Glücklich ohne Geld

Studie

70 Prozent der Belgier sind unzufrieden mit ihrem Gehalt. Das hat eine groß angelegte Studie des Genter Wirtschaftsökonomen Lieven Annemans gezeigt. Andere interessante Erkenntnis: Geld macht glücklich, aber nur, wenn man nicht zu viel verdient.

Von Patrick Bildstein

Uniprofessor Lieven Annemans befragte für seine Glücklichkeitsstudie 3.770 Belgier. Die Arbeit wurde am Donnerstag in mehreren flämischen Medien präsentiert. Das Durchschnittseinkommen eines Belgiers beträgt demnach monatlich 1.716 Euro netto. Die Mehrheit (23,4 Prozent) verdient im Monat zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Jeweils 20 Prozent liegen zwischen 1.000 und 1.500 Euro, zwischen 2.000 und 2.500 Euro bzw. müssen mit weniger als 1.000 Euro auskommen. 15 Prozent der Belgier verdient dagegen mehr als 2.500 Euro im Monat.

Soweit die Zahlen. Uniprofessor Lieven Annemans hat diese Statistiken mit dem Glücksgefühl in Verbindung gebracht und einige aufschlussreiche Feststellungen gemacht. So sind Personen mit einem Monatsgehalt von 2.500 Euro glücklicher als diejenigen, die sich mit 2.000 zufriedengeben müssen. Schlechte Nachrichten hat der Experte für Topverdiener mit einem monatlichen Einkommen zwischen 4.000 und 4.500 Euro bzw. darüber hinaus: Hier nimmt das Glücksgefühl ab, unabhängig von Alter, Geschlecht, Wohnort, Ausbildung oder physischer Gesundheit. Konkret bedeutet das für die flämische Zeitung „Het Laatste Nieuws“, dass jemand, der 6.000 Euro im Monat verdient, nicht glücklicher ist als jemand, der 2.500 Euro bekommt.

Laut Lieven Annemans ist der Topverdiener allerdings weniger glücklich als jemand, der 4.000 Euro verdient. „Dass das Glücksgefühl abnimmt, ist eine neue Erkenntnis“, sagt Lieven Annemans in einem Interview mit der Zeitung „Het Laatste Nieuws“. In seinen Augen fühlen sich Menschen vor allem aufgrund ihrer Gesundheit und der sozialen Kontakte glücklich. Geld mache nicht glücklich. „Das hat bestimmt mit Stress, Wettbewerb und möglicherweise auch mit Neid zu tun. Immer teureren Dingen nachzujagen, macht auf Dauer nicht glücklich. Das Phänomen kann man so resümieren: Ich habe eine schicke Villa und ein schönes Auto, ich will aber eine noch schickere Villa und ein noch schöneres Auto.“

Lieven Annemans hebt in dem Interview hervor, dass die acht Prozent Belgier, die in puncto Gesundheit, Ausbildung und Wohnraum am schlechtesten abschneiden, glücklicher sind als die Sparte, die in diesen Bereichen am besten abschneidet. „Das zeigt, dass soziale Kontakte, Autonomie und Persönlichkeit eine Rolle spielen“, so der Uniprofessor.

Obwohl der Lebensstandard in Belgien über dem europäischen Durchschnitt liegt, wollen 70 Prozent der Belgier ein besseres Gehalt. „Auf diesem Gebiet sind wir im Vergleich mit Nachbarländern und europäischen Ländern mit ähnlichen Gehaltsstrukturen um einiges unzufriedener“, stellt Lieven Annemans fest.

Generell sind die Belgier aber ein glückliches Volk, glaubt der Ökonom. „Man hört immer wieder, dass Dänemark das glücklichste Land der Welt ist. Wir liegen aber nur ganz knapp dahinter. So einen großen Unterschied gibt es also nicht. Wir haben allerdings die Feststellung gemacht, dass das Glücksgefühl in Belgien in den letzten Jahren stagniert.“