Ende des Ryanair-Konflikts nicht in Sicht

Luftverkehr

„Ryanair must change“: Die Piloten des irischen Billigfliegers legten am Freitag die Arbeit für eine bessere Zukunft nieder. | Foto: afp

Ein historisches Ereignis: Ryanair-Piloten aus den fünf EU-Ländern Belgien, Deutschland, Irland, Niederlande und Schweden haben am Freitag die Arbeit niedergelegt, um bessere Löhne und die Einhaltung des nationalen Arbeitsrechtes einzufordern. Eine Beilegung des Sozialkonflikts scheint nicht in Sicht.

Gewerkschaften des irischen Billigfliegers betonten am Freitag, dass es keinen Sinn mache, sich an einen Verhandlungstisch zu setzen, weil die Direktion zu nichts bereit sei. Der Arbeitgeber erklärte seinerseits, man solle weiterhin an einem Kompromiss arbeiten, der Ausstand sei aber unrechtmäßig, weil unbegründet. In Belgien (an den Flughäfen von Charleroi und Brüssel) fielen dem Streik mehr als 100 Flüge zum Opfer. Die Passagiere waren in den vergangenen Tagen über alternative Flüge und die Rückzahlung ihrer Tickets informiert worden.

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ryanair in diesem Sommer mit einem Streik zu tun hat. Ende Juli hatte das belgische Kabinenpersonal während zwei Tagen die Arbeit niedergelegt. Über 23.000 Touristen wurden davon getroffen. Diesmal waren die Piloten an der Reihe. Nicht nur in Belgien, sondern auch in Deutschland, Irland, den Niederlanden und Schweden. Das Kabinenpersonal machte nicht mit. Währenddessen versuchte die Direktion, den Streik in den Niederlanden gerichtlich verbieten zu lassen. Der Antrag wurde abgelehnt. Das war nicht der einzige Versuch, den Ausstand zu beenden. Gewerkschaften bestätigten am Freitag, dass Ryanair Piloten, die als Selbstständige für den Billigflieger arbeiten, gebeten habe, Flüge in den Niederlanden zu übernehmen. „Einige wollten dem nicht folgen, wurden aber aufgrund ihres Statuts dazu verpflichtet“, so Didier Lebbe von der CNE. „Wir wissen, dass es sich um Scheinselbstständige handelt. Das hat die Sozialinspektion bereits angemerkt. Es tut sich aber nichts, und so macht Ryanair weiter.“

Direktion versuchte, den Streik in den Niederlanden gerichtlich verbieten zu lassen.

Der Streik bei Ryanair hat am Freitag auch Flugreisende in NRW betroffen. Dutzende Flüge fielen an den größeren Flughäfen im Bundesland aus, allein in Köln/Bonn rund die Hälfte der für diesen Tag angesetzten Ryanair-Flüge. Die Passagiere hatten sich allerdings gut darauf eingestellt. „Ein Großteil von ihnen war bereits zuvor von der Fluggesellschaft informiert worden und sind gar nicht erst zum Flughafen gekommen“, sagte ein Sprecher. Nur vereinzelt habe es Nachfragen gegeben.

Ähnlich gestaltete sich die Situation am größten NRW-Flughafen Düsseldorf. Zwölf Starts und Landungen wurden hier annulliert, acht davon betrafen Strecken, die Ryanair für die Fluggesellschaft Laudamotion bediente. Verwirrte Fluggäste habe es nach ersten Erkenntnissen aber keine gegeben, sagte eine Sprecherin. Der Tagesbetrieb laufe völlig normal. Am Ryanair-Stützpunkt Weeze waren am Freitag 16 der insgesamt 19 angesetzten Verbindungen gestrichen worden. Der für 24 Stunden angesetzte Pilotenstreik bei Ryanair in mehreren europäischen Ländern traf an diesem Freitag rund 55.000 Passagiere – davon 42.000 allein in Deutschland. Wegen des Streiks hatte die Airline bereits am Mittwoch vorsorglich nahezu das komplette Programm ihrer in Deutschland platzierten Jets gestrichen.

Seit dem frühen Freitagmorgen lief der Ausstand, der am Samstag um 2.59 Uhr definitiv enden sollte, wie ein Sprecher der deutschen Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mitteilte. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt.

(belga/dpa/pb)