„Minigolf fehlt der Nachwuchs“

Eine Minigolfbahn im eigenen Garten: „Ich wollte mal auf einer Bahn spielen, auf der noch kein anderer gespielt hat.“

Michael Mockel hat den Minigolfclub Kettenis gegründet. Kein Sportverein im eigentlichen Sinne, sondern eine Initiative, um Minigolf der Öffentlichkeit zu präsentieren und gleichzeitig Mittel für die SOS-Kinderdörfer zu sammeln. Mockel selber besitzt eine Anlage im eigenen Garten.

Von Boris Cremer

Michael Mockel besitzt rund 120 Minigolfbälle – verschiedene wohlgemerkt. „Und damit bin ich vergleichsweise bescheiden ausgerüstet, andere haben mehrere Tausend Bälle.“ Hinter dem Horten von Minigolfbällen steckt bei den passionierten Spielern keine Sammelleidenschaft, sondern der Anspruch, auf jede Bahn und jede Witterung vorbereitet zu sein.

Zum Beleg, wie verschieden das Spielgerät ausfallen kann, schreitet Mockel zur Trockenübung im eigenen Esszimmer, nimmt zwei Minigolfbälle in die Hand und lässt sie zeitgleich fallen. Siehe da: Der eine springt wie ein Flummi meterhoch in die Luft zurück, während der andere praktisch direkt am Fußboden „klebt“. Zwischen diesen Extremen hat sich ein Minigolfspieler im Wettkampf stets aufs Neue zu entscheiden. Es gibt harte und weiche Bälle, schnelle und langsame, rote und weiße, rauhe und lackierte. Und: „Nicht der Ball, der am höchsten tickt, ist auch der beste.“

Der Schläger – eine Art gummierter Putter – ist hingegen nur nebensächlich, Mockel hat nur einen einzigen im Einsatz. „So gesehen ist es andersherum als beim Golf, wo die ganze Zeit mit einem Ball gespielt, aber immer wieder zu einem anderen Schläger gegriffen wird“, erklärt er. Für die Könner lautet stets das Ziel, ein Ass zu schlagen. Jede offizielle Bahn muss so ausgelegt sein, dass ein „Hole-in-one“ möglich ist. Bei Wettkämpfen sind zwei Schläge schwach, noch mehr eine mittlere Katastrophe. Wer als Laie beim Minigolfspielen im Urlaub regelmäßig verzweifelt, sollte sich aber nicht grämen, denn: „Mit den Jedermannbällen, die man an der Kasse geliehen bekommt, können selbst die besten Minigolfer keine Asse in Serie schlagen“, so Mockel. Er selber schafft eine 18-Bahnen-Runde im Schnitt mit 25 Schlägen.

Mit zwölf Jahren stand Mockel bereits auf der Eupener Minigolfanlage im Park Klinkeshöfchen – täglich, gerne bis zum Einbruch der Dunkelheit. „Ich war total verrückt danach“, erinnert sich der 43-Jährige an damals. Heute steht der Minigolf-Verrückte von einst viel seltener auf der Bahn, der Familie zu Liebe, und spielt nur noch ein halbes Dutzend Mal im Jahr auf Wettkampfniveau. Die Liebe zum Minigolf ist ihm aber geblieben.

Und mit Sorge stellt der Ketteniser fest, dass nicht nur die Bahnen, sondern auch die Spieler immer älter werden. Die Kegler können da ein Liedchen von singen. „Dem Minigolf fehlt der Nachwuchs, er stirbt langsam aus“, stellt Mockel fest – und möchte mit seiner Initiative versuchen, etwas dagegen zu unternehmen. Die Randsportförderung soll aber kein Selbstzweck sein. Mit dem Erlös von Freundschafts- oder Firmenturnieren möchte Mockel die SOS-Kinderdörfer unterstützen. Genauer gesagt hat er sich beim Verwendungszweck der Gelder für ein Kinderhilfsprojekt im kongolesischen Kinshasa entschieden, das u.a. von Vincent Kompany, dem Kapitän der belgischen Nationalmannschaft, unterstützt wird.

Den Anfang markiert der kommende 30. April. Dann werden Belgiens beste Minigolfer im Garten der Familie Mockel in Kettenis zu Gast sein. Nicht (nur) zum Grillen, sondern zum Minigolfspielen. Denn der passionierte Mockel hat vor sechs Jahren im eigenen Garten 18 Minigolfbahnen angelegt. „Zum einen wollte ich mal auf einer Anlage spielen, auf der vorher noch kein anderer gespielt hat, und zum anderen wollte ich endlich mal einer 18er Runde spielen“ – und das ist ihm inzwischen mehrfach gelungen.

Wer aber glaubt, dass Mockel täglich auf der eigenen Anlage im Garten steht, täuscht sich. „Klar spiele ich ab und zu eine Runde, aber das hält sich arg in Grenzen.“ Meistens dann, wenn Gäste da sind – denn für die ist Minigolf im Garten nun wirklich nichts Alltägliches. „Wenn Besuch da ist, ist das immer eine schöne Aktivität.“ Zum Beispiel beim Kindergeburtstag: Während Mockels jüngste Tochter Maike noch etwas zu klein für Minigolf ist, greift ihre drei Jahre ältere Schwester Mia bereits dann und wann zum Schläger, um mit Vater Michael ein paar Bahnen zu spielen.

Nun hofft Mockel, dass die Anlage, für die er einen Teil seines Gartens eingeebnet hat, Ende April ein paar Euro in die Spendenkasse des MGC Kettenis spülen wird. Damit wäre ein Anfang gemacht. Denn der 43-Jährige hat noch viele andere Ideen: Schnupperkurse, Schulbesuche, Promi-Turniere, und als ehrenamtlicher Präsident des Sperrgutsortierzentrums Rcycl kann er sich die Herstellung eine Fantasiebahn aus Schrott vorstellen. All dies mit dem gleichen Ziel: Minigolf aufleben lassen und dabei Gutes tun.

„Eine Initialzündung“ müsse her, um den Sport in Ostbelgien ähnlich populär wie in Deutschland zu machen. Dort gibt es alleine im benachbarten Nordrhein-Westfalen über 100 Vereine, und dem deutschen Minigolfverband gehören fast 10.000 Mitglieder an. Zahlen, von denen in Belgier nicht zu träumen ist. Hierzulande ist jeder Klub erstklassig, denn es gibt nur deren fünf – alle in der 1. Division. Gerade einmal 40 bis 50 Spieler sind regelmäßig im Meisterschaftseinsatz.

„Wichtig ist nicht nur, Jugendliche an den Minigolfsport heranzuführen, sondern auch, sie zu begleiten“, glaubt Mockel. Für die Meisterschaftspartien sind die Minigolfer ganze Tage unterwegs – nicht immer einfach für Familienmenschen und ihre Kinder, es sei denn die gesamte Familie ist am Start.

Wie viel Erfolg Michael Mockel mit seiner Initiative haben wird, vermag er selber nicht zu prognostizieren. Aber: „Wenn bei dem einen oder anderen Event auch nur ein paar Euro für die SOS-Kinderdörfer zusammenkommen, wäre das doch schon ein Erfolg.“

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Michael Mockel (hier auf seiner eigenen Anlage) möchte den Minigolfsport fördern und damit gleichzeitig Spenden sammeln. | Foto: Ralf Schaus