„Dortmund ist nicht unser Angstgegner“

Fußball - 1. Bundesliga: Fan-Runde vor Spitzenspiel zwischen Dortmund und Bayern - Münchener gewannen Hinspiel deutlich mit 5:1

Heute Abend (18.30 Uhr) treffen Borussia Dortmund und der FC Bayern München zum Schlagerspiel der 1. Fußball-Bundesliga aufeinander. Im Vorfeld bat das GrenzEcho beide Fanlager an einen Tisch.

Von Mike Notermans

Gemeinsam mit Jacky Müller (Rote Dragoner) aus Mirfeld, der seit 1982 Fan des FC Bayern ist, und Sylvio Brück (BVB Tigers) aus Wirtzfeld, der Borussia Dortmund die Daumen drückt, blickte das GrenzEcho in der Bütgenbacher Esscobar auf das heutige Gipfeltreffen. Mit in der Runde vertreten war auch der Fan-Nachwuchs. So gaben der achtjährige Gerd (nach Bayern-Ikone Gerd Müller benannt) und der zehnjährige Kevin ihre Einschätzungen ab.

Borussia Dortmund gegen FC Bayern. Entscheidet sich heute Abend die Meisterschaft?

Müller: Nach der unglücklichen Niederlage gegen Mainz 05 ist es auf jeden Fall wieder spannender geworden. Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass wir in Dortmund gewinnen. Schon alleine, weil die Mannschaft eine Reaktion zeigen will. Danach wären es wieder acht Punkte Vorsprung und die Meisterschaft entschieden. Selbst ein Unentschieden würde in meinen Augen reichen.

Brück: Die Meisterschaft bleibt durch die Niederlage von Bayern in Mainz bis zum Schluss spannend. Dortmund wird morgen gewinnen. Ich denke aber, dass sich der FC Bayern mit seinem qualitativ besseren Kader am Ende durchsetzt und mit einem knappem Vorsprung Deutscher Meister wird.

Hat man als Bayern-Fan überhaupt mit einem solch starken Verfolger gerechnet?

Müller: Auf keinen Fall. Klar hat Dortmund eine gute Mannschaft. Ich glaube aber, dass sie eine außergewöhnliche Saison spielen. Ich hätte sie nie so stark erwartet. Ehrlich gesagt freut es mich aber. So bleibt die Sache wenigstens spannend.

Brück: Das hat mich selbst ein wenig gewundert. Dass Thomas Tuchel so schnell einschlägt, war nicht unbedingt so zu erwarten.

Was macht Tuchel anders als sein Vorgänger Jürgen Klopp?

Brück: Neben einer kleinen Systemumstellung geht er auch anders mit den Spielern um. Ich denke an Akteure wie Henrich Mchitarjan oder Matthias Ginter, die unter Klopp nicht mehr aufblühten und jetzt wieder angreifen. Man sieht, dass die Spieler dem neuen Trainer vertrauen.

Kann man sagen, dass Dortmund in den letzten Jahren zum Angstgegner des FC Bayern wurde?

Müller: Vorher haben wir andauernd gegen Dortmund verloren. Aber in den beiden letzten Jahren war die Bilanz eigentlich nicht so so schlecht. Ich denke nicht, dass Dortmund ein Angstgegner des FC Bayern ist. Ein Prestigeduell ist es auf jeden Fall, ganz klar.

Beide Teams stehen für Offensivfußball. Wer ist eigentlich der bessere Stürmer? Robert Lewandowski oder Pierre-Emerick Aubameyang?

Müller: Aus meiner Sicht natürlich Lewandowski, weil er einfach erfahrener ist. Auch wenn Aubameyang eine super Saison spielt, hat sich Lewandowski in der Vergangenheit schon mehr bewährt. In meinen Augen hat Dortmund in dieser Saison größere Probleme ein Tor zu erzielen als Bayern.

Brück: Aubameyang ist mehr der Konterstürmer, der seine Schnelligkeit ausnutzt und Tore erzielt. Lewandowski ist aber gleichzeitig auch ein sehr starker, fast perfekter Stürmer, den wir noch aus Dortmund kennen. Ich optiere fast schon für ihn.

Wie wichtig ist Pep Guardiola noch für den FC Bayern?

Gerd Müller: Oh Gott, Guardiola.

Müller: Guardiola ist nie mein Typ gewesen. Auch wenn das Spiel in Turin schon beeindruckend war und ganz klar seine Handschrift trägt. Für mich hat er unseren Verein komplett umgekrempelt. Der Wechsel von Bastian Schweinsteiger, der den Verein sonst niemals verlassen hätte, war dann der Höhepunkt. Ich bin froh, dass er am Ende der Saison weg ist. Da würde auch der Champions-League-Titel nichts ändern.

Ist Carlo Ancelotti denn der richtige Mann?

Müller: Ich sehe ihn ein wenig besonnener als Herrn Guardiola. Dass er erneut alles umkrempelt, glaube ich nicht. Ob er der richtige Mann ist, kann man noch nicht sagen.

Wer war eigentlich Ihr Lieblingstrainer?

Müller: Das sind auf jeden Fall wichtige Trainer wie Ottmar Hitzfeld, mit dem ich meine ersten Titel gefeiert habe, und Jupp Heynckes. Sein Auftreten und Verhalten waren schon außergewöhnlich.

Und wie sieht es in Dortmund aus?

Brück: Auf jeden Fall Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp. Er ist 2008 gekommen, als es dem Verein wirklich nicht gut ging. Mit Klopp haben wir uns langsam nach vorne gearbeitet. Vor seiner Arbeit habe ich auf jeden Fall großen Respekt.

Wie lässt Thomas Tuchel gegen den FC Bayern spielen?

Brück: Das ist schwer zu sagen. Man muss schauen, wer verletzt oder wieder fit ist. Für uns ist es auf jeden Fall ein Nachteil, dass Sokratis verletzt ist. Aber gut, Verletzte hat Bayern auch.

Wo sehen Sie momentan die größten Schwächen bei Ihrer eigenen Mannschaft?

Brück: Auf jeden Fall die Außenpositionen. Marcel Schmelzer ist zwar kein schlechter Spieler, verliert aber zu viele Bälle. Da muss auf jeden Fall gehandelt werden. Gleichzeitig bräuchte man noch einen Stürmer, der Aubameyang entlasten kann und mehr Flexibilität bringt.

Wo liegen die Schwächen beim FC Bayern?

Müller: In der Abwehr fehlen natürlich Spieler wie Jerome Boateng oder Holger Bad-stuber. Aber Bayern hat so einen großen Kader, dass man kaum von richtigen Schwächen sprechen kann.

Holt der FC Bayern zum Abschied von Pep Guardiola das Triple?

Müller: Wenn Guardiola es für sein Ego braucht, dann sollen sie es lieber nicht holen. Ich denke ohnehin, dass es sehr schwer wird. Das Rückspiel gegen Turin darf man nicht unterschätzen. Im Halbfinale des DFB-Pokals haben wir gegen Bremen eine eher machbare Aufgabe vor der Brust. Jedes Jahr vom Triple zu reden, ist in meinen Augen auch ein wenig alte Bayern-Arroganz, die eigentlich nicht angebracht ist.

Gewinnt Dortmund dann die Europa League und den DFB-Pokal?

Brück: Da muss man erstmal abwarten. Von einem Gegner wie Porto war ich zuletzt ein wenig enttäuscht. Mit Tottenham wartet jetzt auf jeden Fall ein ganz anderes Kaliber auf uns. Was den DFB-Pokal betrifft, bin ich mir noch nicht so sicher. Berlin spielt zuhause und wird alles dafür geben, in das Finale im eigenen Stadion einzuziehen.

Die wichtigste Frage zum Abschluss: Wie geht das Spiel aus?

Brück: Ich tippe auf einen 3:1-Sieg für Dortmund. Kevin Brück: Dortmund gewinnt mit 2:1.

Müller: Unentschieden, 2:2.

Gerd Müller: Bayern gewinnt mit 3:2.