Oliver Paasch als Landwirt für einen Tag unterwegs

Statt sich den üblichen Anzug überzustreifen, ging es für Oliver Paasch am Montagmorgen in lockerer Kleidung zur Arbeit. Das Ziel war nicht etwa die Eupener Gospertstraße, sondern der Hof Theissen in Manderfeld. Dort wurde der Ministerpräsident um 6.45 Uhr im Melkstall erwartet. Wie er sich geschlagen hat, wollten wir von den Hofbesitzerinnen Elena (29) und Simone (33) Theissen wissen. „Gut“, lachte die jüngere der beiden Schwestern. „Er hat die Kühe abgeputzt, sie an die Melkmaschine angeschlossen und sogar versucht, mit der Hand zu melken. Er war wirklich begeistert und motiviert.“

Oliver Paaschs Tag begann am frühen Morgen mit dem Melken der Kühe.

Der Betroffene zeigte sich etwas bescheidener, war aber mit seiner Melkleistung zufrieden: „Das habe ich in dieser Form noch nie gemacht. Ich bin aber dankbar für dieses Erlebnis. Ich habe am heutigen Tag gelernt, wie hart auf der einen Seite die Arbeit als Landwirt ist, aber sie auf der anderen Seite auch Spaß macht. Ich rufe gerne mit dem Grünen Kreis dazu auf, den Beruf des Landwirts als positiv anzusehen und mit den Vorurteilen, die es leider immer noch gibt, aufzuräumen. Die Landwirtschaft hat eine große Bedeutung für die Landschaft unseres Gebietes und für die regionale Wirtschaft.“

Der Grüne Kreis ist eine Vereinigung von und für Junglandwirte und Jungzüchter in der DG. Die knapp 200 Mitglieder sind zwischen 16 und 35 Jahre alt.

In der Eifel sind im Laufe der letzten Jahrzehnte viele Betriebe zu Biohöfen geworden, wusste Elena Theissen aus Erfahrung zu berichten. War sie zu Beginn ihrer Vorstandszeit die einzige Biobäuerin, sind im Laufe der Zeit mehrere hinzugekommen. Welche Vorteile das bringt, bekam Oliver Paasch beim Frühstück erklärt. Der Hof Theissen hat sich bereits seit geraumer Zeit für den alternativen Weg entschieden. Große Umstellungen musste die Familie nicht in Kauf nehmen. „Wir haben nie wirklich intensiv bewirtschaftet, daher hielten sich die Veränderungen wirklich in Grenzen. Bio könnte für viele Betriebe aus der Region eine Möglichkeit sein, da vielerorts die Bedingungen gegeben sind.“ Wer auf Bio umstellt, kommt in den Genuss einer Prämie und erhält einen höheren Milchpreis. Die Mitglieder des Grünen Kreises warnen jedoch: Ein Biobetrieb ist nicht automatisch rentabel. Auf das Management käme es an, betonten die Junglandwirte. Das sei bei der konventionellen Landwirtschaft nicht anders.

Es war nicht die Erstausgabe von „Landwirt für einen Tag“. 2016 besuchte der Europaabgeordnete Pascal Arimont (CSP-EVP) Höfe im Norden der DG. „Mit dieser Aktion wollen wir uns in der Öffentlichkeit präsentieren. Der Landwirt hat ein negatives Bild. Er würde immer jammern, heißt es“, schilderte Elena Theissen die Wahrnehmung. „Das gibt es bei uns nicht. Wir schauen immer nach vorne. Das wollen wir den Politikern zeigen. Wir wollen mit ihnen über die Dinge reden, die nicht so gut laufen und gemeinsam Lösungen für die Zukunft finden.“

Biobauern erhalten einen besseren Preis für ihre Milch.

Ministerpräsident Oliver Paasch besuchte am Montag nicht nur den Hof Theissen, wo er sich mit dem Traktor- und Hofladerfahren vertraut machte, sondern auch die Familie Meyer in Herresbach und den Hof Sarlette in Weywertz, wo Kreismitglied Dany Kohnenmergen seinem Traumjob nachgeht.

Martin Meyer entschied sich erst kürzlich für die Umstellung zu Bio. „Die konventionelle Landwirtschaft ist nicht schlecht. Aber der Druck musste einfach weg“, erklärt der 56-Jährige, der seit dem vergangenen Jahr Unterstützung von Sohn David erhält. Letzterer ist Mitglied beim Grünen Kreis. Der Betrieb existiert seit 1950. Heute zählt der Betrieb 60 Milchkühe und 55 Jungtiere. 81 Hektar Land stehen zur Verfügung. „Wir mussten die Zahl unseres Viehbestandes nach der Umstellung nicht nach unten orientieren, da wir zusätzliches Land gefunden haben. Den Schritt in Richtung Bio bereuen wir keineswegs. Vom Preise her ist es einfach eine positive Sache. Zwar wird die Differenz beim Milchpreis kleiner, was auch normal ist, aber es lohnt sich immer noch.“

Oliver Paasch zeigte sich überzeugt, dass die Biolandwirtschaft in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. „Immer mehr Menschen achten auf ihre Ernährung und entscheiden sich für Bioprodukte.“ Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist zwar nicht für die Landwirtschaft zuständig, möchte allen Bauern aber unterstützend zur Seite stehen. „Wir möchten den Landwirten im Rahmen der Standortmarke Ostbelgien einen gebührenden Platz einräumen und für sie werben“, so Oliver Paasch abschließend.