„Die DG gibt rund 1,6 Millionen Euro für den Schülertransport aus“

Norbert Heukemes, Generalsekretär des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Herr Heukemes, welche Rolle spielt die wallonische Nahverkehrsgesellschaft TEC in dem hiesigen Schultransportsystem?

Eine ganz entscheidende Rolle, denn die TEC hat ein Quasi-Monopol in der Wallonie, was die Personenbeförderung angeht. Das impliziert auch die Schülerbeförderung in der DG. Das heißt, dass alle Strecken, die die Nahverkehrsgesellschaft bedienen möchte, auch bedient werden dürfen. Die Schülerbeförderung der DG betrifft hingegen alle Strecken, die nicht von der TEC bedient werden wollen, meistens aus wirtschaftlichen Gründen. Die DG gibt jährlich rund 1,6 Millionen Euro für den Schülertransport aus.

Wie viele Personen werden von der DG befördert?

Insgesamt befördern wir 741 Personen. Davon sind 220 Förder- und 521 Regelschüler. Wir bedienen derzeit 20 verschiedene Strecken, jeweils zehn in den nördlichen und zehn in den südlichen Gemeinden. Im Norden transportieren wir die meisten Schüler zur Gemeindeschule Raeren (151) und im Süden zur Gemeindeschule Reuland (108). Zudem fahren drei Taxen sechs Schüler nach Aachen, Düren und Laurensberg, wo sie in speziellen Einrichtungen beschult werden, da wir in der DG solche Bildungsstätten nicht besitzen. Hierbei handelt es sich um Schulen für Blinde, Sehbehinderte sowie Hörgeschädigte.

Wer genau hat Anrecht auf diesen Dienst?

Anrecht hat jeder Schüler, der die nächstgelegene Schule seiner freien Wahl besucht. Hierbei greift aber eine Kilometerregel. Im Primarschulwesen muss die Distanz zwischen dem Wohnsitz des Schülers und der ausgewählten Bildungsstätte mindestens vier Kilometer betragen, um den Transportdienst beanspruchen zu können. Im Sekundarschulwesen beträgt die Entfernung zwölf für die Unterstufen- und 20 Kilometer für die Oberstufenschüler.

Was kostet der persönliche Transport zur Lehranstalt?

Der Schulverkehr ist im Prinzip für alle Schüler bis zum Alter von einschließlich elf Jahren gratis. Warum nur im Prinzip? Die kostenlose Schülerbeförderung bis zu diesem Lebensalter ist ein Service der TEC-Gesellschaft, der sich jederzeit ändern könnte. Falls die unter zwölfjährigen Schüler mit einem Bus der TEC befördert werden, müssen sie im Besitz eines sogenannten Fahrscheins Horizont+ sein, der gratis in allen TEC-Büros erhältlich ist. Für Regelschüler ab zwölf Jahren wird eine Beteiligung an den Fahrtkosten auf der Grundlage der TEC-Abonnements verlangt. Ein 1-Zonen-Abonnement kostet beispielsweise 126 Euro und ein 2-Zonen-Abo 165 Euro. Dieselben Kosten gelten auch für unsere Schultransporte, die sich nach den Fahrpreisen der TEC richten. Förderschüler werden durch die DG kostenfrei zu ihrer Bildungsstätte gefahren, und das stets in der Gesellschaft eines Busbegleiters.

Gibt es eine finanzielle Obergrenze pro Familie?

Die höchstmögliche finanzielle Belastung für eine Familie, in der mehrere Kinder entweder durch die TEC oder die Deutschsprachige Gemeinschaft befördert werden, liegt bei 330 Euro. Den Ausgleich zahlen wir der jeweiligen Familie dann zurück. (cal)