Nepalesische Kunst in Walhorn

In der aktuellen Ausstellung sind die Arbeiten aus mehreren Schaffensperioden vertreten. Raginis Themen sind universell: Was ist die Zeit? Was macht sie mit uns? Wie verändern sich Dinge? Wie gehen Männer und Frauen miteinander um? Damit befasst sie sich in der Serie „Time wheel /Rad der Zeit“. In der Serie „Speaking nature/Die Natur spricht zu uns“ beschäftigt sie sich mit der Umwelt, ihrer Verschmutzung und unserem Dasein als Teil der Natur. „Die Arbeiten eines Künstlers sind so etwas wie sein Tagebuch“, sagt sie. Das macht die Ausstellung in Walhorn besonders deutlich. Die Arbeiten unter dem Titel „From my heart/Aus meinem Herzen“ sind ihrer Tochter Shivata gewidmet, die vor zwei Jahren überraschend an einer Meningitis verstarb. Dieser Todesfall beschäftigt Ragini jeden Tag. Und sie tut, was Maler eben tun, wenn sie etwas umtreibt: Sie setzen ihre Gedanken in Bilder um. Bei Ragini ist dann das Herz als Organ das zentrale Element der Bilder, verwoben mit roten und blauen Fäden, die das Geflecht der Adern und der Nerven darstellen: Herzen, miteinander verwoben, aneinander genäht. Untrennbar und doch beschädigt, gefährdet. Ihre Bilder arbeitet Ragini in einer Mischtechnik: zugrunde liegen Drucke, über die sie noch einmal mit dem Pinsel malt. Damit wird jedes Bild ein Unikat. Immer wieder sind mythologische Elemente in den Bildern zu sehen. Sie stammen aus dem hinduistischen Glauben ihrer Heimat Nepal, stehen aber für die Suche nach einem tieferen Sinn, der allen Menschen eigen ist. Damit haben sie auch Menschen etwas zu sagen, die mit dieser Mythologie nicht vertraut sind. „Im Grunde sind wir alle gleich“, sagt Ragini. „Wir sehen verschieden aus, haben unterschiedliche Haare, Augen und Haut, ernähren uns unterschiedlich. Aber tief innen drin sind wir Menschen alle gleich beschaffen.“ Diese Botschaft ist es, die sie in ihren Arbeiten zu vermitteln versucht.

Zur Finissage am 14. Oktober wird um 16 Uhr ein Sita- und Tabla-Konzert mit Hindol Deb und Arup Sen Gupta stattfinden, die nordindische klassische Stücke spielen werden. Dazu hat seine Exzellenz Lok Bahadur Thapa, Botschafter von Nepal in Brüssel, sein Kommen angekündigt. Eine besondere Ehre auch für Ragini, die in den letzten Jahren und als erste Frau überhaupt in Nepal das Amt des „Chancellor“ der Nepalesischen Akademie der Schönen Künste bekleidete.

Der Eintritt zur Ausstellung und zum Konzert ist frei. Wer die nepalesische Bevölkerung unterstützen möchte, kann dekorative Gegenstände aus nepalesischem Papier gegen eine Spende mit nach Hause nehmen. Das Geld geht an die „Shivata Love Foundation“, die Ausbildungen für Mädchen finanziert und in besonders gefährdeten Gebieten in Nepal die Bevölkerung über Meningitis aufklärt. Das Atelier I.S. ist samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. (red)

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