Ostbelgier Manfred Koenigs schildert Lage in seiner Wahlheimat Berchtesgadener Land

Schnee

Dieses Foto hat Manfred Koenigs in seiner Wahlheimat Bad Reichenhall aufgenommen: Wer sein Auto seit Tagen nicht bewegt hat, dürfte Schwierigkeiten haben, es in den schneebedeckten Straßen wiederzufinden. | Foto: privat

Der starke Schneefall in den österreichischen und bayerischen Alpen dauert an. Manfred Koenigs ist vor zehn Jahren von St.Vith nach Bad Reichenhall im Berchtesgadener Land gezogen. Ein solches Schneeaufkommen hat er bisher noch nicht erlebt.

Von Allan Bastin

Als „chaotisch“ beschreibt Manfred Koenigs die Lage im südlichen Bayern und in Österreich. Anhaltender Schneefall sorgt seit Tagen für gefährliche Alltagssituationen. Gerade in den Höhenlagen gilt aufgrund der Lawinengefahr erhöhte Wachsamkeit. Vereinzelte Orte sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Bereits mindestens 13 Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bei Unfällen ums Leben gekommen. Darunter ein neunjähriger Junge, der von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde. Der letzte tragische Vorfall ereignete sich am Donnerstag im Landkreis Bad Tölz: Dabei stürzte ein Räumfahrzeug in die Isar. Der Fahrer konnte erst nach mehreren Stunden aus dem eiskalten Wasser gerettet werden. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Am Donnerstag wurde der Katastrophenfall in Bad Reichenhall ausgerufen.

So schlimm ist die Lage im Wohnort des Eifelers Manfred Koenigs glücklicherweise nicht. „Grund zur Panik haben wir eigentlich nicht. Bad Reichenhall befindet sich ‚nur‘ auf 470 Höhenmeter. Zum Vergleich: St.Vith liegt knapp höher. Aber bewegt man sich nur 20 Kilometer weiter bis nach Berchtesgaden, das auf über 700 Höhenmeter liegt, so ist die Situation dort schon weitaus angespannter.“

Bad Reichenhall ist die Kreisstadt des Landkreises Berchtesgadener Land. Von dort wurde am Mittwoch auch der Katastrophenfall ausgerufen, heißt: Die Behörden übernehmen die Koordination der Einsatz- und Hilfskräfte. Auch die Bundeswehr rückt mit schwerem Gerät an und hilft beim Räumen der Schneemassen. Gleiches gilt für Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, die seit Tagen im Dauereinsatz sind. Die Zugverbindungen ab Bad Reichenhall wurden zudem eingestellt.

Für die Kinder hat diese Entscheidung noch weitreichendere Folgen: schneefrei. Seit Donnerstag sind alle Schulen des Landkreises geschlossen. Manche hatten am Montag nach den Weihnachtsferien erst gar nicht wieder eröffnet. „Auch meine beiden Kinder, die das Gymnasium in Bad Reichenhall besuchen, haben seit Donnerstag schneefrei. Die Schulen konnten nicht anders, weil die Menschen vielerorts eingeschneit waren und erst gar nicht zur Schule kommen konnten.“

Auf den Straßen geht es in Bad Reichenhall mittlerweile entspannter zu. Das Verkehrsnetz ist weitestgehend vom Schnee befreit und gut befahrbar. Manfred Koenigs muss es wissen, schließlich arbeitet er als Taxifahrer. Doch hatte auch er in den umliegenden Orten bereits mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So steckte er bei Bad Tölz, wo der Katastrophenfall zunächst ausgerufen wurde, über längere Zeit fest, weil umgestürzte Bäume die Straße versperrten und die Feuerwehr zur Räumung anrücken musste.

Manfred Koenigs, der vor zehn Jahren aus familiären Gründen nach Bayern gezogen ist, stellt den Behörden ein ordentliches Zeugnis aus: „Alles ist gut organisiert. Schließlich hat die Region nicht zum ersten Mal mit derartigen Wetterbedingungen zu kämpfen.“

Eingesetzt haben die starken Schneefälle am Mittwoch, dem 2. Januar. In Bad Reichenhall ist man sich einig: „So etwas haben wir schon einige Jahre nicht mehr erlebt.“

Zuletzt war die Stadt 2006 im Schneechaos versunken. Damals mit einem dramatischen Ausgang: Das Dach der örtlichen Eishalle stürzte unter der Schneelast ein. Hierbei kamen 15 Menschen ums Leben, darunter zwölf Kinder und Jugendliche. Weitere 34 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Unweigerlich werden in diesen Stunden Erinnerungen an diesen schwarzen Tag geweckt. Darum sind die Behörden auch bemüht, die Gebäudedächer zu räumen. Laut Angaben der „Bild“-Zeitung galten am Freitagnachmittag 450 Dächer im Raum Berchtesgaden als bedrohlich. Rund 800 Kräfte von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und anderen Organisationen waren in der Gegend im Einsatz, war auf der Internetseite zu lesen. Die Bundesregierung ließ verlauten, dass die Zahl notfalls aufgestockt werden könnte.

Die Räumung der Dächer nimmt noch Zeit in Anspruch. Die Straßen sind weitestgehend frei.

Auf vielen Dächern liegt ein Meter Schnee – mancherorts sogar bis zu zwei Meter. Der Blick auf die Wettervorhersagen macht deutlich: Besserung ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Neben den weiteren angekündigten Schneefällen könnte es am Sonntag sogar regnen, meint Koenigs. „Das bereitet den Behörden und Hausbesitzern natürlich Sorgen. Der Regen würde die Last nur erhöhen. Daher sind alle bemüht, ihre Dächer vom Schnee zu befreien“, schildert der 45-Jährige Eifeler die Lage.

Der einzige positive Aspekt in diesem winterlichen Chaos ist sicherlich das ansehnliche Naturspektakel: „Die Bilder sind beeindruckend. Es ist eine einzigartige Kulisse.“

Manfred Koenigs im schneebedeckten Bad Reichenhall. | Foto: privat