Der Sohn des „Generals“

NACHTNOTIZEN

Beim Vorstellungstermin im Hotel Bosten in der letzten Woche: (v.l.) Ex-Bürgermeister Dr. Elmar Keutgen, Alexander Pons, Karl-Joseph Ortmann und Thomas Lennertz. | Foto: David Hagemann

Wenn die Eupener CSP mit der Nominierung von „Joky“ Ortmann im Vorfeld des Kommunal-Wahlkampfes einen Paukenschlag setzen wollte, dann ist ihr das gelungen.

Von Freddy Derwahl Freier Schriftsteller

Über der Stadt liegt so etwas wie Wechselstimmung. Straßen sind gesperrt worden, Bäume gefällt, Blumenkästen aufgestellt: Jetzt will der Bürger gefragt werden, was er davon hält, und mitreden. Ein Jahr vor dem eigentlichen Wahltermin eine wichtige Personalie zu klären, passt in diese Großwetterlage. Es bringt Lust auf Köpfe und Namen, die andere Formationen überrascht hat. Irgendwie hinken sie der öffentlichen Diskussion um neue Spitzenkandidaten hinterher.

Der Name „Ortmann“ mobilisiert die Menschen nicht nur in Eupen: positiv und negativ. Der 2010 verstorbene Vater Kurt Ortmann hat die Bevölkerung in beherzte Anhänger und erbitterte Gegner geteilt. Nach seinem Scheitern als 34-jähriger Kandidat in der Nachfolge des Patriarchen Hugo Zimmermann wurde aus dem lockeren Sportlehrer ein unversöhnlicher Oppositions-Kämpfer. Angebote seiner Gegner, den Bürgermeister-Posten zu übernehmen, lehnte er schroff ab. Als Bürgermeister Fred Evers Jahre später seinem Stellvertreter großzügig einen Wechsel vorschlug, winkte er ab. Der Abweisungen nicht genug, als angesehener Ratspräsident legte er nach einem mäßigen Wahl-Ergebnis sein Amt sofort nieder.

Kurt Ortmann, den seine Freunde „General“ nannten, wusste zutiefst, dass er in der Bevölkerung zwar respektiert, aber nicht geliebt wurde. Sich an die Macht schleichen, war nicht seine Sache. So konnte er sich die lauten Töne politischer Heimzahlung erlauben. Am Ende seiner Karriere hat er allerdings eingestanden, dass es einen solch folgenschweren Bruderkrieg, wie er ihn dem christlichen Eupen zugemutet hatte, „nie mehr geben darf“. Wenn jetzt sein Sohn als Bürgermeister-Kandidat antritt, wirkt das auf die erleichterten Menschen wie versöhnliche Kontinuität. Hier kommt kein General, sondern ein Lazarett-Helfer. Wo der Alte grob reagierte, verbreitet der Sohn Milde. Im Gegensatz zum Vater kennt er keine „Mauer am Garnstock“. Auch schließt er weder andere Partner noch Parteien aus und lässt Weitblick walten.

Und noch etwas zählt für viele Eupener: Der Sohn ähnelt mehr seiner Mutter Margot Ortmann, einer Frau mit großem Herzen.