Traurige Zeiten für „Happy Fritt“

Ernährung

Gaby Unger wünscht sich Gewissheit, wie es mit ihrem Frittenmobil weitergehen soll. | Foto: Nathalie Wimmer

Gaby Unger sieht ihre Existenz bedroht. Seit rund einem halben Jahr steht sie mit ihrer Frittenbude „Happy Fritt“ an der Hergenrather Kirche. Aber der Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Wie es weiter geht, ist offen.

Von Nathalie Wimmer

Eigentlich wollte die Ketteniserin an der Lütticher Straße in der Nähe der Tankstelle Ohn in Kelmis ihre Frittenbude aufstellen. Der Plan ging allerdings nicht auf, weil das zuständige wallonische Ministerium ein Veto einlegte. Daher waren die Kelmiser Gemeindeverantwortlichen auf die Unternehmerin zugegangen und hatten ihr einen alternativen Stellplatz angeboten: an der Hergenrather Kirche. „Der Platz ist ideal“, schwärmt Gaby Unger. Sie habe in der kurzen Zeit eine große Stammkundschaft aufbauen können. Und viele Menschen, die vorbei fahren oder spazieren, halten ebenfalls an, um sich an der Bude zu stärken. Eigentlich könnte es also für die Frittenbäckerin nicht besser laufen. Wären da nicht der auslaufende Vertrag und die Querelen rund um den Anbau. Aber der Reihe nach.

Letzte Woche wurde kräftig gehandwerkelt auf dem Kirchplatz. Neben der Frittenbude sollte ein Unterstand für die kalten Tage entstehen. Geplant war ein beheizter, heller Raum mit Sitzmöglichkeiten. Drei der vier Bretterwände, inklusive Dach und Plexiglasfenster stehen bereits. Gaby Unger war sicher, im Recht zu sein, was diesen Bau angeht und stützt sich auf eine mündliche Zusage seitens der Gemeindeverantwortlichen.

In der Verwaltung sieht man das ganz anders. Nun ist Schluss mit den Bautätigkeiten. Stephan Falkenberg vom Bauamt der Gemeinde hat einen Riegel vorgeschoben. Er macht klar: „Es liegt zwar eine Nutzungsgenehmigung für die Frittenbude vor, aber keine Baugenehmigung für die überdachte Terrasse, die allerdings nötig wäre. Es liegt am Kollegium, zu entscheiden, ob es einem Regulierungsantrag stattgibt.“ Ob sich das jetzige oder das nächste Kollegium um die Sache kümmern wird, ist noch unklar. Schöffe Jean Ohn (PFF) sieht sich hier jedenfalls nicht mehr in der Verantwortung. Über den Bau ärgert er sich dennoch. „Man kann nicht einfach so eine Bude aufstellen, ohne eine Genehmigung zu haben oder eine Anfrage zu stellen. Wir haben den kleinen Finger gegeben und sie hat den ganzen Arm genommen.“ Auch eine mündliche Zusage sei nie erfolgt, ist er sicher.

Der Anbau ist aber mittlerweile nur noch die kleinste Sorge von Gaby Unger. Sie bangt um ihre gesamte Existenz. Denn auch der Vertrag für den Stellplatz ihrer Frittenbude, den sie für 200 Euro monatlich bei der Gemeinde anmietet, hängt in der Schwebe. Am 31. Dezember läuft er aus. Eine neue Vereinbarung gibt es noch nicht. Gaby Unger ist entsetzt. Man habe ihr immer zugesagt, sie könne den Standort für die nächsten acht bis zehn Jahre anmieten. Das allerdings scheint nun gar nicht mehr so sicher. Jean Ohn sagt dazu: „Wir haben mit der Frittenbude kein Problem. Die Leute in Hergenrath sind sehr zufrieden damit. Von uns hätte sie den Vertrag verlängert bekommen. Aber den kommenden Vertrag muss die nächste Gemeinderegierung abschließen.“ Der designierte Bürgermeister Luc Frank (CSP) kritisiert dieses Vorgehen. Die alte Mehrheit müsse hier ihre Verantwortung übernehmen. „Ich weiß nicht, was da gelaufen ist. Ob es Versprechen gab oder nicht? Keine Ahnung. Uns die heiße Kartoffel einfach weiter zu reichen, ist zu leicht. Ich habe noch nichts zu entscheiden. Im Moment müssen die anderen ihre Verantwortung übernehmen.“ Man wolle sich Anfang Dezember, sobald die neue Koalition im Amt ist, mit der Geschäftsfrau an einen Tisch setzen und die Dinge klären. „Prinzipiell ist es ja gut, dass es eine Frittenbude in Hergenrath gibt“, formuliert auch Marc Langohr. Dennoch müsse über die Genehmigungen für die überdachte Terrasse und über den Standort diskutiert werden. Denn es gibt auch einige Hergenrather, die die Kombination aus Gotteshaus und Frittenbude als nicht sehr glücklich empfinden. Luc Frank formuliert es folgendermaßen: „Die Form muss noch mal besprochen werden: Ist es eine feststehende Bude? Ist sie mobil? Das sind Fragen, die man klären muss. Auch in der Vergangenheit wurden Genehmigungen an Frittenbudenbetreiber ausgesprochen, die dann für ein paar Wochen, zum Beispiel in der Weihnachtszeit in Kelmis an der Lütticher Straße stehen durften. Ich denke, man sollte eher in diese Richtung gehen.“ Das allerdings kommt für Gaby Unger nicht in Frage. Der Wagen, in den sie viel investiert hat, ist so leicht nicht vom Fleck zu bewegen. Sie würde am liebsten an ihrem Stammplatz bleiben. Ihre Kunden sehen es ähnlich. Hubertine Ripkens aus Hergenrath beispielsweise kommt einmal die Woche zu Fuß her, um Fritten zu kaufen. „Jetzt haben wir endlich eine Frittenbude im Dorf und jetzt soll sie wieder weg. Das finde ich nicht gut“, so die Seniorin, die ihrer Lieblingsfrittenbäckerin die Daumen drückt.

In der Zwischenzeit sitzt Gaby Unger auf heißen Kohlen. Sie weiß nicht, wie es weiter gehen soll. „Ich habe zwei Angestellte und eine Menge Geld in das Projekt gesteckt. Und jetzt weiß ich nicht mit Sicherheit, ob ich im Januar noch hier sein kann. Diese Ungewissheit ist schon sehr nervenaufreibend.“ Aus dem Grund hat die Geschäftsfrau Unterschriften gesammelt für den Erhalt von „Happy Fritt“ in Hergenrath. 496 Unterstützer haben bereits unterzeichnet und die Petition läuft noch weiter.Imbiss Happy Fritt

Der Anbau neben der Frittenbude ist Stein des Anstoßes.