„Methoden, die mir nicht gefallen“

PFF-Präsidentin Kattrin Jadin: „Meine Stärke ist es, zu wissen, dass nichts von vorneherein gewonnen ist.“ | Foto: David Hagemann

Die ostbelgischen Liberalen (PFF) haben sich bei ihrem Neujahrsempfang am Dienstagabend in Herresbach auf das Wahljahr 2014 eingestimmt. Für die Parteivorsitzende Kattrin Jadin (33) ist Geschlossenheit das A und O, wie sie im Interview erzählt.

Von Christian Schmitz

Frau Jadin, was ist Ihnen aus dem Jahr 2013 besonders in Erinnerung geblieben?

Durchweg negativ hat das letzte Jahr natürlich begonnen – mit dem Ableben von Ferdel Schröder. Das war keine einfache Zeit: Neben dem privaten Verlust kam politisch eine Menge Arbeit auf uns zu, und die Frage seiner Nachfolge musste ja schnell geklärt werden. Alexander Miesen ist dann als neuer Präsident des Parlamentes bezeichnet worden. Er hat seine Sache hervorragend gemeistert, vor allem mit der Fertigstellung des neuen Parlamentes, in die, sowohl er als auch Ferdel viel Zeit investiert haben. Wichtig waren 2013 auch die neuen Aufgaben auf kommunalpolitischer Ebene. In Eupen und Kelmis haben wir neue Verantwortung übernommen. Wir mussten lernen, dass Oppositionspolitik etwas Anderes ist, als an vorderster Front für politische Entscheidungen geradezustehen. Das war nicht einfach, aber wir haben aus Kritik gelernt. Ich gehe resolut optimistisch ins Wahljahr 2014.

Sie sprechen die Kommunalpolitik an: Vor allem in Eupen hat die Regenbogenkoalition mit PFF-Bürgermeister Karl-Heinz Klinkenberg sehr viel Kritik geerntet…

…mir war natürlich klar, dass die alte Mehrheit sich mit all den angestoßenen Investitionen übernommen hat. Hinzu kam dann leider viel Unvorhersehbares: Einbrüche von Dividenden, satte Nachzahlungen an die Feuerwehr, schwere Probleme im Eupener Krankenhaus. Aus dem Investitionsloch von 600.000 Euro, das mit dem Ankauf des Capitols entstanden war, wurden auf einmal 1,2 Millionen Euro. Wir haben alles versucht, um die Steuererhöhung zu verhindern, so wie wir es beim Antritt 2012 angestrebt hatten, aber zur Verantwortung gehört nun mal auch, sich ihr zu stellen und parteipolitisches Kalkül hinten anzusetzen.

Beim Neujahrsempfang Ihrer Partei wurde bekannt, dass Isabelle Weykmans Spitzenkandidatin für die Gemeinschaftswahlen wird. Sie ist in den letzten Jahren stark kritisiert worden. Negativer Höhepunkt war die sogenannte Email-Affäre rund um den BRF. Wie bewerten Sie ihre Arbeit?

Isabelle ist seit dem Jahr 2004 Gemeinschaftsministerin und hat in dieser Zeit jede Reform durchgeführt, die es in ihren Ressorts durchzuführen gab. Wer Reformen macht, eckt an, und wer mit Problemen konfrontiert ist, muss Entscheidungen treffen. Isabelle hat auch bewiesen, dass sie sich durchzusetzen weiß und in schwierigen Situationen nicht die Nerven verliert. Die von Ihnen angesprochene Email-Affäre hat mich schockiert. In der Politik wird manchmal polarisiert und polemisiert. Ich kenne Isabelle seit 15 Jahren und weiß, dass man ihr nicht solche Dinge antragen kann, die man ihr da in diesem Zusammenhang antragen wollte. Und ich weiß auch ungefähr, wie diese Geschichte publik gemacht wurde. Das sind Methoden, die mir nicht gefallen und auf die ich mich nicht herablassen werde.

In der Kammer werden Sie so etwas doch auch schon erlebt haben. Ist Politik doch ein dreckiges Geschäft?

Es ist nicht einfach, manchmal muss man schon sehr viel Polemik und Populismus in Kauf nehmen. Ich möchte niemand sein, der Kollegen persönlich angreift oder deren Integrität infrage stellt. Aber gut, dass muss jeder Politiker für sich selbst wissen. Ich möchte weiterhin morgens in den Spiegel schauen und über mich sagen können, dass ich ein geradliniger Mensch geblieben bin.

Sie selbst kandidieren wieder auf Platz zwei der MR-Kammerliste in Lüttich. Warum streben Sie nicht mal ein Amt in der DG an?

Mit der Frage, auf Gemeinschafts- oder Gemeindeebene Verantwortung zu übernehmen, habe ich mich sehr intensiv befasst, weil die Listenplätze für die Kammer diesmal sehr umstritten waren. Ich bin immer überzeugt geblieben, dass ich den zweiten Listenplatz für die Kammer aufgrund meiner Arbeit verdiene und dass dieses Mandat für die DG wichtig ist, vor allem, da der Senat in Zukunft an Bedeutung verliert. Künftig wird die gesamte sozioökonomische Politik Belgiens in der Kammer entschieden. Deshalb wollte ich auch hier geradlinig und konsequent bleiben. Ich habe mir gesagt: „Wenn ich die Stelle bekomme, ist die Kammer meine politische Priorität.“ Ich gehe Schritt für Schritt und weiß natürlich nicht, was kommen wird. Als Parteivorsitzende bin ich aber ohnehin mit vielen Dingen vertraut und auch in Themen auf DG-Ebene und in den Kommunen stark eingebunden.

Mit Platz zwei ist Ihnen der erneute Einzug aber gewiss.

Da bin ich vorsichtiger. Meine Stärke ist es, zu wissen, dass nichts von vorneherein gewonnen ist. Die Unterstützung meiner Mitbürger muss ich mir immer wieder aufs Neue erarbeiten. Ich erhalte sehr viele unterschiedliche Anfragen seitens der Bevölkerung. Deshalb muss ich mich auch in vielen Themen auskennen, obschon ich mich lieber spezialisieren würde.

Mit welchem Ziel gehen die ostbelgischen Liberalen in den Wahlkampf auf Gemeinschaftsebene?

Selbstredend möchten wir auf jeden Fall wieder mehrheitsfähig sein. Wir Liberale haben bislang in jedem Zuständigkeitsbereich der DG Verantwortung übernommen, selbst wenn das nicht immer einfach war. Geschlossenheit ist jetzt das A und O, denn gute Leute werden wir haben. Wir arbeiten bei der Listenzusammensetzung auch an einer richtigen Mischung aus Arbeitnehmern und Selbstständigen sowie aus jungen und älteren Kandidaten. Das gibt uns die Glaubwürdigkeit, die wir verdienen.

Isabelle Weykmans hat als Wahlziel 20 Prozent und die Rückeroberung des fünften Sitzes ausgegeben. Was sagen Sie?

Bei den letzten Wahlen im Jahr 2009 haben wir 17,5 Prozent erhalten. Das wollen wir natürlich diesmal ausbauen. Ich denke auch, die Liberalen gehören auf gute 20 Prozent.

Sie sprechen immer wieder von Geschlossenheit, die es herzustellen gilt. Hat diese im Jahr 2009 gefehlt?

Ganz genau. Die Grundlage meiner Arbeit als Parteivorsitzende war, die Geschlossenheit wieder herzustellen – oder besser gesagt, sie überhaupt mal zu schaffen. Wir Liberale sind aber nun mal starke Charaktere. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Gefördert wurde in den letzten Jahren aber auch das parteipolitische Engagement, dass die erste Prämisse für politische Verantwortung sein muss.