GE-Winterfazit: Bei der Union Kelmis ist (noch) nichts verloren

3. Division B

Die Kelmiser - in dieser Szene kämpft Florian Thonus (vorne) um den Ball - starten nächsten Samstag mit einem Kellerduell gegen Huy ins neue Jahr. | Foto: Helmut Thönnissen

Die Union Kelmis erlebt nach dem Abgang von Präsident Egide Sebastian die erwartete schwierige Saison in der 3. Division B. Obwohl die Kelmiser erst im April 2018 den Abstieg in die unterste nationale Klasse antreten mussten, droht nun eine weitere Degradierung.

Von Felix Brock

Bereits vor Beginn der Spielzeit war jedem an der Stadionstraße bewusst, dass die Union nicht die Rolle eines gewöhnlichen Absteigers einnehmen wird. Mit einem komplett neuen und extrem verjüngten Kader, von dem nur wenige bereits auf nationalem Niveau agiert haben, sind die Grün-Weißen ihre „Fahrt ins Blaue“ angetreten. „Wir haben uns für ein Projekt aus regionalen und jungen Spielern entschieden. Ich bin froh mit der Truppe, die mit 20 ‚Elementen‘ auch breit genug besetzt ist. Wir haben uns gut präsentiert und sind nicht wie ein Tabellenschlusslicht aufgetreten“, meint Trainer Serge Sarlette.

Unerfahrenheit kostete wichtige Punkte.

Seine Mannschaft brauchte zwar nicht sehr lange, um sich zu finden und an das Spielgeschehen zu gewöhnen, dennoch dauerte es bis zum neunten Spieltag, ehe sie ihren ersten Saisonsieg einfuhr. Zuvor brachten zumeist zahlreiche individuelle Fehler – gepaart mit einer Menge Unerfahrenheit – die Union-Elf um ihren verdienten Erfolg. An dieser Stelle seien vor allem die 3:5-Niederlage am vierten Spieltag gegen den Serienfavoriten Stockay, als die Kelmiser zwischenzeitlich mit 3:0 führten, und die Begegnung gegen Meix-devant-Virton eine Woche nach dem ersten Saisonsieg bei Oppagne-Wéris hervorzuheben. Die Kelmiser waren damals im heimischen Stadion kurz davor, den zweiten Sieg in Folge einzufahren, bis sie innerhalb von 60 Sekunden zwei Gegentore kassierten und die Partie aus der Hand gaben. Bis zur Winterpause folgte lediglich der Heimsieg über Condruzien, das zurzeit gemeinsam mit der Union vom Tabellenende grüßt. Beide Schlusslichter mussten bislang zwölf Niederlagen sowie „lediglich“ drei Remis und zwei Siege verbuchen – eindeutig zu wenig. Zum Glück beträgt der Abstand auf Longlier und Huy „nur“ zwei bzw. fünf Zähler.

Sarlette: „Wir haben vier Systeme, auf die wir zurückgreifen können.“

Hoffnung aufkeimen lassen aber auch die letzten Spiele der Union. Verantworlicht hierfür ist vor allem die Umstellung vom 4-4-2-System in eine 5-4-1-Formation. Mit der Fünferkette im Defensivverbund konnte die Elf von Serge Sarlette aus fünf Partien insgesamt fünf Punkte einheimsen – und musste dabei „nur“ drei Gegentore kassieren. „Wir haben vier Systeme, auf die wir zurückgreifen können. Weil wir aber zuletzt so viele dumme Gegentore kassierten, haben wir auf die 5-4-1-Formation umgestellt, wodurch wir im Vergleich zu vorher wieder defensiver agieren“, erklärt Sarlette.

Die aktuelle Situation bei der Union ist alles, nur nicht aussichtslos. Denn die Kelmiser können im ersten Spiel des Jahres gegen Huy den Abstiegskampf neu entflammen. Mit einem Sieg vor heimischer Kulisse könnten die Kelmiser bis auf vier Punkte an die Gäste herankommen. Doch aufgepasst: Im Falle einer Niederlage wächst das Polster auf das rettende Ufer auf zehn Punkte an.

Der Abstiegskracher Kelmis-Huy steigt am Samstag, 12. Januar. Anpfiff im Prinz-Philippe-Stadion ist um 20.30 Uhr.

Nachgefragt bei Serge Sarlette: „Alle sind positiv gestimmt“

Union-Coach Serge Sarlette | Foto: Helmut Thönnissen

Herr Sarlette, wie lautet Ihr Vorsatz mit der Union Kelmis für das neue Jahr?

Der Klassenerhalt. Wir lassen unsere Köpfe nicht hängen. Unser Programm wird daher sehr hart, bevor es wieder losgeht. Am 2. Januar legen wir wieder los.

Glaubt die Mannschaft noch an den Klassenerhalt?

Ja. Wir haben nie aufgegeben, außer beim 5:1 gegen Verlaine. Wir haben zuletzt fünf Punkte aus fünf Spielen geholt. Seitdem Amaury Joiris im Tor steht, haben wir zudem vier Mal zu Null gespielt. Die Entwicklung ist gut. Alle im Verein sind positiv gestimmt. Dies ist bei vielen anderen Vereinen in der Serie nicht der Fall.

Was wäre, wenn Sie mit der Union Kelmis absteigen?

Nein, es wäre kein Drama. Vonseiten des Vereins her sowieso nicht. Aber es wäre eine Enttäuschung.

Kommentar: Mehr Anerkennung, bitte!

Autor Felix Brock | Foto: privat

Die Union Kelmis erlebt eine schwierige Saison und droht ein zweites Mal in Folge abzusteigen. Die Spiele sind häufig weder sehenswert noch erfolgreich. Das Interesse spiegelt sich an den geringen Zuschauerzahlen wieder, und in den Gedanken vieler Personen sind die Grün-Weißen ohnehin bereits abgestiegen.

Dabei gebührt der Union eine Menge Respekt. Denn sie tritt quasi Woche für Woche mit einer Truppe hiesiger, wenn auch nicht deutschsprachiger, Spieler gegen namhafte Vereine des wallonischen Fußballs an. Nicht selten treffen die Schützlinge von Serge Sarlette dabei auf ehemalige gestandene oder verkappte Profifußballer, die sich in Stockay, Warnant oder Givry ihre Brötchen verdienen. Der Mut zu diesem Projekt sollte unter dem Strich mit mehr Anerkennung, und bestenfalls dem Klassenerhalt belohnt werden.