„Thierry Neuville ist ein Stehaufmännchen“

Stephan Siepler hat schon eine langjährige Berufserfahrung im Automobilsport aufzuweisen. „Ich habe angefangen als Mechaniker, habe dann mein Studium abgeschlossen und direkt weiter im Motorsport gearbeitet“, so der Fahrzeugingenieur.

Neuvilles Renningenieur sagt: „Der Motorsport hat auch was mit Emotionen zu tun, positiv genau so wie negativ.“

Es waren schon einige Stationen: „Im Einsatz war ich im Formelsport, der GT, der DTM, im Rallye-Testteam von VW Motorsport, ferner bei Porsche mit dem GT-Projekt in Le Mans. Schließlich habe ich mich Ende 2016 auf eine Offerte von Hyundai Motorsport hin beworben und bin dort seit 2017 als Renningenieur für Thierry Neuville tätig.“

Der in Deutschland, in Alzenau, angesiedelte Rennstall des südkoreanischen Herstellers ist ein multikulturelles Team. Verständigt sich Stephan Siepler mit Thierry Neuville in Englisch oder Deutsch? „Das kommt immer darauf an, ob wir alleine sind oder nicht. Im ersten Fall sprechen wir eher Deutsch. Ansonsten, etwa wenn Copilot Nicolas Gilsoul mit dabei ist, läuft das Gespräch auf Englisch ab.“

Stephan Siepler zieht den Hut ab vor Thierry Neuville, den er für seine überaus positive Einstellung auch in schwierigen Situationen lobt: „Thierry ist etwas ganz Besonderes. Er ist wirklich ein Stehaufmännchen.“ Er verweist auf die Rallye-WM 2017: „Da gab es schon ein paar Tiefen. Aber er kann sich dann recht schnell davon freimachen und ist direkt wieder motiviert. Thierry bringt dann seine Leistung noch mehr als vorher.“

Frage an unseren Gesprächspartner: „Ich nehme an, als Renningenieur freuen Sie sich mit ihm über die Erfolge und leiden mit ihm bei Misserfolgen, oder?“ Seine Antwort: „Klar, das gehört dazu. Der Motorsport hat auch was mit Emotionen zu tun, positiv genau so gut wie negativ.“ Die Saison 2018 verläuft für Hyundai Motorsport im Allgemeinen und für WM-Spitzenreiter Thierry Neuville im Besonderen bestens. Daran hat auch der Renningenieur seinen Anteil. Stephan Siepler bleibt aber bescheiden. „In Selbsteinschätzung bin ich ganz schlecht“, schmunzelt er: „Keine Ahnung. Fest steht jedoch, dass wir im Moment ein gut funktionierendes Team sind. Das macht die ganze Sache für alle einfacher. Der Fahrer fühlt sich wohl. Die Crew hat Spaß an der Arbeit.“ Und aus seiner Sicht funktioniert die Zusammenarbeit mit Thierry Neuville sehr gut.

Für Hyundai Motorsport ist die ADAC Rallye Deutschland ein Heimspiel. „Aber“, so unterstreicht Stephan Siepler: „Wir sind international unterwegs, am Wochenende in Deutschland, unsere Heim-Rallye. Und ich bin auf jeden Fall froh, dass es einen deutschen Lauf in der Rallye-WM gibt. Die ganzen Übersee-Rennen sind nett, keine Frage. Doch es ist sehr wichtig, dass wir auch in Europa fahren.“

Stephan Siepler meint: „Wir sollten jetzt wieder in Deutschland konkurrenzfähig sein.“

Der Hyundai i20 Coupé WRC ist sicherlich ein guter Wurf. Doch das Auto läuft nicht auf allen Strecken optimal. So war Thierry Neuville bei der diesjährigen Korsika-Rallye enttäuscht, weil er dort nicht konkurrenzfähig war. „Dieses Problem stellt sich nicht nur für Hyundai, sondern für alle beteiligten Hersteller“, gibt der Renningenieur zu bedenken: „Das Auto funktioniert halt unterschiedlich gut auf dem einen oder anderen Untergrund. Auf Korsika haben wir mit Sicherheit geschwächelt. Aber wir haben in der Folge am Auto gearbeitet, damit wir jetzt wieder in Deutschland konkurrenzfähig sein werden.“ Und genau wie Fahrer Thierry Neuville geht auch Stephan Siepler positiv in die Deutschland-Rallye: „Die Testfahrten im Vorfeld dieses Wettbewerbs sind positiv verlaufen. Wir haben verschiedene Entwicklungen am Auto angebracht, so am Differenzial und der Aufhängung. Das hat dazu beigetragen, dass sich das Leistungsvermögen des Wagens verbessert hat.“