Zwischen Geist und Genuss

Alain Pinckaers (links), Inhaber und Geschäftsführer der Brauerei Val-Dieu, gemeinsam mit seinem Braumeister.

Mitten im Dreiländereck, nur wenige Kilometer von Lüttich, Maastricht und Aachen entfernt, zieht die Abtei von Val-Dieu jedes Jahr knapp 200.000 Besucher an – Touristen wie Pilger. In diesem Jahr feiert das Kloster bei Aubel sein 800-jähriges Bestehen. Zwar ohne Mönche, aber dafür mit einem großen Rahmenprogramm und einem neuen Abteibier.

Von Carsten Lübke

Im Jahre 1216 gründeten Mönche aus den Niederlanden die Zisterzienserabtei in Val-Dieu und entwickelten sie rasch zu einem religiösen, geistlichen und wirtschaftlichen Zentrum. Heute blickt das Kloster im Bistum Lüttich auf 800 Jahre Geschichte zurück. Von der ursprünglichen Abtei ist heute aber nicht mehr viel übrig. Brände und Kriege verwüsteten mehrmals den gesamten Klosterkomplex und ein Leben der Mönche war in den Räumlichkeiten lange Zeit nicht möglich. Kurz nach der Französischen Revolution kehrten die Geistlichen zurück und errichteten die Abtei, so wie sie heute noch existiert. Die Basilika und ein großer Wirtschaftshof mit ehemaligen Stallungen zeugen noch von der Glanzzeit der Ordensbrüder und ihrer Vorbildfunktion in der Landwirtschaft.

Bis vor 15 Jahren lebten noch drei Mönche des kontemplativen Zisterzienserordens, der durch Reform aus den Benediktinern hervorgegangen ist, in der Abtei Val-Dieu. 2001 vertraute der Mönchsorden das Kloster und dessen Infrastruktur einer christlichen Gemeinschaft an, die sich sowohl um die Pflege des historischen Gebäudes kümmert, als auch dafür sorgt, dass Val-Dieu weiterhin ein Ort des geistlichen Lebens bleibt. Die Zisterzienser, beaufsichtigen lediglich das Geschehen. Ihr Erbe bleibt aber dennoch fundamental. „Die Geschichte der Abtei ist sehr komplex und beinhaltet Höhen und Tiefen. Vorrangig geprägt wurde sie durch die Zisterzienser, die die Kunst zu Leben entwickelt und an die Menschen weitergegeben haben. Das immaterielle Erbe umfasst Gebete, Musik und Schriften, aber auch die Lebensart“, erzählt Bruder Marie Vladimir, Berater des Generalabts. „Aber auch die Herstellung von Bier und Käse gehört dazu“, führt der Geistliche an.

Dank der Arbeit der Laiengemeinschaft erfährt die Gegend heute eine Renaissance und ist mehr als eine altehrwürdige Zisterzienserabtei. „Es ist vor allem ein Ort des Friedens mitten im Herzen des Herver Landes. In der hektischen und manchmal beängstigenden Zeit findet man hier Ruhe, Inspiration und Energie, um den persönlichen Alltag zu meistern“, sagt Emeline Gilliquet, Direktorin der Abtei.

Das 800-jährige Bestehen wird in diesem Jahr mit einem umfangreichen Jubiläumsprogramm gefeiert. Das ganze Jahr über gibt es kulturelle und spirituelle Events. Von Konzerten in der Basilika und im Park, bis hin zu Führungen, Wanderungen und Ausstellungen, wird alles geboten. Besonderes Highlight ist eine Licht- und Tonshow, die während des ganzen Monats August zu bestaunen ist. „Mit Fresken und optischen Täuschungen versuchen wir, innerhalb von 25 Minuten einen Einblick in die Geschichte des Klosters zu geben. Man kann sich das Spektakel als eine Art Schaufenster vorstellen,“ erklärt die 33-jährige Gilliquet. „Wir wollen, dass die Leute bei freiem Eintritt auf den Geschmack kommen, um sie somit auch für andere Angebote zu gewinnen“, führt die Direktorin an. Ein weiterer Höhepunkt findet zu Maria Himmelfahrt statt. Dann wird der Generalabt des Zisterzienserordens, Mauro Lepori, in der Kirche eine Messe sowie einen Vortrag halten. Ein wenig früher, am ersten Juliwochenende, bietet sich für Interessierte die Gelegenheit, an einer 24-stündigen Bibellesung mit Mönchsmahlzeiten teilzunehmen.

Zeitig zur 800-Jahrfeier der Abtei gibt die angesiedelte Brauerei, die übrigens als eine der wenigen belgische Brauerei noch auf einem Klostergelände braut, ein besonderes Bier heraus. „Es ist ein leichtes blondes Abteibier mit 5,5 Prozent Alkoholgehalt, das im Abgang hopfig ist. Gemeinsam mit meinem Team habe ich aus verschiedenen Proben, diesen Geschmack gewählt“, erklärt Alain Pinckaers, Inhaber und Geschäftsführer der Brauerei Val-Dieu.

In den Räumlichkeiten der Abtei wird seit 1997 wieder alkoholisierter Gerstensaft gebraut, der regional sowie international im Einzelhandel vermarktet wird. Die Cuvée wird vorerst aber nur in limitierter Auflage gebraut werden. Maximal 800 Hektoliter, also 80.000 Liter, so Pinckaers. „Wenn unser neues Produkt großen Anklang findet, werden wir sicherlich noch einmal Hand anlegen. Mit der Produktion werden wir in knapp zwei Monaten beginnen.“ Bis dahin heißt es, abwarten und anderes Bier trinken. Und davon gibt es in Belgien einige, und es werden immer mehr. „Spezialbiere werden weltweit einfach immer beliebter“, so Pinckaers, der vor knapp 20 Jahren in dem Geschäft Fuß gefasst hat. „Damals, als ich angefangen habe, gab es in Belgien etwa 50 Brauereien. Heute sind es über 260. Und jeden Monat kommt eine hinzu. Das Starkbier boomt einfach.“ Das Brauhaus Val-Dieu hat im letzten Jahr rund 12.800 Hektoliter Bier gebraut und in diesem Jahr wird es noch mehr. Pinckaers: „Wir haben ordentlich Geld in die Hand genommen und in zwei neue Tanks investiert. Damit hoffen wir, ungefähr 20.000 Hektoliter brauen zu können. Wir produzieren pro Jahr rund 15 Prozent mehr. In den nächsten Jahren werden wir sicherlich noch weitere Investitionen tätigen.“

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2001 vertraute der Orden das Kloster und dessen Infrastruktur einer christlichen Gemeinschaft an.
Die Abtei Val-Dieu liegt in unmittelbarer Nähe der Gemeinde Aubel in der Provinz Lüttich. | Foto: Val-Dieu
Emeline Gilliquet ist seit Mai 2015 Direktorin der Abtei. | Foto: Carsten Lübke