Verband deutschsprachiger Turnvereine beging 50. Geburtstag


Ein Tisch mit bunter Tischdecke steht auf der Bühne, die in der Turnhalle der TSG Amel aufgebaut wurde.

Moderator Felix Arens kündigt gleich zu Beginn eine Überraschung an: Eine Frau im Kleid mit beigem Überhang kommt durch die Publikumsreihen nach vorne. Sie stellt sich als „Sabine Müller“ vor. Eine Dame, die auf der Suche nach dem richtigen Mann ist. Denn zwei habe sie schon verschlissen, und nach drei verschlissenen Männern verliere eine Frau ihren Ruf. Ein Theater.

Doch wer ist „Sabine Müller“? Es ist Daniela Rauw. Sie turnte viele Jahre lang im VDT. Geräteturnen und Tanzen waren ihre Leidenschaft, die sie beim TSV Recht auslebte. Mit dieser Basis ist sie später nach Hamburg ausgewandert. Die 28-jährige absolvierte dort eine Theater- und Gesangsausbildung. Heute ist sie u. a. mit dem „Theater auf Tour“ aus Darmstadt unterwegs und Vorturnerin im TSV Recht.

Lange Mitgliedschaften sind ganz typisch für den Turnverband: „Wir hatten Glück, dass viele dem Vorstand treu geblieben sind. Viele waren 30 bis 40 Jahre dabei“, erinnert sich Fritz Goenen, Gründungsmitglied und 26 Jahre lang Präsident (1982 bis 2008).

Er weiß noch, welches Misstrauen 1967 zwischen den Vereinen herrschte und auch 1977, als sich der katholische in einen neutralen Verband wandeln musste, um in der Wallonie und in Belgien mitturnen zu können: „Wir hatten mit Albert Backes, einen Präses im Vorstand. Wir waren sehr froh, dass er die Entscheidung mitgetragen hat. Er wollte das Beste für den Turnsport“, sagt er weiter.

Für José Heck, der von 2008 bis 2014 den Turnverband leitete, standen ganz andere Schwierigkeiten an: „Die Zeit war geprägt von der Förderung des Leistungssports“, so der Weywertzer, der weiterhin selbst turnt.

Norbert Masson (75) ist 1951 in Elsenborn in den Verein eingetreten. Später wechselte er nach Nidrum. Doch so einfach ging das nicht: „Es gab keine Autos. Ich habe nach einem Gefährt gefragt. Ein Landwirt sagte: ‚Putzt den Schweinekarren, legt ihn mit Stroh aus, dann können wir fahren.‘“ Das Publikum lacht. Auch als er daran erinnert, dass sie auf selbstgebastelten Matten, die mit Stroh gefüllt waren, trainierten: „Zwei Männer sollten die Salto-Turner auffangen. Jedes Mal ist das schiefgegangen. Der Wirt brachte ein Schnäpschen zur Aufmunterung“, so Masson.

Genau diese fehlende adäquate Infrastruktur war auch ein Punkt, an dem der Verband ansetzen musste und wollte. Teilweise wurde nicht nur auf Strohmatten, sondern auch auf Fliesenboden trainiert.

Als diese Dinge in Angriff genommen wurden, verbesserte sich der Ruf des Verbandes. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Infrastruktur nicht mehr aus den Augen verloren, weiß auch Josef Thaeter, der die technische Leitung des VDT 30 Jahre lang verantwortete.

„Wenn man so etwas hört, wird man sich noch heute bewusst, dass der Zusammenschluss die Vereine unterstützt und Außenstehenden für den Turnsport einen direkten Ansprechpartner gegeben hat“, so Bruno Müller, der erst der fünfte Vorsitzende ist.

In diesem Sinne durften am Freitagabend auch die Vertreter der Politik nicht fehlen, womit man direkt in die Zukunft katapultiert wurde: Sportministerin Isabelle Weykmans gab zu verstehen, dass sich ein Projekt zur Verbesserung und Professionalisierung der Verbandsstrukturen in Ausarbeitung befinde. Die Diskussion im Parlament starte im Frühjahr 2018. Zur Freude der vielen Anwesenden betonte sie, dass das Geflecht aus Breiten- und Leistungssport berücksichtigt werde. In dieselbe Kerbe schlug auch Alexander Fickers, Präsident des Sportrates: „Was man nicht vergessen darf ist, dass die Übergänge vom Breiten- in den Leistungssport fließend sind.“

Der gelernte Physiotherapeut betrachtet beide Formen als eine Gesundheitsförderung. Was den Turnsport angehe, sei dem Sportrat bewusst, dass er die Grundmotorik fördere. So wolle man sich dem Turnen künftig noch stärker widmen.

Als Vertreter des wallonischen Verbandes überreichte Christophe Tortue ein Präsent und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit.

Er freut sich auf eine spannende neue Generation, zu der auch die Ostbelgier Maxime Gentges und Lukas Fickers gehören: „Wir werden noch viel von Ihnen hören!“

Die Feierlichkeiten gehen am Samstag und Sonntag, 14. und 15. Oktober, mit einer großen Turngala im Triangel St.Vith weiter. Karten sind telefonisch direkt beim Verband zu kaufen unter der Rufnummer 080/34 01 38 oder auch Abendkasse zu erwerben.

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