Nina Derwael: „Ich schwebe auf einer Wolke“

Turn-WM

Nach dem Goldmedaillengewinn am Stufenbarren landete Nina Derwael im Schwebebalken-Finale auf dem vierten Platz. | Foto: afp

Selbst viele Stunden, nachdem sie mit dem Gewinn der Goldmedaille am Stufenbarren belgische Sportgeschichte geschrieben hatte, konnte Kunstturnerin Nina Derwael ihren Erfolg noch nicht ganz fassen.

„Es kommt noch nicht ganz zu mir durch. Ich schwebe jetzt für einen Moment auf einer Wolke“, reagierte die junge Frau aus Sint-Truiden vor den Kameras von Sporza. „Das ist ein Traum, der wahr wird, aber ich habe immer noch ein wenig Angst, dass ich später aufwache.“

Die Stunden vor dem Goldmedaillengewinn beschrieb Nina Derwael wie folgt: „Heute Morgen war ich sofort sehr gestresst. Glücklicherweise hatte ich meine Teamkollegen, um mich ruhig zu halten. Nach dem Absprung fiel dann viel Stress von den Schultern. Es war eine große Erleichterung. Mit meiner Punktzahl war ich super glücklich. Man konnte zwar annehmen, dass es für Gold reichen würde, aber es kamen noch Turnerinnen und man weiß nie, was sie leisten. Wir mussten abwarten und sehen.“

Simone Biles, Olympiasiegerin und Weltmeisterin, musste sich mit einem halben Punkt Rückstand auf Derwael mit Silber zufriedengeben und war anschließend voll des Lobes für die 18-jährige Limburgerin. „Sie ist toll anzusehen“, sagte die 21-jährige Amerikanerin. „Hinter ihr Zweite zu werden, fühlt sich an wie ein Sieg. Ich bin mit meiner Übung sehr zufrieden, aber es gibt offensichtlich noch Verbesserungsmöglichkeiten. Derwael ist eine Inspiration. Wenn ich sehe, wie einfach es für sie ist und wie viel Vertrauen sie hat, gibt mir das die Hoffnung, dass ich mich am Stufenbarren noch weiter verbessern kann.“

„Ich schaue schon lange zu Biles auf und mache das immer noch“, antwortete Derwael. „Aus ihrem Mund zu hören, dass ich so gut war, ist wirklich etwas ganz Besonderes. Diesen Moment werde ich voll auskosten.“

Am Samstag schrammte Derwael dann im Finale am Balken, wo sie Vizeeuropameisterin ist, an einer weiteren WM-Medaille vorbei. Mit 13,446 Punkten landete sie auf dem vierten Rang. Gold ging an die Chinesin Liu Tintiung (14,533) vor Anne-Marie Padurariu (Kan/14,1) und Biles (13,6). Überragende Turnerin des ersten Weltchampionats im Mittleren Osten war beim Comeback zwei Jahre nach ihren vier Olympiasiegen von Rio die bereits erwähnte US-Amerikanerin Simone Biles. Am Schlusstag erhöhte sie am Boden (14,933 Punkte) ihr Titelkonto auf 14 und bekräftigte ihren Ruf als erfolgreichste Athletin der Turn-Geschichte. Die 21 Jahre alte Texanerin gewann mit der US-Riege und hatte durch Erfolge im Mehrkampf und am Sprung den Weißrussen Witali Scherbo überflügelt, der zwischen 1991 und 1996 zwölf WM-Titel erkämpft hatte. (belga/jph/dpa)