Issa Gamboulatov ist Kampfrichter mit Leib und Seele

Ringen

Issa Gamboulatov macht Karriere als Kampfrichter. | Foto: RVNRW

Wer das Ringen in Ostbelgien verfolgt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Issa Gamboulatov. Zurzeit baut das langjährige Vorstandsmitglied des RC Sparta Kelmis den Ringerverein Saitiev Eupen auf. Doch das ist lange nicht alles. International ist er auf zahlreichen Matten von Kinderturnieren bis hin zu Weltmeisterschaften unterwegs und vor allem für eins bekannt: seine steile Kampfrichter-Karriere.

Von Griseldis Cormann

In den osteuropäischen Ländern ist das Ringen ein Volkssport. „Wir haben damals in Tschetschenien auf der Straße gerungen. Zu Hause waren wir unter neun Geschwistern und drei Cousins. Und zum Ringen braucht es eigentlich nicht viel“, erklärt Issa Gamboulatov. Sein Interesse an diesem Kampfsport wurde mit rund elf Jahren so groß, dass er sich auf eigene Faust einer Ringerschule anschloss: „Meine Eltern wussten nichts davon. Ich wollte es ihnen nicht sagen, weil sie auf dem Bauernhof immer viel zu tun hatten und wir Kinder mithalfen“, erinnert er sich.

Während Gamboulatov die zehn Kilometer zum Training stets mit dem Bus zurücklegte, musste er sich nach der schweißtreibenden Einheit zu Fuß auf den Heimweg machen. Eines Tages sah ihn irgendwann ein Lkw-Fahrer, der seine Eltern gut kannte: „Da ist es dann herausgekommen. Er hat es ihnen erzählt. Ich dachte, dass sie mir das Ringen verbieten. Mein Vater fragte aber nur, woher ich die Zeit nehme. Am Ende durfte ich weiter meinen Lieblingssport betreiben“, war die Erleichterung im harten Leben der Sowjetunion beim jungen Ringer sehr groß.

Ein Armbruch und die Militäreinberufung beendeten seine Karriere als aktiver Ringer.

Issa Gamboulatov packte die Lust. Er setzte die drei wöchentlichen Trainingseinheiten und die Teilnahme an Turnieren fort, bis er sich mit 17 Jahren den linken Arm brach und mit 18 dann zur zweijährigen Militärzeit eingezogen wurde: „Große Resultate habe ich nie erreicht, aber mein Herz gehört dem Ringen. Zur Militärzeit war es nicht möglich, den Sport auszuüben, aber ich habe mich immer fitgehalten“, betont der 53-Jährige heute.

Issa Gamboulatov (links) ist ein gefragter Kampfrichter, auch in Osteuropa. „Wir sind erstens sehr gut ausgebildet und zweitens können wir wirklich neutral bleiben“, benennt der Kelmiser die Vorteile. | Foto: RVNRW

Um das Jahr 2000, als der Tschetschenien-Krieg ausbrach, floh Issa Gamboulatov, der sich politisch engagiert hatte, mit der ganzen Familie nach Belgien: „Mein Sohn Djakhar war zu diesem Zeitpunkt drei Jahre alt.“ Integrieren wollte er sich, seine Frau und die Kinder von Beginn an. Dabei half ihm seine Leidenschaft für den Ringersport. „2003 hörte ich davon, dass die Belgischen Meisterschaften in Raeren ausgetragen werden. Ich wollte, dass Djakhar es mal sieht und es ausprobiert. Da habe ich auch Arnold Waauff, Präsident des RC Sparta Kelmis, kennengelernt“, erzählt der Kelmiser, der in diesem Jahr bei den Gemeinderatswahlen für Ecolo antrat und beruflich im Asylbewerberheim in Eupen tätig ist.

Djakhar begann im Verein, und auch bei seinem Vater erwachte die Leidenschaft für den Sport neu und die Motivation, im Klub zu helfen. Zunächst wollte Gamboulatov das Trainerteam verstärken, doch Arnold Waauff erklärte ihm, dass sie in dieser Hinsicht gut aufgestellt seien. Es fehle vielmehr an Kampfrichtern. So begann Issa Gamboulatov 2008 mit der Ausbildung, die er parallel zur Karriere seines Sohnes absolvierte, der als Jugendlicher an Europa- und -Weltmeisterschaften teilgenommen hat.

Heute ist Issa Gamboulatov WM-Schiedsrichter.

Anfang 2009 nahm er zwei Monate lang an jedem Wochenende einen Lehrgang für die Bezirkslizenz wahr und schloss ihn erfolgreich ab. Nur ein Jahr später folgte die Landeslizenz, mit der er fortan die Mannschaftskämpfe von der Bezirks- bis zur Oberliga, die Turniere des Landes NRW sowie bei Auswahlkämpfen der Deutschen Meisterschaften pfeifen durfte. „Wir werden sehr gut ausgebildet. Aber die Landeslizenz war zu wenig für mich. Ich wollte international dabei sein“, steigerte sich der Ehrgeiz mit jeder bestandenen Prüfung.

Issa Gamboulatov war in diesem Jahr bei der WM in Budapest im Einsatz. | Foto: UWW

Im November 2012 belohnte sich Gamboulatov für seine Strebsamkeit. Der Kampfrichter kam bei der Veteranen-WM in Budapest zum Einsatz: „Das war nicht einfach und etwas ganz Neues. Wir hatten zwei Tage Theorie-Seminar und danach hieß es sechs Tage lang pfeifen. Es nahmen 750 Sportler aus mehr als 30 Ländern teil.“ Doch auch diese Prüfung der niedrigsten internationalen Kampfrichterkategorie (drei) bestand er mit Bravour. Es folgten 2014 die Kategorie zwei und 2017 die Kategorie eins, die er 2015 bei der Afrika-Meisterschaft nicht bestanden hatte: „Man muss wirklich am Ball bleiben. Jedes Jahr gibt es Regeländerungen. Aber ich muss sagen, dass ich in den letzten zehn Jahren nur an einem dieser Lehrgänge, die die Veränderungen erklären, nicht teilnehmen konnte“, so Gamboulatov, der die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen als „herausragend“ bezeichnet. Er findet es toll, als Schiedsrichter aus dem Westen im Osten Europas gefragt zu sein, und benennt die Vorteile: „Wir sind erstens sehr gut ausgebildet und zweitens können wir wirklich neutral bleiben.“

Trotz der Anstrengungen ist die Motivation stets geblieben und mündete im vergangenen November in der Ausbildung zum Olympia-Schiedsrichter: „Ob ich bestanden habe, erfahre ich nach der Komiteesitzung am Jahresende. Selbst wenn es nicht der Fall ist, habe ich bis 2020 in Tokio ja noch Zeit, sie einmal zu wiederholen“, zeigt er sich weiterhin voller Elan. Schließlich wäre er erst der dritte Belgier, der diese Lizenz in der Tasche hätte.

Issa Gamboulatov genießt es, bei hohem Lärmpegel in kleinen Hallen mit hundert Zuschauern genauso wie in großen Arenen mit über 3.000 Anhängern Kämpfe zu leiten: „Man muss immer konzentriert bleiben und sich nicht beeinflussen lassen. Aus dieser Atmosphäre und den positiven Rückmeldungen der Kämpfer ziehe ich die Energie. Ich bin zudem sehr dankbar, dass der RC Sparta Kelmis, das DG-Sportministerium und meine Familie hinter mir stehen und mich soweit es geht unterstützen. Und ich bin froh, dass Letztere versteht, was ich brauche, um die Energie für den Alltag aufzubringen.“

Sparta Kelmis kann am Samstag aufsteigen

Issa Gamboulatov fiebert dem Samstag entgegen. Dann kämpft die Ringergemeinschaft Oberforstbach/Sparta Kelmis um den Aufstieg in die Landesliga. Die RG, die in dieser Saison eine beeindruckende Leistung gezeigt hat, trifft um 16Uhr in Bonn gegen die B-Vertretung von Essen-Dellwig an. Der RC Sparta Kelmis organisiert Mitfahrgelegenheiten, um die Mannschaft bei der Mission „Meistertitel“ zu unterstützen.