„Das MIMA kann den sozialen Zusammenhalt in Molenbeek fördern“

Raphaël Cruyt, Mitgründer des MIMA und Bürger Molenbeeks

Wie sind Sie auf Molenbeek als Standort für das MIMA gestoßen?

Klar war von Anfang an, dass das Museum seinen Platz im Zentrum von Brüssel haben sollte. Fündig wurden wir am historischen Stadtring, am Kanal, auf der Seite von Molenbeek – auf der anderen Seite liegt das Stadzentrum, in nur zehn Minuten zu Fuß erreicht man den Grand’Place

Ist es für Sie denn kein Problem, dass Molenbeek seit einigen Monaten ein solch schlechtes Image hat?

Das schlechte Bild von Molenbeek haben die Medien geschaffen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Neben dem gesellschaftlichen Mix gibt es hier auch eine große kulturelle Diversität. Das ist hier nicht die verlorene und gefährliche Welt, die sich viele vorstellen. Schauen Sie, das Gebäude, in dem das MIMA eingerichtet wurde, stammt aus dem Jahr 1916. In jener Zeit war Molenbeek die wirtschaftliche Lunge der Stadt und wurde deshalb Klein-Manchester genannt. Hier war es aber auch, wo es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Kundgebungen und Aufstände kam – was die Bourgeoisie als Bedrohung sah, und diese psychologische Grenze ist erhalten geblieben. Aber vergessen wurde, dass in Molenbeek die demografische und wirtschaftliche Zukunft der Stadt Brüssel gestaltet wird. Außerdem wohnen hier viele Künstler und Ausländer aus der EU. Das ist nicht das Image, das die Medien vermitteln.

Könnte das Museum eine Funktion zugunsten des sozialen Zusammenhalts in Molenbeek übernehmen?

Für die örtliche Bevölkerung kann das Museum durchaus ein Element ihrer eigenen Identität werden. Die dramatischen Ereignisse haben die soziale Funktion des MIMA zusätzlich gestärkt. Darauf bin ich stolz. In Brüssel gibt es keine Gentrifizierung. Der gesellschaftliche Mix hat Bestand, und das MIMA hat hier seinen Platz. Es schafft ein Klima des sozialen Vertrauens, das es erlaubt, diesen sozialen Zusammenhalt zu fördern.

Gibt es schon konkrete Pläne in diese Richtung?

Wir wollen beispielsweise lokale Sportklubs an den Aktivitäten des MIMA teilhaben lassen und auf diese Weise einen Austausch ermöglichen.

(gz)