Die große Schwester als Motivationscoach

Turnen

Emma (l.) und Marie (r.) Kohnenmergen bildeten am Sonntag ein gutes Trainer-Schüler-Duo. | Foto: Griseldis Cormann

In der Halle des Turnleistungszentrums (TLZ) in Amel kämpften am Sonntag 90 Turnerinnen aus fünf Vereinen des Verbands deutschsprachiger Turnvereine (VDT) in der 4.und 5.Division um Bestleistungen und Medaillen im Geräteturnen. Das GrenzEcho begleitete ein Schwesterpaar.

Von Griseldis Cormann

„Seit sieben Uhr bin ich hier in der Halle“, erzählt VDT-Präsident Bruno Müller, der gemeinsam mit Freddy Heinen (VDT-Schriftführer) als Moderator fungiert, im späten Nachmittag. Zu diesem Zeitpunkt sind schon zwei Drittel der Wettbewerbe vorüber. Anstrengend ist es, aber geklagt wird nicht. Jeder packt mit an, wenn es heißt, den eigenen Freundschaftswettbewerb Anfang des Jahres zum Gelingen zu bringen – ganz egal, ob Präsident, Vorstandsmitglied, Elternteil oder Turnerin im Leistungszentrum.

Zu Letzteren zählt auch Emma Kohnenmergen. Die 15-Jährige kam vor etwas mehr als drei Jahren ins Leistungszentrum und bestreitet hier ihre vierte Saison: „Es macht mir Spaß, an den Geräten immer etwas Neues zu lernen und mich zu verbessern.“ In der Zwischenzeit hat sie sich in die 2. Division hochgearbeitet. Doch das wäre eine Geschichte für sich. Neben dem Helfereinsatz übernahm die Burg-Reuländerin am Sonntag nämlich eine neue Rolle: Sie coachte ihre Schwester Marie. Die Elfjährige trat in der Division 4B an und hatte die vier Disziplinen des Geräteturnens der Mädchen (also Sprung, Barren, Balken und Boden) zu absolvieren. Innerhalb von nur zwei Stunden müssen die Turnerinnen vier Mal in kurzer Zeit das Beste aus sich herausholen. Die Teamkameradinnen, das Umfeld und der Trainer müssen also ganz genau darauf ausgerichtet sein und stets zur Verfügung stehen. Insbesondere wenn es um die Einturnphase vor jedem Gerät geht: Ob Groß oder Klein, vor der von einer Jury gewerteten Leistung gibt es für alle noch einmal zehn Minuten Zeit, sich auf die nächste Disziplin einzustellen. Dem Trainer obliegt es dabei, die richtigen Worte zwischen notwendiger letzter Korrektur und Motivation zu finden: „Hier muss man die wichtigsten Elemente durchgehen. Der Trainer sagt, worauf man besonders achten soll, und gibt letzte Tipps“, weiß Emma Kohnenmergen aus eigener Erfahrung. Bei der Brücke, die für den FlickFlack wichtig ist, sah die große Schwester Nachholbedarf und stellte die Biege-Position des Rückens von Marie mithilfe einer weiteren Trainerin richtig ein. „Wir müssen über die ganze Matte und in allen vier Ecken turnen“, erklärt die TLZ-Turnerin weiter, weshalb große Schritte und gute Sprünge notwendig sind. Schließlich erinnert sie ihre kleine Schwester an die wichtige gestreckte Armhaltung. Alsdann gilt es auch in diesem Alter schon, einfach nur „viel Glück“ zu wünschen und die Sportlerin alleine zu lassen.

Wettkampf und Leistung sind wichtig, aber der Spaß darf nie fehlen.

Es sind viele Tipps und Informationen, die Marie Kohnenmergen in diesen zehn Minuten kurz vor der Präsentation und in den ganzen zwei Stunden zuvor erhielt. Aber es hatte den Anschein, dass die elf Jahre alte Turnerin in keiner Minute an der Kompetenz ihrer Schwester zweifelte oder genervt wirkte. Im Gegenteil. Hin und wieder kam dem Geschwisterpaar sogar ein Lächeln über die Lippen. Denn seien Wettkampf und Leistung noch so wichtig, der Spaßfaktor dürfe nie fehlen, sind die beiden sich einig. Am Ende reicht es für Marie Kohnenmergen zum zweiten Platz.

Dieser Tag war das Warmlaufen und für viele ein Test zu der in etwas weniger als einem Monat an selber Stelle stattfindenden VDT-Meisterschaft im Geräteturnen der Mädchen aus den Divisionen sechs bis vier: „Sie waren ein respektvoller und aufmerksames Publikum“, lobte Präsident Bruno Müller und lud die Zuschauer zugleich ein, am 16.Februar wieder zahlreich zu erscheinen.

Alle Ergebnisse unter: https://bit.ly/2R5MDNc

Beim Handstand sind Körperspannung und Kraft gefragt. | Foto: Griseldis Cormann
Vor jedem Wettbewerb begrüßt die Gruppe die Jury. | Foto: Griseldis Cormann

TLZ-Freundschaftskampf in Amel

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