Teamchef Adamo erklärt: „Thierry Neuville ist bereits ein Champion“

Motorsport

Ein jovialer Italiener steht seit dieser Saison an der Spitze von Hyundai Motorsport: Andrea Adamo. | Foto: Helena El Mokni

Bei Thierry Neuvilles Team Hyundai Motorsport herrscht seit dieser Saison ein anderer Umgangston in der Führungsriege: Andrea Adamo geht resoluter zu Werk als sein Vorgänger Michel Nandan. So ist der Eindruck, den er am Wochenende bei der Rallye Monte Carlo hinterließ. Und er hält große Stücke auf Thierry Neuville: „Er ist

Von Herbert Simon

bereits ein Champion.“

Wir führten ein Interview in der Media-Zone kurz vor der Zieldurchfahrt der Monte am Yachthafen im Fürstentum Monaco mit dem zweitplatzierten Thierry Neuville. Plötzlich rauschte Andrea Adamo dazwischen, um seinem Fahrer Nummer eins im Team für seine ausgezeichnete Leistung bei der Rallye Monte Carlo zu gratulieren und den gebürtigen St.Vither in dessen Wahlheimat zu herzen: „Ich werde Dir eine Pizza bezahlen.“

Andrea Adamo: „Es wird in dieser Saison Höhen und Tiefen geben.“

Nun, wie lauten die ersten Schlüsse des jovialen Italieners von seiner bisherigen Arbeit an der Spitze des Rennstalls und speziell von der Rallye Monte Carlo? „Die Bilanz fällt positiv aus. Wir sind zufrieden. Nach dem Auftaktlauf der Rallye-WM liegen wir in der Herstellerwertung in Führung und Thierry Neuville ist Zweiter in der Klassierung der Fahrer“, sagt Andrea Adamo: „Ich glaube, jeder hat gesehen, dass wir uns sehr ins Zeug legen, um Siege einzufahren.“

Wie geht es weiter? „Das Championat zählt 14 Läufe. Nicht bei jeder Rallye wird es so gut laufen wie hier. Es wird in dieser Saison Höhen und Tiefen geben. Aber wir werden uns auch weiterhin mit voller Energie auf unsere Aufgabe konzentrieren. Hut ab vor der Gesamtleistung des Teams hier bei der Rallye Monte Carlo.“ Aber zur Teamstrategie will er nicht alles preisgeben: „Was wir intern besprechen, soll nicht an die große Glocke gehängt werden.“

Thierry Neuville wollte unbedingt seinen ersten Sieg bei der Monte, doch er hat ihn knapp verpasst. „Stimmt“, sagt der Teamchef: „Aber es hätte durchaus schlimmer ausgehen können. Er hätte auch mit seinem Auto im Straßengraben landen können.“ Wie dem auch sei, Andrea Adamo strahlt Zuversicht aus: „Wir werden weiterhin hart arbeiten.“ Er, die Ingenieure und die Fahrer wissen, wo die Stärken und die Schwächen des aktuellen Hyundai i20 Coupé WRC liegen. Bei der Monte konnte das Fahrzeug mithalten, das sollte auch bei den nächsten Läufen in Schweden und Mexiko der Fall sein. Doch für die erste reine Asphalt-Rallye der WRC 2019 auf Korsika müssen unbedingt Fortschritte erzielt werden. Ansonsten wird der südkoreanische Hersteller gegen Citroën und vor allem gegen Toyota einen schweren Stand haben. „Es bleibt noch viel zu tun“, so lautet jetzt das Motto mit Blick auf den weiteren Verlauf der Saison.

Der neue Teamchef ist aber nicht nur zufrieden mit der Vorstellung von Thierry Neuville, sondern auch mit dem prominenten Neuzugang bei Hyundai Motorsport, Sébastien Loeb: „Er hat hier eine erstaunliche Leistung abgeliefert. Wir dürfen nicht vergessen, dass er nach einer anstrengenden Dakar-Rallye in Peru erst kurz vor der Rallye Monte Carlo zu uns gestoßen ist. Er lernte das Auto, das er bis dahin noch nie gefahren hatte, lediglich während anderthalb Testtagen kennen. Ferner waren für ihn quasi alle Wertungsprüfungen neu. Und dann fährt er auf Anhieb auf Platz vier und macht keine Fehler.“ Doch nicht nur Neuville und Loeb stehen bei Andrea Adamo hoch im Kurs: „Insgesamt können wir auf vier starke Fahrer zurückgreifen. Auch Andreas Mikkelsen hat bei der Monte, die ja als ausgesprochen schwierige Rallye gilt, einen guten Job gemacht, wenngleich er abgeflogen ist. Bis dahin war er Dritter.“

Das größte Kompliment macht Andrea Adamo aber Thierry Neuville: „Auch wenn er noch nicht Weltmeister ist, fährt er wie ein Champion. Wissen Sie, in der Vergangenheit hat etwa der Finne Markku Alen nie den WM-Titel errungen. Trotzdem war er in meinen Augen ein ganz großer Rallyefahrer.“

Mit Sébastien Loeb (r.) hat Thierry Neuville 2019 einen überaus prominenten Teamkollegen. | Foto: Fabien Dufour