Wenn der Wepper mit dem Wöller

Janina Hartwig, Fritz Wepper und Gaby Dohm (von links) bei der Vorstellung von „Mission unmöglich“ und „Um Himmels Willen XII“. | Foto: Georg Wendt/dpa

Seit nunmehr zehn Jahren steht Fritz Wepper, 71, im Mittelpunkt der Serie „Um Himmels Willen“. In dem intriganten Bürgermeister Wolfgang Wöller hat der Charakterdarsteller aus München seine Paraderolle gefunden. Für sie wurde er mit dem Bambi, dem Bayerischen und dem Deutschen Fernsehpreis geehrt.

Von Olaf Neumann

Bevor am 8. Januar 2013 die neue Staffel startet, strahlt das Erste am 20. Dezember noch ein Weihnachtsspecial aus. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit Jutta Speidel als Schwester Lotte. GrenzEcho-Mitarbeiter Olaf Neumann traf Fritz Wepper in Hamburg.

Herr Wepper, in bislang über 150 Folgen haben Sie den Bürgermeister Wöller gespielt. Was reizt Sie an der Figur?

Diese Rolle in einer Serie, die sich kontinuierlich weiterentwickelt, ist für einen Schauspieler eine wunderschöne Herausforderung. Es macht uns allen Spaß, auch wenn die Witterung mal nicht ganz so freundlich ist. Kürzlich mussten wir zum Beispiel bei minus acht Grad eine Sommerszene drehen.

Wie ähnlich ist Ihnen der Wöller?

Nun, ich werte es durchaus als positive Bestätigung meines Handwerks, wenn die Menschen da draußen in mir den Wolfgang Wöller sehen.

Ist Ihr Verhältnis zu dieser Figur ein ironisches?

Ich nehme den Wöller sehr ernst. Die Engländer sagen immer: „Komödie ist ein todernster Job.“ Um komische Situationen glabwürdig zu vermitteln, muss man das ernsthaft machen. Als Wöller muss ich laut Drehbuch zum Beispiel sagen: „Sie kennen den Ernst der Lage nicht.“ Ich mache daraus immer kleine Wortspiele wie „Sie kennen die Lage vom Ernst nicht“. Mir wäre es zu einfach, Szenen eins zu eins zu spielen. Wir haben in Bayern den wunderbaren Kabarettisten Gerhard Polt, der den Leuten wirklich aufs Maul schaut. Mein Wöller hat eine ähnliche Diktion wie er.

Wie stark identifizieren Sie sich mit Ihrer Heimat Bayern?

Nun, in Bayern haben wir den wunderbaren Autoren Ludwig Thoma, der die „Heilige Nacht“ geschrieben hat. Von ihm stammt der Satz „Um mich herum ist Heimat“. Aus dem Begriff „Heimat“ speist sich vieles: die Ahnen, die Diktion, der Dialekt, der Mutterwitz. Ich habe schon als Kind Karl-Valentin-Filme gesehen und dann selber Kasperletheater gespielt. Dieser Wurzeln werde ich mir immer bewusster, je älter ich werde. Und ich kann sie ja auch nutzen. Wir wollen mit unserer Serie aber keine bayerische Folklore vermitteln, wir müssen ja auch auf dem flachen Land verständlich bleiben.

Im Weihnachtsfilm „Mission unmöglich“ besucht Wöller Schwester Lotte in Nigeria. Wie bewegt er sich auf internationalem Parkett?

Das Witzige daran ist, dass Wöller in Nigeria auf ein noch gerisseneres Schlitzohr trifft als er es selbst ist. Zuhause in Kaltenthal ist er auf einen Internetbetrüger hereingefallen, und es gibt Anlass, in Nigeria nach dem Rechten zu sehen.

Bevor Schwester Lotte Kaltenthal verließ, war Wöller heimlich in sie verliebt. Wie sehr hat sie ihm gefehlt?

Als Schwester Lotte nach Nigeria ausgewandert ist, hat Wöller einen Minialtar mit ihrem Bild und einem Blümchen auf seinem Schreibtisch aufgestellt. Es hat genau darauf geachtet, dass es immer mit frischem Wasser versehen war. Wenn Besuch kam, hat er das Bild schnell umgedreht. Man kann davon ausgehen, dass er die Schwester Lotte trotz allem sehr mochte. Wir haben uns alle auf dieses Wiedersehen mit ihr sehr gefreut.

Getrübt wurde diese Freude allerdings durch einen tragischen Unfall. Eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma wurde in Namibia von einem Leoparden angefallen. Für diese Frau kam jede Hilfe zu spät.

Das war natürlich eine Belastung, die uns immer wieder beschäftigt hat. Wir vermissen die Kollegin nach wie vor sehr.

Die Ironie des Schicksals ist, dass das Filmteam ja bewusst nicht nach Nigeria gegangen ist, wo die Handlung des Films angesiedelt ist, sondern nach Namibia, das als sicherer gilt…

In Namibia wurde uns gesagt, dass man auch dort aufpassen müsse. Unserem Produktionsleiter wurde zum Beispiel das Auto gestohlen – inklusive seiner Papiere. Aber eigentlich gilt Namibia als touristenfreundlich, die Einheimischen habe ich persönlich als sehr nett erlebt. Und trotzdem macht man dort so seine Erfahrungen.

Würden Sie trotzdem wieder in Afrika drehen?

Wissen Sie, ich bereise den Kontinent Afrika seit vielen Jahren. Ich war sieben Jahre in Ghana geschäftlich engagiert, ich kenne Marokko, Algerien, Libyen, Tunesien, Sierra Leone und Südafrika. In Kenia habe ich mit meiner Familie aus nächster Nähe the Big Five gesehen: Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard. In dem Moment kannst du nicht einfach aus dem Jeep aussteigen. Wir haben es trotzdem mal getan und mit einem Feuer die wilden Tiere fern gehalten. Im Umkreis von 50 Metern konnten wir die Augen von den Hyänen leuchten sehen. Und in Namibia waren wir mit ganz tollen Buschmännern unterwegs, die heißen dort halt Gerhard und Manfred. 2013 will ich mit einem Freund wieder nach Namibia fahren – zur Antilopenjagd.

Kennen Sie eigentlich solche Kleinstadtpotentaten wie Wolfgang Wöller aus eigener Anschauung?

Dazu muss ich sagen, mir persönlich machen als Wöller besonders die Gemeinderatssitzungen Spaß, bei denen die Opposition gar nichts zu sagen hat. Obwohl ich persönlich ein Anhänger der Demokratie bin. Ernst Reuters flammende Rede für Europa ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Nach Hitlers Ende war die Demokratie für meine Generation eine Erlösung. Ich war damals Klassensprecher, als zweiter Klassensprecher fungierte der spätere bayrische Finanzminister Professor Dr. Faltlhauser. Aber wir konnten die Demokratie damals noch nicht so ausüben, wie es uns vorschwebte. Und seitdem ich diese Rolle spiele, bin ich schon auf einige Kollegen – sprich Bürgermeister oder Gemeinderäte gestoßen, die gesagt haben: „Herr Wepper, genau so ist es bei uns in der Gemeinderatssitzung!“ Das macht Mut und gibt uns die Bestätigung, dass wir uns mit dieser Serie nicht allzu weit von der Realität entfernen.

CSU-Politiker sollen sich wiederholt beim ZDF über die Berichterstattung beschwert haben. Haben Sie diese Töne überrascht?

Es hat mich gewundert, ja. Denn dies ist einer der Fehler, die man als Politiker auf keinen Fall machen sollte. Herr Wulff hat dies ja auch mit der Bild-Zeitung versucht – Medien in ihrer Pressefreiheit zu beschränken. Ich kann nur sagen: dumm gelaufen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Anruf des CSU-Sprechers beim ZDF von oben abgedeckt war. Aber der Tatbestand als solches ist unklug und einfach undemokratisch.

Um Himmels Willen

„Mission unmöglich“, Weihnachtsspecial,

am 20. Dezember 2012 in der ARD.

13 neue Folgen ab

8. Januar 2013 jeden Dienstag um 20.15 Uhr in der ARD.

Die Schauspieler Karin Gregorek, Fritz Wepper und Janina Hartwig (von links) während einer Drehpause zur ARD-Serie „Um Himmels Willen“. Von 1974 bis 1997 war Wepper in der Kultserie „Derrick“ der Assistent von Horst Tappert. | Foto: Armin Weigel dpa