„Das darf einfach nicht passieren“

Das Ministerium hat unmittelbarer nach dem Ereignis konkrete Maßnahmen getroffen. | Foto: David Hagemann

Ende Februar dieses Jahres sorgte der Vorfall eines Jungen, der versehentlich in einem Sonderschulbus in Eupen vergessen worden war, für Furore. Der Junge war rund fünf Stunden lang alleine in dem Omnibus gefangen, ehe er von Passanten befreit wurde. Das zuständige Ministerium der DG hat infolge dieses Vorfalls Maßnahmen ergriffen, damit so etwas nicht wieder passiert.

Von Carsten Lübke

Am 29. Februar wollte der Sechsjährige eigentlich nur in das Zentrum für Förderpädagogik (ZFP) in Eupen, stattdessen musste der an Autismus leidende Junge den Vormittag allein in einem Schulbus verbringen. Abgeholt wurde der Junge an dem besagten Tag vor seiner Haustüre in Eynatten. „Förderschüler werden im Regelfall in Absprache mit den Eltern von einem unserer Busbegleiter vor der eigenen Haustüre abgeholt. Es kann aber auch sein, dass aufgrund von pädagogischen Maßnahmen ein Förderschüler durch die Nahverkehrsgesellschaft TEC befördert wird“, erklärt Norbert Heukemes, Generalsekretär des Ministeriums. Regelschüler werden hingegen durch die Schülerbeförderung des zuständigen Ministeriums der DG an Sammelstellen abgeholt. „Diese Orte werden von uns bestimmt, liegen aber nicht weiter als 500 Meter auseinander“, sagt Heukemes.

Zurück zur Sechsjährigen: Auf der Fahrt von Eynatten nach Eupen nickte der kleine Junge ein. An der Endstation in Eupen hatten aber weder die zuständige Begleiterin noch der Busfahrer bemerkt, dass der Junge auf dem Weg eingeschlafen war und deshalb auf seinem Sitz blieb. „Wahrscheinlich hat er gelegen. Unsere Mitarbeiterin, die seit elf Jahren für uns arbeitet und sich bislang keinen Fauxpas erlaubt hat, hat womöglich deswegen das Kind übersehen“, äußert sich Heukemes. Der Busfahrer hatte nach dem Verlassen der anderen Kinder den Bus an der Rotkreuzstraße in Eupen abgestellt.

Als der Junge aus seinem Tiefschlaf erwachte, musste er feststellen, dass er sich alleine in dem Fahrzeug befand. Da der Fahrer den Bus abgeschlossen hatte, konnte sich das autistische Kind nicht selbstständig aus dem Fahrzeug befreien. Um die Mittagszeit sollen Passanten den Jungen in dem Bus entdeckt haben und ihn aus seiner misslichen Lage befreit haben.

Es bleibt die Frage im Raum: Wie konnte es zu dieser Eskapade kommen? Laut Aussagen des Ministeriums ist der Routineablauf der Busbegleiterin womöglich gestört worden. Dies hat dann dazu geführt, dass der Junge übersehen wurde. „Es ist der Fall eingetreten, von dem man dachte, dass er niemals eintreten würde. Ein solcher Vorfall darf aber einfach nicht passieren, und wir wollen das Geschehen auch keineswegs bagatellisieren“, unterstreicht der Generalsekretär.

Das Ministerium hat unmittelbarer nach dem Ereignis konkrete Maßnahmen getroffen. Zum einen seien die Schulen noch einmal explizit aufgefordert worden, die Förderschüler am Schulbus abzuholen – Regelschüler sind davon ausgenommen.

Zum anderen wurde im hinteren Teil der Busse ein Kontrollblatt angebracht, das sowohl von der Busbegleiterin als auch von dem Busfahrer nach der Überprüfung des Fahrzeuges unterzeichnet werden muss. „Vorher war der Chauffeur nicht in den Ablauf eingegliedert. Wir schaffen somit doppelte Sicherheit. Wir dokumentieren ab sofort die einzelnen Schritte, wodurch wir hoffen, solche Vorfälle in Zukunft ausschließen zu können. Diese Maßnahmen haben wir in Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern ausgearbeitet“, sagt Heukemes. „Unsere Mitarbeiter sind verantwortungsbewusste Menschen, denen das Wohl der ihnen anvertrauten Kinder am Herzen liegt“, stellt Heukemes klar, der auch selbst an einer morgendlichen Fahrt teilgenommen hat.

Eine weitere Maßnahme, die getroffen wurde, betrifft die Schulen: Mittlerweile werden in allen Schulen beim Nichterscheinen der Schüler im Bus umgehend die Erziehungsberechtigten informiert und nach den Gründen der Abwesenheit gefragt. Heukemes: „Kommunikation und Transparenz sind das A und O.“