Belfius kann ab November an die Börse

Banken

Rund 30 Prozent der Anteile von Belfius werden an die Börse gebracht. | Foto: Photo News

Die Staatsbank Belfius steckt voll in den Vorbereitungen für den Börsengang. Dieser könnte Anfang November über die Bühne gehen. Aber nicht nur die Bank muss klar sein, auch der Markt muss reif sein.

Von Gerd Zeimers

Belfius strotzt vor Gesundheit und Selbstvertrauen. Sowohl Verwaltungsratspräsident Jos Clijsters als auch Geschäftsführer Marc Raisière packen denn auch regelmäßig mit guten Geschäftsergebnissen und Wachstumszahlen aus. So auch am Freitag, als sie im 34. Stock des Belfius-Tower in Brüssel die erfolgreiche Bilanz des ersten Halbjahrs vorstellten: Nicht nur, dass der Allfinanzierer (Bank und Versicherungen) in den ersten sechs Monaten einen Nettogewinn (nach Steuern) von 335 Millionen Euro erwirtschaftete, mit einem Solvabilitätsquotienten von 16,3 Prozent gehört Belfius zu den am besten kapitalisierten Banken Europas.

„Diese Geschäftsergebnisse zeigen, dass Belfius reif ist für den Börsengang“, gab Clijsters den Ton vor. In den Vorbereitungen für die Teilprivatisierung – etwa 30 Prozent der Aktien, die zurzeit noch vollständig in den Händen des Staates sind, werden an die Börse gebracht – befindet sich das Geldhaus auf Kurs. „Alle Motoren laufen. Wir haben etwas Solides aufgebaut, erzielen – trotz eines schwierigen makroökonomischen Kontextes (u.a. historisch niedrige Zinsen, A.d.R.) – in fast allen Marktsegmenten Fortschritte und haben die Kosten unter Kontrolle“, so Clijsters. „Es freut uns, dass die Föderalregierung im Rahmen ihres Sommerabkommens uns aufgefordert hat, den baldigen Börsengang vorzubereiten. Das haben wir getan, aber die endgültige Entscheidung liegt in der Verantwortung der Regierung“, sagte Jos Clijsters, Vorsitzender von Belfius.

Die einzige Unbekannte sei die Marktlage, fügt der Verwaltungsratspräsident hinzu. „Im ersten Halbjahr 2018 haben wir alles Mögliche an der Börse mitgemacht, starke Gewinne wie auch Abstürze. Wir sind reif für den Börsengang, aber der Markt muss es auch sein. Wir werden abwarten müssen. Zurzeit jedenfalls stehen die Sterne ungünstiger als vor ein paar Monaten“, so Clijsters. Zum Timing erläutert Marc Raisière: „Ende August werden wir mit der technischen Dokumentation klar sein, auf deren Grundlage die Regierung Anfang September eine Entscheidung treffen kann. Der Börsengang könnte dann Anfang November oder im kommenden Jahr stattfinden.“ Vor einer Wertpapierplatzierung an der Börse, auch IPO („Initial Public Offering“) genannt, muss ein Prospekt veröffentlicht werden („Prospektpflicht“). In diesem Wertpapierprospekt können folgende Arten von Finanzinformation stehen: Jahres- und Konzernabschlüsse, Zwischenabschlüsse, Pro-Forma-Finanzinformationen, Gewinnprognosen und die Erläuterung der Finanz- und Ertragslage.

Belfius ist auch bereit, dem Noch-Alleinaktionär vor dem Börsengang eine zusätzliche Dividende auszuschütten. Diese Dividende will die Regierung verwenden, um die 800.000 Arco-Mitglieder zu entschädigen. Um die gleiche Kapitalquote beizubehalten, könnten mehr als 400 Millionen Euro ausbezahlt werden. Am Donnerstag hatte der Verwaltungsrat der Bank auf Grundlage des guten Halbjahresergebnisses entschieden, eine Zwischendividende von 100 Mio. Euro auszubezahlen.

Zur Arco-Regelung, die die Föderalregierung ausgefeilt hat, blieb Clijsters vage. Im Sommerabkommen hatte die Regierung beschlossen, einen Fonds von bis zu 550 Millionen Euro einzurichten, um die düpierten Arco-Investoren zu entschädigen. Darüber hinaus ist die Rede von einer Kulanz der Bank in Form von mindestens 50 Millionen Euro. Clijsters wollte den ersten Teil – den Fonds – nicht kommentieren. „Die Regierung verhandelt mit Europa darüber, und ich möchte diese Gespräche nicht stören.“ Zur möglichen Kulanz meinte er, dass der Vorstand noch nicht entschieden habe, welchen Wert eine Lösung für Belfius hat. „Ein finanzieller Aufwand muss auf jeden Fall im Interesse des Unternehmens sein. Die zitierten 50 Millionen Euro? Daran werden wir nicht sterben“, so Clijsters.

Fazit: Belfius ist reif für den Börsengang, doch liegt der Ball im Lager der Föderalregierung, die eine prinzipielle Entscheidung bereits vor ein paar Wochen getroffen hat und Anfang September wohl definitiv grünes Licht geben wird. Offen ist aber noch die Frage, ob die EU-Kommission bis dahin ihren Segen für den Arco-Deal geben wird.

Halbjahresbilanz: „In allen tragenden Bereichen der Wirtschaft aktiv“

Dank des starken Wachstums im Versicherungssegment (+17%) konnte der Allfinanzierer Belfius seinen Umsatz um 3,3 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro steigern. Der Gewinn vor Steuern stieg um sechs Prozent auf 473 Millionen Euro.

Nach Steuern ergab sich ein Rückgang um 7 Prozent auf 335 Millionen Euro. Dies ist auf einen starken Anstieg der Steuern zurückzuführen.

Geschäftsführer Marc Raisière nannte diese „guten Zahlen“ eine Folge der neuen Strategie, die seit 2013 in Kraft ist. Damals entschied sich die ehemalige Dexia-Bank, sich von einer Retailbank und einem Finanzierer der Gemeinden zu einem integrierten Allfinanzierer zu wandeln.

Der Fokus auf die Kommunen wurde zugunsten von Business Banking, Corporate Banking, Private Banking und Asset Management reduziert. Wir sind jetzt in allen tragenden Bereichen der belgischen Wirtschaft aktiv“, so Raisière.

Wie bei den Wettbewerbern drückte das anhaltend niedrige Zinsniveau auf die Zinserträge. Dies wurde vor allem durch die Versicherungswirtschaft kompensiert, die bereits 44 Prozent des Konzerngewinns ausmacht. (gz)