Kein Gender-Sternchen in der Schule

Rechtschreibung

Heinz Bouillon leitete die Arbeitsgruppe „Geschlechtergerechte Schreibung“. | Foto: GE

Wird ein Sternchen künftig für Geschlechtergerechtigkeit in den offiziellen Regeln der deutschen Sprache sorgen? Darüber entscheidet am 16. November der Rat für deutsche Rechtschreibung bei einer Sitzung in Passau. Sicher ist, dass das Gender-Sternchen (Männer und Frauen mithilfe eines Asterisk in nur einem Wort zu bilden, wie in: Sportler*in) nichts in der Schule verloren hat.

Von Gerd Zeimers

Die Thematik des gendergerechten oder geschlechtsneutralen Schreibens polarisiert, und der Rat für deutsche Rechtschreibung hatte eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz des aus Weywertz stammenden emeritierten Sprachprofessors Heinz Bouillon eingesetzt, um Empfehlungen zur Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache zu formulieren. Der Rat, der im Jahr 2004 gemeinsam von Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol, Liechtenstein und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens eingerichtet wurde, hat als Aufgabe, „die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren, die deutsche Rechtschreibung zu beobachten und weiterzuentwickeln und Zweifelsfälle der Rechtschreibung zu klären“. Kurzum: Der Rat, der sich aus 41 Mitgliedern zusammensetzt, ist die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung. Und nicht, wie häufig angenommen, der Duden.

Die Arbeitsgruppe um Heinz Bouillon hat in den vergangenen Monaten die bestehenden Varianten des geschlechtergerechten Schreibens, darunter Gender-Gap (Lehrer_innen), Gender-Sternchen (Lehrer*innen) und Schrägstrich (Lehrer/in), auf fünf Kriterien hin überprüft: Verständlichkeit, Lesbarkeit, Vorlesbarkeit, grammatische Korrektheit sowie Eindeutigkeit und Rechtssicherheit. „Unsere Arbeit ist beendet, wir haben dem Rat ein Papier vorgelegt“, erläutert uns Bouillon auf Anfrage. Nach schwierigen und kontrovers geführten Beratungen habe sich seine neunköpfige Arbeitsgruppe dazu entschlossen, dem Rat zwei Alternativen vorzuschlagen. Option eins: Alles bleibt beim Alten. Option zwei: Der Rat könnte öffentlichen Einrichtungen empfehlen, das Gendersternchen zu tolerieren.

Selbst wenn der Rat sich in Passau für die zweite Alternative entscheiden sollte, würde sich nicht viel ändern, beteuert der obstbelgische Linguist. In der Praxis könnten Behörden selbst entscheiden, ob sie das Sternchen in ihrem Schriftverkehr erlauben oder nicht. Das amtliche Regelwerk aber wäre nicht berührt, und auch der Duden könnte selbst entscheiden, ob er die vom Rat gewährte Toleranz unter „Empfehlungen“ abbilden möchte oder nicht. Wichtig vor allem: Schulen wären auf jeden Fall von der Toleranzregel ausgenommen. Mit anderen Worten: Lehrer werden das Gendersternchen als Fehler anstreichen müssen, sollte ein Schüler es in einem Text verwenden.

Kurzum: Wenn der Rat der zweiten Empfehlung seiner Arbeitsgruppe folgen sollte, würde das Gendersternchen offiziell als existent betrachtet, gleichzeitig der Mehrheit aber nicht zur Verwendung empfohlen.

Wie der Rechtsschreibrat am 16. November entscheiden wird, ist nach Angaben von Bouillon ungewiss. (gz)