Spielen mit Verantwortung: Geht das?

Nationallotterie

Nur mit der Nationalregisternummer hat man Zugang zum E-Lotto der Nationallotterie. | Foto: Photo News

Die Nationallotterie hat 2018 ein Rekordjahr verbucht. 80 Millionen Mal wurde bei den diversen Glücksspielen gewonnen, insgesamt 910 Millionen Euro wurden an Gewinnen ausbezahlt. Spielsucht-Experten raufen sich angesichts solcher Zahlen die Haare, doch bei der Nationallotterie weist man jegliche Kritik zurück. Zurecht?

Von Gerd Zeimers

Die Nationallotterie, eine Aktiengesellschaft öffentlichen Rechts, sieht sich häufig der Kritik ausgesetzt, dass auch sie, wie alle anderen Glücksspielveranstalter, Produkte anbietet, die die Menschen zu einem problematischen Spielverhalten verlocken können, auch wenn sie von sich selbst behauptet, ihre Spieler strenger zu kontrollieren. Im Visier sind dabei weniger die Ziehungsspiele als vielmehr Rubbellose (wegen des Sofortgewinns) und Online-Spiele wie Sportwetten: Die Produkte der Nationallotterie seien omnipräsent, in Zeitschriftenläden, bei der Post, online,… Von dort sei für eine Reihe von Menschen der Weg zur Spielsucht nicht mehr weit, heißt es dann.

Das lässt Jannie Haek, Geschäftsführer der Nationallotterie, nicht unwidersprochen auf sich sitzen: „Im Schnitt setzen unsere rund 6,7 Millionen Spieler fünf Euro ein. Unsere Produkte sind demnach von Natur aus schon weniger riskant. Im Jahr spielt ein Belgier bei uns durchschnittlich 30 Mal – was nicht so viel ist. Kurzum: Zahlreiche Belgier spielen mit einem geringen Einsatz, und das ist – im Gegensatz zur privaten Konkurrenz – für uns als Anbieter wichtig. Zudem fließt ein Teil unserer Einnahmen in Form von Zuschüssen zurück in die Gesellschaft. Ein Spiel von Belgiern für Belgier.“ Kanalisieren lautet das Zauberwort. „Kanalisieren in Richtung eines Spielens mit Verantwortung“, so der CEO. „Wir bemühen uns, das Publikum der Online-Kasinos, wo keine Kontrolle ist, zu uns zu bringen.“ Die Nationallotterie unterliegt nicht dem Glücksspielgesetz von 1999 (sondern einem spezifischen Gesetz von 2002) und wird demnach auch nicht von der Glücksspielkommission kontrolliert. Sie steht unter der Aufsicht der Föderalregierung. In gewissen Bereichen arbeitet sie mit der Kommission zusammen, legt aber selbst die Organisation von Kontrollen fest.

Jannie Haek will „nicht in die Falle laufen“, indem er auf den Zug der Online-Kasinos springt. „Nur, weil diese existieren, müssen wir da nicht mitmischen. Solche Kasinos sind in den Händen von internationalen Playern, die hundert Mal größer sind als die Nationallotterie, und ihre Gewinne fließen nicht zurück an unser Land, sondern nach Las Vegas oder Gibraltar. Wir dagegen wollen uns auf unsere traditionellen Produkte (Lotto, Rubbellose,…) konzentrieren. Wir bieten zwar auch Sportwetten an, aber die haben keine Priorität.“ Zur Illustration fügt er noch an: „Wenn meine 17-jährige Tochter mit einem Rubbellos nach Hause kommt, habe ich damit eigentlich kein Problem, wenn sie mir aber erzählt, dass sie mit ihren Freunden im Online-Kasino gespielt hat, mache ich mir Sorgen.“

Und was hat die Nationallotterie der privaten Konkurrenz in Sachen Kontrolle und Prävention beim digitalen Glücksspiel entgegenzusetzen? Zum E-Lotto hat nur der Zugang, der sich mit seiner Nationalregisternummer einschreibt, und das Spielen wird alsdann von mehreren „Wachhunden“ bzw. „Moderatoren“ kontrolliert: Ein Spieler darf höchstens 300 Euro pro Woche einsetzen und innerhalb von 24 Stunden maximal 300 Euro verlieren. Jeder Gewinn von mehr als 50 Euro wird auf das Bankkonto des Spielers und nicht auf sein digitales Konto überwiesen, von wo aus er ihn direkt wieder einsetzen könnte. Die Anzahl (repetitiver) E-Games ist auf 75 pro Tag begrenzt. „Wegen dieser Schranken, die der private Sektor nicht kennt, wird unser Online-Angebot denn auch nie ein Leuchtturm auf dem Markt sein“, sagt uns Gregory Maes, Strategie-Verantwortlicher bei der Nationallotterie.

Ein Spieler kann sich zu jeder Zeit selbst von Glücksspielen (auf der Site der Nationallotterie oder für das gesamte Angebot in Belgien) ausschließen. Das Verkaufsverbot von Produkten an Minderjährige kontrolliert die Nationallotterie übrigens durch anonyme Testkäufe. Und ein Aussschuss, dem Spielsucht-Experten angehören, wacht über die Herausgabe neuer Spiele.

2018, das Jahr aller Rekorde für die Nationallotterie

2018 geht als Rekordjahr in die Geschichte der Nationallotterie. Einige Zahlen aus dem Jahresbericht:

Rekordanzahl Gewinne: 79,858 Millionen. Unter diesen Gewinnern befanden sich 44 Millionäre.

Rekordbetrag an ausgezahlten Gewinnbeträgen: 910,4 Millionen Euro – 5,11% mehr als 2017. Durchschnittlicher Gewinn: 8,8 Euro.

Es wurden mehr als 256 Millionen Spiele verkauft.

Mit mehr als 1,2 Millionen Spielern pro Woche ist Lotto das beliebteste Spiel in Belgien. Der Relaunch im Mai 2018 (höherer Preis, höherer Gewinn) hat dem Ziehungsspiel einen neuen Boost gegeben: Mit 25 Millionen wurde die Zahl der Lottogewinner mehr als verdoppelt; die ausbezahlten Lottogewinne wurden von 196 Millionen auf 221 Millionen gesteigert (plus 12,5 %).

EuroMillions präsentiert sich weiter in Bestform: mehr als 15 Millionen Gewinner.

Rubbellose wiederum hatten das beste Jahr ihrer Geschichte mit einem Umsatz von fast 295 Millionen, was einer Steigerung um 33 Millionen Euro entspricht.

Im Einzelhandel verfügte die Nationallotterie Ende 2018 über 7.232 Verkaufsstellen. Diese verbuchten ein Umsatzplus von 1,6% gegenüber 2017. Der digitale Vertrieb über E-Lotto wächst weiter: 218 Millionen Euro Umsatz.

Der Umsatz der Nationallotterie wurde auf 1,327 Milliarden Euro gesteigert. Davon wurden 320 Millionen Euro in Form von Subsidien ins Land zurückinvestiert. Der durchschnittliche Einsatz pro Spieler beträgt 5,1 Euro.

Für 2019 hat die Nationallotterie keine neuen Produkte in Planung. Wohl zieht die Lottoziehung um, von Vilvoorde auf den place de Brouckère in Brüssel. Dort kann sie ab dem Sommer sogar von Passanten durch ein Schaufenster live verfolgt werden. (gz)