Gaskraftwerke statt Atommeiler: Die Zeit ist (zu?) knapp

Energie

Gaskraftwerke (hier:in Drogenbos bei Brüssel) sollen die Kapazitäten liefern, die durch die Schließung der Atomreaktoren verloren gehen. | Foto: Photo News

Am Freitag hat die geschäftsführende Regierung Michel das Bezuschussungssystem für den Bau von neuen Gaskraftwerken gebilligt, die die Kapazität der Atommeiler auffangen sollen, die zwischen 2022 und 2025 definitiv abgeschaltet werden

Der Gesetzentwurf von Energieministerin Marie-Christine Marghem (MR) geht nun in den Staatsrat und soll noch vor der Auflösung des Parlaments im April grünes Licht in der Kammer erhalten. Die Ausführungsbeschlüsse würden dann in der Hand der neuen Regierung liegen, sodass ab 2021 mit dem Bau begonnen werden kann. Marghem glaubt, dass bis zum Atomausstieg 2025 die Anlagen in Betrieb sind. Experten bezweifeln das: In Irland und Großbritannien dauerte eine solche Prozedur acht Jahre, in Italien sogar 14 Jahre.

Einer Studie des Netzbetreibers Elia zufolge sind 3,6 GW neue Kapazität erforderlich um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wenn die sieben Kernkraftwerke 2025 vom Netz sind. Der am Freitag verabschiedete „Mechanismus zur Kapazitätsrückerstattung“ sieht eine Kompensation für diejenigen vor, die in Gaskraftwerke, Nachfragemanagement oder Energiespeicherung investieren.

Der Mechanismus basiert auf der Organisation von zwei Auktionen: eine vier Jahre vor dem Lieferjahr und eine zweite vor jedem Lieferjahr. Elia berechnet die erforderlichen Kapazitätsmengen und die für die Auktion benötigten Parameter. Am Ende der Auktion unterzeichnen die ausgewählten Kapazitätsanbieter einen Vertrag, der ihnen die Zahlung einer Prämie (Zuschuss) gewährt. Die erste Ausschreibung soll im Jahr 2021 durchgeführt werden. Laut Marghem wird dieser Mechanismus die niedrigsten Strompreise garantieren. (gz/belga)