine T-Shirts viel häufiger als die seiner Nachfolger. Im Londoner Alexandra Palace, wo der Engländer seine größten Erfolge feierte, werden sie ihn nun noch mal besonders hochleben lassen. Seine Kollegen hegen Bewunderung für den Sportler Taylor – und dafür, wie er den Sport gefördert hat. Taylors langjähriger Rivale Raymond van Barneveld, der nach der WM 2020 selbst Schluss machen wird, lobt: „Er ist der absolut beste Spieler dieser Welt.“

Selbst bei einem Kaltstart wäre Taylor konkurrenzfähig. Ein Comeback, wie es Radfahrer Lance Armstrong im Karriereherbst noch einmal gewagt hatte, lehnt Taylor strikt ab: „Ich möchte mehr Zeit zu Hause verbringen, schließlich bin ich fast 60 Jahre alt.“ Und wer wird erster Weltmeister der Nach-Taylor-Ära? „The Power“ tippt auf Darts-Primus Michael van Gerwen – und weist darauf hin, seinen Schützling Adrian Lewis nicht zu vergessen. (dpa/mn)Die WM findet vom 13.Dezember bis 1. Januar in London statt.

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